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Nicht nur Backpfeifen ausgeteilt

Bückeburger Senioren-Union Nicht nur Backpfeifen ausgeteilt

„Jugendhilfe im Wandel der Zeit“ ist das Thema einer Veranstaltung der Bückeburger Senioren-Union gewesen, in der Jürgen Kruska die Teilnehmer über seine Sicht der Dinge informierte.

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Diskussion: Jürgen Kruska (rechts) im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Senioren-Union, Friedrich Pörtner.

Quelle: bus

Bückeburg. Der Leiter des in Steinbergen beheimateten Jugendhofs „Hirschkuppe“ schlug bei seinen Betrachtungen einen bis in die siebziger Jahre zurückreichenden zeitlichen Bogen. „Ich bin seit 45 Jahren ununterbrochen in der Jugendhilfe tätig“, gab der 67-Jährige zu verstehen.

In seinen Anfangsjahren habe niemand die streng nach Geschlechtern getrennt untergebrachten Jugendlichen mit dem Vornamen angesprochen. „Die hatten keine Namen, sondern Nummern“, verdeutlichte der Sozialpädagoge. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.“ Die jungen Leute seien allerdings auch „verwahrlost bis zum Gehtnichtmehr“ gewesen.

„Früher ging es in den Heimen nicht darum, ihnen zu helfen, sondern sie zu bestrafen“, legte der Referent dar, wobei Prügel zum Tagesgeschehen dazugehörten. „Und da wurden nicht nur Backpfeifen ausgeteilt.“ Darüber, die Klientel mit Lehrstellen zu versorgen, sei nicht nachgedacht worden. Lebensmittel waren rationiert, Freizeiten standen nicht auf dem Programm.

Kruska: „Die wurden zur Unselbstständigkeit erzogen.“ Oft habe es geheißen: „An denen kann man nichts mehr kaputtmachen.“ Er hingegen habe die Auffassung vertreten, den jungen Leuten unter anderem mit Erfolgerlebnissen auf die Sprünge helfen zu können, was beim Landesjugendamt auf wenig Gegenliebe gestoßen sei. „Dort war ich nicht gern gesehen, einmal hätte ich einen Vertreter des Amtes fast aus dem Fenster geworden“, gab der Rintelner ein Beispiel für die damaligen Verhältnisse. Während in den Heimen zunächst Straffällige überwogen, habe in den achtziger und neunziger Jahren der Anteil sexuell Misshandelter zugenommen.

Im Laufe der Zeit habe zudem das Durchschnittsalter der Heimbewohner ständig abgenommen. „Kinder, die in ihrem Leben noch nicht viel Sonne gesehen haben“, meinte der Referent. „Acht-, Neun- Zehnjährige, teilweise traumatisiert, viele vollgepackt mit Psychopharmaka, eine bedrohliche Entwicklung.“ Heute sei das Team der „Hirschkuppe“ darum bemüht, die Kinder so schnell wie möglich in ihre Elternhäuser zurückzuvermitteln. „Das geht aber leider nicht immer“, hielt Kruska fest.

Zum pädagogischen Konzept der von ihm gegründeten Einrichtung zählten größtmögliche Verselbstständigung in allen Lebensbereichen, individuelle Förderung und Forderung sowie der Abbau negativer Verhaltensweisen. Darüber hinaus strebe das Konzept Eigenverantwortung und sozialgünstiges Verhalten im Rahmen anerkannten Normen mit dem Ziel der Integration in Schule, Verein und Beruf an. „Kontinuität, Zuverlässigkeit und Konsequenz sowie ein kooperativer Erziehungsstil sind wesentliche Bestandteile unserer Arbeit“, führte der Inhaber aus.

Ein festgeschriebener Tagesablauf unter Einbindung von Ritualen soll ein gemeinsames Leben und Erleben ermöglichen. bus

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