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Bückeburg Stadt Notfall Patientenversorgung
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Notfall Patientenversorgung
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00:24 31.03.2018
Für Dr. Helmut Warnecke ist Schluss: Zum 1. April schließt er nach 39 Jahren seine Praxis. Quelle: rc
Bückeburg

Wegen Unregelmäßigkeiten und fehlenden Voraussetzungen kam die Übernahme der Praxis durch einen Vertretungsarzt nicht zustande. Nun stehen hunderte Patienten auf der Straße: rund 1300 bis zu 1500 zu behandelnde Fälle pro Quartal. Außerdem verlieren vier Mitarbeiterinnen ihre Arbeitsplätze.

 Nicht alle der gut ein Dutzend Arztpraxen für Allgemeinmedizin im Mittelbereich Bückeburg (Warnecke bereits abgerechnet) können nach SN-Informationen überhaupt noch Patienten aufnehmen. Sie hatten bereits vor Bekanntwerden der Warnecke-Schließung einen Aufnahmestopp verhängt.

 Vor einigen Tagen sind die Bückeburger Allgemeinmediziner zu einem Krisentreffen zusammen gekommen. Dort sei man sich einig gewesen, dass die Warnecke-Patienten verteilt und „wesentliche Teile“ aufgenommen werden müssen, heißt es. Vereinbart worden sei aber auch, dass Patienten von außerhalb Bückeburgs nicht aufgenommen werden.

Bückeburg gilt bei der KVN als gut versorgt

Ein Arzt sagte gegenüber unserer Zeitung, dass er „wohl nur noch einige Tage Patienten aufnehmen kann“. Er schilderte den Fall einer chronisch kranken Patientin von Warnecke, die in Freudentränen ausgebrochen sei, als sie von seiner Praxis die Zusage erhalten hat.

 Neben der Stadt Bückeburg zählen die fünf Gemeinden der Samtgemeinde Eilsen zum Mittelbereich Bückeburg. In Bad Eilsen praktizieren sechs Allgemeinmediziner in drei Praxen. Mit den Bückeburgern – nach Abzug der Praxis Warnecke – gibt es 17 Allgemeinmediziner im Bereich Bückeburg.

 Dabei müssen die Realität und die zugrunde liegende Bedarfsplanung im Mittelbereich Bückeburg nicht unbedingt übereinstimmen, wie der Pressesprecher der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsens (KVN), Detlef Haffke, auf Anfrage einräumt. Denn nach der Bedarfsplanung gilt der Mittelbereich Bückeburg mit seinen 26.129 Menschen und 18 Hausärzten (hier noch inklusive Warnecke) mit einem Versorgungsgrad von 109,8 Prozent als gut versorgt.

Dramatische Zustände

Selbst unter Herausrechnung der Praxis Warneckes wäre die Versorgung mit noch über 100 Prozent gesichert. Tätig werden müsse die KVN nach den gesetzlichen Vorgaben erst, wenn der Versorgungsgrad auf 75 Prozent oder darunter sinkt: „Wir werden aber schon bei 85 Prozent aktiv.“

 Und in Bückeburg voraussichtlich noch eher. Denn wie Haffke sagte, müsse die KVN die Region im Auge behalten. Der Altersdurchschnitt der Bückeburger Ärzte sei mit über 55 Jahren relativ hoch. Durch die Schließung der großen Praxis Warnecke sei zudem eine Situation eingetreten, die Handeln erfordere. Der Pressesprecher der KVN, dem die Schließung der Praxis noch nicht offiziell angezeigt war: „Wenn Dr. Warnecke aufgibt, dann wird es dramatisch.“

Neues Berechnungsmodell erforderlich

Die KVN könne aber nur versuchen, dass Patienten aufgefangen werden: „Das ist unser Tagesgeschäft geworden.“ Angesichts des Auseinanderklaffens von Bedarfsplanung und Realität plädiere nicht nur die KVN bereits seit Jahren für ein neues Berechnungsmodell, in das Faktoren wie die Altersstruktur der Bevölkerung einfließen.

 Nachwuchsärzte auch für eine Stadt wie Bückeburg zu finden, ist angesichts fehlenden Nachwuchses schwierig. Wie jüngst auch das Niedersächsische Ärzteblatt berichtete, soll die Zahl der Medizinstudienplätze zumindest in Niedersachsen wieder erhöht werden, um dem Nachwuchsmangel begegnen zu können. rc