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Bückeburg Stadt Neujahrskonzert des Göttinger Symphonie Orchesters
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00:20 13.01.2016
Christoph-Mathias Mueller wiegt sich im Takt der Musik und „flirtet“ mit seinen Musikern. Quelle: mig
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Bückeburg

Weil schon früh alle Plätze besetzt sind, müssen sogar weitere Stühle hinzugeholt werden.

 Mit Neujahrskonzerten ist es wie mit einem alten Ehepaar: Man kennt und schätzt sich – weiß, was man voneinander zu erwarten hat. Langeweile ist da fast schon programmiert. Viel Strauss und zum Schluss der Radetzky-Marsch – das ist einfach zu wenig. Konzerte, die so aufgebaut sind, haben vielleicht einen Knalleffekt, aber keinen Pfiff.

 Wie es gehen kann, das demonstriert seit vielen Jahren das Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller. Auch bei ihnen gibt es Walzer und Strauss zu hören, aber im Gegensatz zu vielen anderen Orchestern wandeln die Göttinger immer auch abseits der ausgetretenen Pfade. Das war im Jahr 2014 so – damals gab es Exotisches zu hören – und ist auch diesmal nicht anders.

 Es geht um das Thema „Buffo“, zu deutsch: lustig, komisch. Der Zuhörer kann dem „Lustigen, Komischen“ durch die Epochen nachspüren – oder er lehnt sich zurück und genießt die Musik: die „Scherz-Polka“ von Johann Strauss Sohn oder Giochani Rossinis „Introduktion. Thema und Variationen für Klarinette und Orchester“. Vor allem Letzteres ist ein Virtuosenstück wie aus dem Lehrbuch. Flirrende Töne, die rauf und runter jagen. Ein musikalisches Feuerwerk, das in den unterschiedlichsten Farben glüht.

 Solist Blas Sparovec, der auch schon bei Carl Maria von Webers „Concertino für Klarinette und Orchester Es-Dur, op. 26“ glänzen konnte, entlockt seiner Klarinette eine ganze Bandbreite von Klangfarben: zarteste an Stimmen erinnernde Kantilenen und volle, im Dialog mit dem Ensemble, laute Töne. Für diesen furiosen, absolut fehlerfreien Auftritt gibt es viel Beifall.

 Den Anfang haben die Göttinger aber mit einem anderen Werk gemacht: Rossinis Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“. Eine zögernde Einleitung wechselt mit wunderbar ausgespielten Melodienbögen, dazu eine fast rauschhafte Beschleunigung. Dahingaloppierende Reprisen, ein hauchzartes Pianissimo und eine fast tänzelnde Rhythmik machen das fulminante Werk zu einem echten Hörgenuss. Auf Hans Christians Lumbyes rumpelnder Polka folgt Jacques Offenbachs Ouvertüre zur Oper „Pariser Leben“, ein Stück, das einfach nur Spaß macht. Ein bisschen pikant, ein bisschen frivol. Offenbach schüttet ein ganzes Füllhorn an einfallsreichen und spritzigen Ideen über dem Zuhörer aus.

 Dirigent Mueller wiegt sich im Takt der Musik und „flirtet“ mit seinem Ensemble. Kaum ein Bein, das nicht im Rhythmus mitwippt. Großartig auch: der Walzer „Ich lach!“, von Mueller als ein Werk mit „Rippenstoß-Akzenten“ angekündigt. Mueller überrascht die Zuhörer mit kleinen, bremsenden Fermaten, die die Spannung herauszögern und dadurch noch weiter steigern. Überhaupt gelingt es dem gebürtigen Peruaner, noch das letzte Quäntchen an Temperament aus seinem Ensemble herauszukitzeln. Wie ein Tänzer wirbelt er ein ums andere Mal um seine Achse, mal leichthin, mal zupackend, als wolle er die Musik mit seinen Händen modellieren.

 Den Schlusspunkt unter ein grandioses Konzert setzen dann die elegante „Harlekin-Polka“ von Josef Strauss und der süffige „Frohsinns-Spenden“-Walzer von Johann Strauss Sohn. Die Streicher sind ganz schwebende Leichtigkeit und Wiener-Opernball-Seligkeit. Dann frenetischer Applaus, Hochrufe, Stehbeifall. Die Göttinger werden auf die Bühne zurückgejubelt. Gottlob muss man sagen, denn erst jetzt folgen zwei musikalische Sahnehäubchen: der Walzer „An der schönen blauen Donau“ und der fast schon traditionelle Radetzky-Marsch. Jetzt schunkelt der ganze Rathaussaal wie ein Schiff voller Seeleute – das Publikum ist in Champagner-Laune. Was will man mehr? mig

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