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Nicht entsorgen wie eine leere Batterie

Bückeburg Nicht entsorgen wie eine leere Batterie

„Eine dem Individuum entsprechende Kultur der Trauer zuzulassen und mit den Betroffenen zu entwickeln“, hat Pastor Dr. Wieland Kastning als zentrale Herausforderung in der Begleitung Trauender bezeichnet. Trauer benötige persönlichen und individuellen Ausdruck, brauche Orte und Zeiten – wie etwa ein Grabmal oder die Pflege des Grabes – wo sie Ausdruck finden könne, erläuterte der Geistliche während der Veranstaltung „Tag des Friedhofes“.

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Der „Tag des Friedhofs“ führt zahlreiche Besucher in der Kapelle des Friedhofes an der Scheier Straße zusammen. Links im Hintergrund: Dorothea Bobzin und Wieland Kastning.

Quelle: bus

Bückeburg. Die Wertschätzung des Toten und seines gelebten Lebens werde unter den Lebenden nur dann spürbare Gestalt behalten, „wenn wir sie durch die Gestaltung des Grabes auch sichtbar dokumentieren“.

 Die von der evangelisch-lutherischen Stadtkirchengemeinde auf dem Friedhof an der Scheier Straße organisierte Veranstaltung bot mehrere Möglichkeiten, dem Thema „Trauer- und Friedhofskultur“ zu begegnen. So bestand im Anschluss an einen von Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke und Pastor Kastning in der Friedhofskapelle gehaltenen Eröffnungsgottesdienst etwa die Gelegenheit, sich von fachkundigen Führern über die weitläufige Anlage und die Errichtung von Grabstätten informieren zu lassen. Weitere Informationen lieferten heimische Bestatter, Friedhofsgärtner und Floristen sowie Mitarbeitende des ambulanten Hospizdienstes Schaumburg und der Geburtsabteilung des Krankenhauses Bethel.

 In kurzen Vorträgen kam der Hamburger Natursachverständige und Landschaftsplaner Andreas Morgenroth, die aus Hannover kommende Krankenhausseelsorgerin Dorothea Bobzin und Pastor Kastning zu Wort.

 Morgenroth referierte zum Thema „Probleme von Urnenwäldern aus naturschutzfachlicher Sicht“ und machte dabei unter anderem auf mögliche Belastung der Umwelt durch die Inhalte von Totenaschen aufmerksam. In den Verbrennungsrückständen fänden sich mitunter giftige Partikel wie Cadmium, Chrom oder Arsen in unterschiedlicher Konzentration, legte der Fachmann dar. „Hier besteht noch ein riesengroßer Forschungsbedarf.“ Bobzin legte ihr Hauptaugenmerk auf tot und früh geborene sowie nicht beigesetzte Kinder. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass die Kirchengemeinde einen Ort des Gedenkens für die Betroffenen einrichten möchte.

 Kastning griff beispielhaft ein Bild aus der Elektrochemie auf, als er auf die Würde Verstorbener zu sprechen kam. „Der Mensch soll nicht verschwinden wie eine leere Batterie. Er hat nicht ausgedient und muss nicht entsorgt werden“, führte der Referent aus. „Seiner unendlichen Bedeutung vor Gott entsprechen wir dadurch, dass wir seine Würde auch über den Tag seines Todes hinaus dadurch pflegen, dass sein Name unter uns sichtbar bleibt.“

 Der umfriedete und abgegrenzte Friedhof, erklärte Kastning, stelle das stärkste Symbol der Zusammengehörigkeit der Lebenden und der Toten dar – aber auch ihrer Trennung und Unterscheidung. Aus hygienischen Gründen seien die Gottesäcker seit dem 18. Jahrhundert an die Peripherie der Siedlungen verlegt worden. „Aber Trennung wie Verbundenheit zwischen Toten und Lebenden wurden durch die Nähe und Erreichbarkeit dieses besonderen Bereiches weiterhin öffentlich und für alle sichtbar gezeigt.“

 Kastning sprach sich gegen die Anonymisierung von Grabstätten aus. „Ich plädiere für einen Stein mit einem Namen und für einen schönen, durch Steine, Bepflanzungen, Haine und Bäume gegliederten Friedhof“, betonte der Geistliche. Ein solcher Ort eigne sich nicht nur für erbauliche Spaziergänge, sondern führe auch Vergänglichkeit, Fragilität und Kostbarkeit unserer Menschlichkeit vor Augen. Der Referent: „Deshalb plädiere ich natürlich auch für den Erhalt schöner Friedhöfe. Was indes nur möglich ist, wenn wir gemeinsam bereit sind, diese durch Graberwerb, Grabpflege und Pflege der gesamten Anlage zu erhalten.“

 Mit Blick auf die aktuelle Grabgestaltung mochte Christian Engelke von der Gärtnerei „Engel & Engelke“ keinen eindeutigen Trend ausmachen. „Anspruchsvoll und schön gestaltet aber pflegeleicht“, lauteten zumeist die Vorstellungen der Hinterbliebenen. Heute spiele die zur Verfügung stehende Zeit eine größere Rolle als in den zurückliegenden Jahrzehnten, merkte der Gartenbau-Diplomingenieur an. Derzeit stünden die Friedhofsgärtner hierzulande unterdessen vor der Bewältigung eines ganz speziellen Problems. „Seit wenigen Wochen ist in unseren Kreisen der Buchsbaumpilz ein riesiges Thema. bus

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