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Ohne dröhnendes Pathos

Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft Ohne dröhnendes Pathos

Beim Jahreskonzert hat sich das Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft von seiner besten Seite gezeigt.

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 Siegfried Westphal dirigiert das Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft. mig

Bückeburg. Sowohl Edward Elgars Opus 85, als auch Antonín Dvoráks populäre Sinfonie Nr. 9 e-Moll, besser bekannt als „Aus der neuen Welt“, gelangen auf hohem Niveau.

 Dass ein doch relativ kleiner Landkreis wie Schaumburg seit vielen Jahren über ein eigenes Sinfonieorchester verfügt, hat sich offenbar nicht überall herumgesprochen. Denn eigentlich lässt es sich nur so erklären, warum der Rathaussaal an diesem Abend nicht völlig ausverkauft war. Dabei zeigte schon ein Blick aufs Programm, dass die „Konzert-Muffel“ einiges verpassen würden: eine mutige Auswahl – das lässt sich eigentlich über beide Werke sagen.

 Solistin Jana Telgenbüscher (Violoncello), die den ersten Satz von Elgars Opus 85 mit einem sparsamen Vibrato eröffnet, bleibt zunächst ganz in sich gekehrt. Erst nach und nach lässt sie den Zuhörer teilhaben an tiefen inneren Gefühlen: an der Trauer über den Tod, an Ängsten vor einer ungewissen Zukunft. Elgar hat das Werk 1919 unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges und sehr persönlicher Gefühlslagen geschaffen. Telgenbüscher folgt der Spur dieser Emotionen, ihr Spiel ist subtil und schlicht, feingliedrig und elegant. Ohne eitle Selbstdarstellung und ohne unnötige Virtuosität, denn für die meisterhafte Behandlung des Instruments lässt Elgar genügend Raum. Vor dem eher zurückhaltenden Orchesterpart kann sich der Solist völlig frei entfalten.

 Da wechseln irrwitzig schnelle Tonfolgen mit genussvoll ausgespielten Kantilenen, hin- und her springende Skalen mit lyrischen, fast erhabenen Momenten. Mindestens genauso eindringlich sind die Momente, in denen die Solistin mit dem Orchester in eine musikalische Zwiesprache tritt. Das reicht von der elegischen Geste mit der Telgenbüscher das von den Bratschen fein angestimmte Thema übernimmt, bis hin zur völligen Versunkenheit eines Selbstgesprächs, das vom Orchester ganz zart umrahmt wird. Das übermütige Allegro-Finale wirkt da wie eine Erlösung aus einer dunklen Traumwelt.

 Nach der Pause folgt die Sinfonie Nr. 9 in e-moll „Aus der neuen Welt“ und damit wohl die berühmteste Sinfonie Antonín Dvoráks. Für dieses Werk ließ sich Dvorak von Spirituals und den Indianerweisen Nordamerikas inspirieren, seine besondere Wirkung ergibt daraus, dass tschechische und amerikanische Volksmusik in der Form einer europäischen Sinfonie zusammengeführt werden. Schon im ersten Satz entwickelt sich durch harte Paukenschläge nach und nach ein mitreißender Schwung. Der zweite Satz atmet die endlose Weite der Prärie. Wunderschön: Der ergreifenden Trauergesang des Englischhorns, das die Hauptmelodie anstimmt. Richtig Spaß macht dann der vierte Satz, in dem das marschartige Hauptthema vom vollen Orchester vorgetragen wird. Ein mitreißendes Thema, das vom Ensemble kraftvoll wiedergegeben wird.

 Aber auch Siegfried Westphal hat einen Anteil daran, dass die meisterhafte Durchformung der Sinfonie gut hörbar wird und bleibt. Der Dirigent lässt die Musiker jedes Motiv und jede Melodie ausmodellieren, die angesetzten Generalpausen dienen quasi als Wellenbrecher. Diese „Entschlackung“ tut dem oft gehörten Werk erstaunlich gut. Ganz ohne dröhnendes Pathos und schwerfälligen Breitwand-Sound klingt Dvoráks Werk sogar noch besser. mig

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