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Nicht nur kurz und einprägsam

In Bückeburg gibt es 300 Straßennamen Nicht nur kurz und einprägsam

Straßenschilder sorgen für Übersicht und erleichtern Einwohnern und Besuchern den Weg durch die Stadt. In Bückeburg gibt es an die 300. Die ersten wurden Anfang des vorigen Jahrhunderts aufgestellt. Gleichzeitig wurde auch die Kennzeichnung der Gebäude mit Hausnummern vorgeschrieben.

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Auch nach Lulu von Strauß und Torney ist eine Straße benannt worden.

Quelle: Repro: gp

BÜCKEBURG. Auslöser war eine im August 1907 vom Magistrat beschlossene „Polizeiverordnung über die Anbringung von Straßen- und Hausnummernschildern“. Die Neuregelung kam nicht von ungefähr. Die Residenz hatte einen Bauboom erlebt. Die bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch nahezu ausschließlich auf den historischen Stadtkern konzentrierte Siedlung war stellenweise weit über den Ex-Wall hinausgewachsen. Auf vielen der aus dieser Zeit stammenden Hinweistafeln stehen althergebrachte Örtlichkeitsbezeichnungen oder die Namen verdienter Persönlichkeiten. Sie dürfen auch als eine Art Schlüssel zum Verständnis der Stadtentwicklungsgeschichte gelten. Wir stellen einige der bemerkenswertesten auf den Schildern verewigten Personen vor.

Eine ganze Reihe Bückeburger Straßen ist ortsansässigen Dichtern, Musikern und Malern gewidmet.

Adolf Holst:

Die Adolf-Holst-Straße erinnert an den seiner Zeit äußerst populären Autor von Kinderbüchern. Holst lebte von 1867 bis 1945 und war mehrere Jahre als Prinzenerzieher der Fürstenfamilie tätig.

Rudolf Bensen:

Die Bensenstraße verdankt ihren Namen dem knorrigen Sanitätsrat Dr. Rudolf Bensen (1841-1921), einem beliebten Mediziner in Bückeburg und Bad Eilsen. Bis heute bekannt sind seine humorvollen Geschichten-Bände mit der Überschrift „Olle Bückeburger Dönchen“.

Friedrich Bach:

Die Friedrich-Bach-Straße geht auf den Thomaskantor-Sohn Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795) zurück. Er war zur Zeit des Grafen Wilhelm Leiter der Hofkapelle und vertonte unter anderem einige Dichtungen seines Nachbarn Johann Gottfried Herder (1744-1803). Dieser war während der Zeit Bachs Superintendent der hiesigen Landeskirche, bevor ihn Johann Wolfgang von Goethe 1776 nach Weimar lockte.

Hermann Löns:

Der einstige Mittelweg wurde in den 1920er Jahren in Hermann-Löns-Straße umgetauft. Löns (1866-1914) arbeitete zwei Jahre als Redakteur der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung. Er kam 1914 als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg um.

Heinrich Schwiering:

Der Schwieringweg heißt nach dem Kunstmaler Heinrich Schwiering, der von 1860 bis 1949 in Bückeburg lebte und sich mit seinen Landschaftsbildern und Porträts einen Namen machte.

Richard Sahla:

Die Richard-Sahla-Straße verdankt ihren Namen dem Geigen-Virtuosen und Dirigenten Richard Sahla (1855-1930). Sahla verhalf der Hofkapelle zu internationalem Ansehen.

Von-Strauß-und-Torney:

Eine Panne passierte den Stadtvätern bei der Würdigung der hochgeschätzten Von-Strauß-und-Torney-Dynastie. Aus der Familie gingen bekanntlich zwei bedeutsame Persönlichkeiten hervor, nämlich der Diplomat und Schriftsteller Viktor (1809–1901) sowie dessen mindestens ebenso berühmte Enkelin Lulu – Verfasserin zahlreicher Gedichte und heimatkundlicher Schriften (1873-1956).

Eigentlich sollten beide mit je einer Straße bedacht werden. Doch das ging wegen „fürchterlicher Genauigkeit“ der Stadtväter daneben. Wie es dazu kommen konnte, hat vor rund 50 Jahren der Gymnasiallehrer Hans Wunderlich, damals Vorsitzender des schaumburg-lippischen Heimatvereins, in einem in der Zeitung abgedruckten Aufsatz beschrieben.

Danach war 1927 zu Ehren Lulus die Fortsetzung der heutigen Hermann-Löns-Straße als Straußweg ausgewiesen worden. Bei der Namensgebung hatte man im Rathaus laut Wunderlich die Mahnungen des Heimathistorikers Paul Hundt im Ohr. Dieser hatte sich über „Schöne und unschöne Bückeburger Straßennamen“ ausgelassen. „Ihre praktische Brauchbarkeit erfordert vor allem Kürze und Einprägsamkeit“, so seine Mahnung. „Dem, der in der Geschichte Bescheid weiß, genügt ein kurzer Name.“ Je länger ein Straßenname sei, desto unpraktischer und hässlicher sei er. „Wir haben glücklicherweise in Bückeburg solche Straßen nicht. Man stelle sich vor, wenn uns durch fürchterliche Genauigkeit ein ‚Lulu-von-Strauß-und-Torney-Weg’ beschert würde“, so das Fazit Hundts. Anderswo habe man Ungeheuer fabriziert. „In Berlin gibt’s eine „Generalfeldzeugmeister-Graf-Pape-Straße.“

Mit dem Hinscheiden des Straßennamen-Sachverständigen geriet dessen Mahnung in Vergessenheit. So kam es, dass die nach der „Machtergreifung“ neu ins Amt gehievten NS-Ratsherren ein Straßenschild mit dem Namen der als Blut- und Boden-Dichterin verehrten Lulu von Strauß und Torney vermissten. Die in den 1920er Jahren als Straußweg ausgeschilderten Verbindung ordneten sie Großvater Viktor zu. Prompt kam es zu der von Hundt angeprangerten „fürchterlichen Genauigkeit“. 1943 wurde die im Volksmund auch als Nachtigallenweg bekannte Söpstraße in Lulu-von-Strauß-und-Torney-Straße umgetauft. gp

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