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Neuer Direktor beim Amtsgericht

Klaus Neubert wird Nachfolger von Armin Böhm Neuer Direktor beim Amtsgericht

Das Amtsgericht hat einen neuen Direktor: Klaus Neubert (57) tritt die Nachfolge von Armin Böhm an, der Ende März in Pension gegangen ist.

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Sicherheit ist für ihn ein wichtiges Thema: Klaus Neubert im Gespräch mit den Wachtmeistern am Empfang des Justizgebäudes.

Quelle: ly

Bückeburg. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt Neubert den Grund für seinen Wechsel von Hannover nach Bückeburg, weist auf Personalmangel im mittleren Dienst hin, plädiert für Sicherheit und gegen Hochsicherheitsfestungen. Herr Neubert, das Amtsgericht Bückeburg ist eher überschaubar, der Chefposten nicht zwangsläufig Höhepunkt einer niedersächsischen Richterkarriere. Was hat sie nach Bückeburg gezogen?

 Nach 25 Jahren in Hannover war es der große Reiz, mal etwas Anderes zu machen. In Hannover war ich bereits Abteilungsleiter. Ich finde es einfach spannend, nun ein ganzes Gericht zu leiten. Sie waren Abteilungsleiter Insolvenzen. Werden Sie diesen Bereich neben Ihren Verwaltungsaufgaben auch in Bückeburg übernehmen?

 Ich hoffe, dass das Präsidium des Amtsgerichts, die aus allen Richtern bestehende Selbstverwaltung, dazu bereit ist. Der Kollege, der zurzeit die Insolvenzen bearbeitet, geht zum Jahresende in Pension. So lange bleibe ich erst einmal Ermittlungsrichter. Dann müssen Sie vielleicht auch im sogenannten Rechts-Links-Konflikt ermitteln. Bei der Bückeburger Justiz waren zuletzt 17 Anklagen anhängig. In früheren Prozessen hieß es, auf der Straße werde „Cowboy gegen Indianer“ gespielt. Wie beurteilen Sie den Konflikt?

 Ich weiß nicht, ob diese Auseinandersetzungen wirklich immer einen politischen Hintergrund haben. So oder so: Das Gewaltmonopol hat der Staat. Apropos Gewalt: Sicherheit war für Ihren Vorgänger Armin Böhm ein wichtiges Thema. Werden Sie das fortführen?

 Bei den Sicherheitsmaßnahmen ist die Bückeburger Justiz bereits gut aufgestellt, zum Beispiel durch die Sicherheitsschleuse und regelmäßige Einlasskontrollen. Das ist richtig so, denn die Justiz muss ein geschützter Ort sein, weil hier Täter und Opfer oder zerstrittene Parteien aufeinander treffen. Eine Hochsicherheitsfestung sollte das Gerichtsgebäude jedoch nicht sein. Mehr als 95 Prozent unserer Kunden sind völlig harmlose Bürger. Sie sollen nicht den Eindruck haben, in die Hände eines Sicherheitsapparates zu gelangen wie früher in der DDR . Sind Sie personell ebenfalls gut aufgestellt? Braucht das Amtsgericht mehr Personal?

 Die gesamte Justiz leidet darunter, dass der mittlere Dienst in den vergangenen Jahren stark ausgedünnt worden ist. Mittlerweile ist ein Punkt erreicht, wo nicht weiter gespart werden kann, wenn man arbeitsfähig bleiben will. Nach der Personalbedarfsberechnung brauchen wir im mittleren Dienst 20 Prozent mehr Leute. Ich hoffe, wir kriegen sie. Das Ministerium entscheidet. Außerdem brauchen wir mehr Wachtmeister, das Schlüsselpersonal für die Sicherheit. Und wie groß ist das Arbeitspensum eines Richters?

 Bevor ich kam, lag die Pensenbelastung in Bückeburg bei 1,34. Jetzt beträgt sie 1,09. Das ist zumutbar. Was sind Sie für ein Chef, Herr Neubert?

 Ich sehe mich als Dirigenten, der sein Orchester mitnimmt. Ich möchte alle so motivieren, dass sie ihre Arbeit gut und gerne machen. Am Ende soll das stimmige Ergebnis eines eingespielten Teams stehen. Ich bin ein Teamplayer, der Mitarbeiter an Entscheidungen beteiligt und das eigene Handeln transparent macht. Wie werden Sie künftig mit Landgericht, Staatsanwaltschaft und Anwälten zusammenarbeiten?

 Ich bin immer ergebnisorientiert, Reibungsverluste können wir uns nicht leisten. Deshalb sollten möglichst viele Verfahrensabläufe abgesprochen werden. Das gilt zum Beispiel auch für Polizei und Jugendamt. Arbeitet das Amtsgericht schnell?

 Zivil- und Ermittlungsakten haben meist nur bis zu einem Tag Laufzeit. Das liegt auch an den kurzen Wegen hier. Was wollen Sie anders machen?

 Erst mal sehen. Es macht keinen Sinn, mit dem großen Plan zu kommen, wenn man den Ist-Zustand noch nicht genau kennt. Mein erster Eindruck: Dieses Amtsgericht ist richtig gut aufgestellt, die Mitarbeiter sind kompetent und motiviert. Das sieht man auch an der Aktenlaufzeit. ly

Klaus Neubert ganz privat

Wer sich mit Klaus Neubert anlegt, könnte den Kürzeren ziehen. Der neue Direktor des Bückeburger Amtsgerichts geht ins Fitnessstudio und betreibt Kali, eine philippinische Kampfkunst zur Selbstverteidigung. „Anwenden musste ich Kali noch nie“, erzählt Neubert. „Aber ich möchte vorbereitet sein.“

Neubert ist gebürtiger Bremer, hat in Trier studiert und war 25 Jahre lang am Amtsgericht Hannover, zuletzt als Leiter der Insolvenz-Abteilung. Zum Leitungsteam gehörte er seit Gründung der Abteilung im Jahr 1999. Der Richter ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. In seiner Freizeit fährt Neubert gern Motorrad (Kawasaki ER-5) und bereist europäische Großstädte (zuletzt Lissabon). Es muss nicht immer Action sein. Der neue Direktor mag auch Theater, Kino (Lieblingsfilm: „Blues Brothers“) und Bücher („Alles von Schmökern bis zur Quantenphysik“). Seinen Dienst in Bückeburg hat er im Mai angetreten.   ly

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