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Nur Erwin überlebte den Nazi-Terror

Bückeburg Nur Erwin überlebte den Nazi-Terror

Fünf „Stolpersteine“ erinnern vor dem Haus Schulstraße 21 in Bückeburg an das Schicksal der jüdischen Familie Rautenberg. Die kleinen Messingtafeln sind Opfern des Naziterrors gewidmet.

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Klaus Maiwald präsentiert seine Rautenberg-Biografie.

Quelle: kk

Bückeburg. Ein Foto der Steine ist auch auf der Titelseite eines Buches zu sehen, das Klaus Maiwald jetzt nach dreijährigen Recherchen veröffentlicht hat. Titel: „Nur Sohn Erwin überlebte die Shoah – Das Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie Rautenberg aus Bückeburg.“

Damit legt Maiwald die erste ausführliche Biografie einer jüdischen Familie aus Schaumburg vor. Er gibt den Opfern des Terrors wieder ein Gesicht, indem er ihre Lebensgeschichten erzählt, er verdeutlicht zweitgeschichtliche Zusammenhänge, indem er das sozial- und zeitgeschichtliche Umfeld in Bückeburg und Schaumburg darstellt. Das Buch liegt rechtzeitig zum fünften Todestag Erwin Rautenbergs, des einzigen Überlebenden der Nazi-Diktatur aus dem engeren Familienkreis, und zum Auschwitz-Gedenktag am Mittwoch, 27. Januar, vor.

Herausgeber des 300-seitigen Bandes mit über 200 Abbildungen ist die „Erwin Rautenberg Foundation“ in Santa Monica (Kalifornien), die auch die Kosten für den Druck übernahm und Maiwald Recherchereisen in Deutschland, nach Riga und nach Los Angeles ermöglichte. Mithilfe der Stiftung, in die Erwin Rautenberg sein in den USA erworbenes Vermögen einbrachte, konnte auch der günstige Verkaufspreis von 15 Euro realisiert werden. Dafür erhält der Leser ein Werk, dass nicht nur durch die Fülle der abgebildeten Originaldokumente und Fotos eine Sonderstellung einnimmt.

Maiwald erinnert sich an schwierige, zeitintensive aber auch unglaublich spannende und anregende Recherchen, wenn er die Arbeit am Buch noch einmal Revue passieren lässt. Besonders die Beschaffung von Dokumenten sei aufwendig und nicht immer von Erfolg gekrönt gewesen. Mitteilungen, dass Unterlagen zum Beispiel beim Bombardement auf Dresden oder bei der Hamburger Sturmflut unwiederbringlich verloren gegangen seien, bedeuteten zwar Rückschläge, entmutigten den pensionierten Lehrer aber nie.

Wenn er von seiner Arbeit erzählt, wird schnell deutlich, mit wie viel Herzblut der frühere Leiter der ehemaligen Geschichts-AG der Herderschule bei der Sache war. Über seine Arbeit mit den Realschülern lernte Maiwald auch Rautenberg kennen, der mehrmals in seiner alten Heimatstadt Bückeburg zu Gast war. „Was kann ich für Sie tun?“, habe Rautenberg ihn häufig gefragt, erinnert sich Maiwald. Und mit dieser Frage auch etwas beschämt zurückgelassen. Denn schließlich seien wir es doch, die den Opfern des Nazi-Regimes ein bleibendes und lebendiges Andenken bewahren müssten.

Im Jahr 1911 kam der damals 30-jährige Leo Rautenberg nach Bückeburg, gründete dort ein Tabakwaren- und später ein Gardinengeschäft. Er heiratete, drei Kinder kamen auf die Welt. Bis zur Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten führte die geachtete Kaufmannsfamilie ein bürgerliches Leben in Bückeburg. Wie viele andere jüdische Glaubensbrüder unterschätzte Leo die menschenverachtende Politik der Nazis. Sein Zögern, Deutschland zu verlassen, bedeutete im Endeffekt den Tod seiner Familie. Lediglich Sohn Erwin konnte 16-jährig nach Argentinien emigrieren. Dieser litt zeitlebens darunter, dass er Eltern und Geschwistern den Nachzug nicht ermöglichen konnte. Vater Leo starb 1940 im Konzentrationslager Buchenwald, seine Frau und Erwins Geschwister überlebten das Ghetto in Riga nicht.

Mit dem Jahr 1945 endet Maiwalds Buch aber nicht. Er begleitet Erwin Rautenberg, der 1946 in die USA kam, weiter. Das Leben eines erfolgreichen und großzügigen Geschäftsmannes, das sich teilweise wie ein Krimi liest, gewinnt an Konturen. Besonders interessant: die Zusammenarbeit des Spediteurs mit dem US-Geheimdienst und eine daraus resultierende erfolgreiche Klage gegen die US-Regierung. Erwin Rautenberg starb am 23. Januar 2011 im Alter von 90 Jahren. Doch sein Vermächtnis lebt in Form seiner Stiftung mit Tom Corby an der Spitze weiter, die auch Projekte in Schaumburg wie den Wiederaufbau der Alten Synagoge in Stadthagen und jetzt Maiwalds Buch förderte. kk

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