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Nur noch ein Angeklagter übrig

Bückeburg Nur noch ein Angeklagter übrig

Da ist es nur noch einer gewesen: Im Prozess gegen sechs Linke, die sich in der Fußgängerzone mit einer Gruppe mutmaßlich Rechter geprügelt haben sollen, hat die Justiz gestern fünf Verfahren auf Kosten der Landeskasse eingestellt.

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Bückeburg. Zuvor hatte die Anklageschrift weitere Risse bekommen und droht nun einzustürzen wie ein Kartenhaus. Erneut ist ein Belastungszeuge eingeknickt.

Der junge Mann gehörte früher zum rechten Lager und will zwischenzeitlich ausgestiegen sein. Er gab zu, in vorausgegangenen Vernehmungen bei der Polizei die Unwahrheit gesagt zu haben. Auf die Frage, ob ihm jemand aus der rechten Szene gesagt habe, was er sagen solle, antwortete der Zeuge: „Teilweise ja.“ Namen nannte er nicht.

Ein besonders schwerwiegender Vorwurf betrifft eine damals Schwangere. In der Anklageschrift heißt es, dass ein Linker der Bückeburgerin (26) vor einem Imbiss in der Fußgängerzone beide Arme in den Bauch gestoßen und gesagt habe: „Na, schwanger? Hoffentlich verlierst Du es.“

In diesem Punkt hat der Zeuge offenbar gelogen. „Ich sollte sagen, dass sie in den Bauch geschubst wurde“, erklärte er gestern. Bei der Polizei hatte er vorgegeben, dies sogar mit eigenen Augen gesehen zu haben. Mehr als einmal verstrickte sich der junge Mann, der auf Distanz zur rechten Szene gegangen sein will, darüber hinaus in Widersprüche. „Der Zeuge hat heute eine seiner schwersten Stunden“, meinte daraufhin Verteidigerin Anemone Wiehe-Faßhauer.

Auch die Schwangere gehörte damals zur rechten Szene, ist heute aber nach eigener Darstellung „nicht mehr aktiv“. Die 26-Jährige, gestern von der 1. Großen Jugendkammer am Bückeburger Landgericht als Zeugin vernommen, widersprach sich ebenfalls. Gegenüber der Polizei hatte sie noch behauptet, der Linke habe „Hoffentlich verlierst Du es“ gesagt, während er sie in den Bauch geschlagen habe. Gestern korrigierte sie: „Ich glaube, das war vor dem Schlag.“ Dass sie geschlagen worden sei, behauptet die Frau weiterhin. Sie will dies „aus den Augenwinkeln gesehen“ haben.

Bereits am vorausgegangenen Verhandlungstag hatte ein Belastungszeuge einen Rückzieher gemacht. Nachdem der Heranwachsende in ersten polizeilichen Vernehmungen zu Protokoll gegeben hatte, alle sechs Angeklagten an jenem 14. Juni 2013 in Aktion gesehen zu haben, konnte er sich vor Gericht plötzlich nicht mehr erinnern. Teilweise räumte er sogar ein, gelogen zu haben.

Was mit dem noch verbliebenen Angeklagten (20) geschieht, blieb gestern zunächst offen. Nach einem Rechtsgespräch aller beteiligten Juristen erklärte Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der Jugendkammer, eine Einstellung des Verfahrens komme „im Moment“ nicht in Betracht. Ausgeschlossen erscheint dieses Prozedere damit nicht.

Für den Antifa-Prozess macht die Justiz Überstunden. Gestern wurde noch verhandelt, obwohl das Gerichtsgebäude schon seit mehr als zwei Stunden geschlossen gewesen wäre. ly

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