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Null Toleranz bei „Hilfssheriffs“

Bückeburg / Vor Gericht Null Toleranz bei „Hilfssheriffs“

In der Auseinandersetzung zwischen Linken und Rechten trifft es auch Unbeteiligte. Zwei 18 und 19 Jahre alte Heranwachsende, die dem linken Lager zugerechnet werden, haben einen Mann (25) in einem Bückeburger Supermarkt mit dem Tode bedroht und anschließend durch die Fußgängerzone gehetzt. Das Opfer rettete sich in die Polizeiwache.

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Quelle: dpa

Bückeburg. Wegen seines Aussehens hatten die Täter den 25-Jährigen irrtümlich für einen Neonazi gehalten. „Das höre ich öfter“, sagt der Bückeburger. Immerhin haben sich die Linken später bei ihm entschuldigt. „Wir haben ein bisschen voreilig gehandelt“, räumt einer von ihnen ein. „Aber wir waren aufgebracht.“ Dennoch: „Eine doofe Aktion.“
Vor dem Amtsgericht in Bückeburg hatte die Sache jetzt ein Nachspiel. Der 19-Jährige, eher ein Mitläufer, kommt mit 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. Gegen den jüngeren Burschen verhängte Jugendrichter Dirk von Behren dagegen einen zweiwöchigen Dauerarrest. Der 18-Jährige war an zwei weiteren Übergriffen beteiligt.
In einem Fall hatten er und ein Bekannter (19) einen Rechten an der Ecke Trompeterstraße/Dr.-Witte-Platz getreten und geschlagen. Weil die Heranwachsenden zu zweit waren, wird ihre Tat als gefährliche Körperverletzung eingestuft, Betonung auf „gefährlich“. Der 19-Jährige wird dafür mit 40 Sozialstunden sanktioniert.
In einem dritten Fall hatte der Haupttäter einen Rechten vor der Bückeburger Oberschule zu einer Schlägerei aufgefordert, verbunden mit der Drohung: „Morgen kannst du dir dein eigenes Grab machen. Ich beerdige dich.“ Eingestellt hat das Gericht ein viertes Verfahren, wiederum gegen den Hauptangeklagten: Im April soll der 18-Jährige einen führenden Rechten, der zwischenzeitlich in Haft sitzt, mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.
Staatsanwalt Timo Goldmann spricht zwar von „Hilfssheriffs“, kündigt aber gleichzeitig eine Null-Toleranz-Strategie an, wohlgemerkt gegen beide Lager. „Wir verfolgen jede Kleinigkeit, weil wir dieses Cowboy-und-Indianer-Spielen endgültig satt haben“, sagt er. Für den „Kopf der Hilfssheriffs“ hatte er drei Wochen Dauerarrest gefordert, „um ein Zeichen zu setzen“. Selbstjustiz verstößt gegen das Gewaltmonopol des Staates und ist in diesem Rahmen strafbar.
Den Zuständen werde jetzt im wahrsten Sinne ein Riegel vorgeschoben, so Richter Dirk von Behren in Anspielung darauf, dass der 18-Jährige für zwei Wochen eingesperrt wird. „Anders erreicht man ihn nicht.“ Beim nächsten Mal müsse der Angeklagte mit einer Jugendstrafe rechnen.
Nach Erkenntnissen von Behrens haben zuletzt die Taten von Linken überwogen, „wenn man nach den Strafanzeigen geht“. Welche Ausmaße der Konflikt zwischen Linken und Rechten angenommen habe, zeige das große Polizeiaufgebot, das den Prozess abgesichert habe. Vor dem Justizgebäude standen mehrere Einsatzwagen. Im Saal saßen ebenfalls einige Beamte. Zuschauer mussten sich am Eingang einer Kontrolle unterziehen.  ly

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