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Opfer fühlen sich oft als Objekt

Hilfebüro Opfer fühlen sich oft als Objekt

Überwiegend werden Männer Opfer von Straftaten, primär durch Körperverletzungen. Was sich in der Bilanz der Opferhilfe allerdings nicht niederschlägt.

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Die Arbeit der Opferhilfe muss weiter in den Köpfen verankert werden. Was mit Infotafeln im Polizeikommissariat Bückeburg startet, wie Dagmar Behrens von der Opferhilfe (v.r.), Polizeisprecher Matthias Auer, Juliane Frank, Oberstaatsanwalt Frank Hirt und Polizeichef Werner Steding verkündeten.rc

Bückeburg (rc). 82 Prozent der 129 Opfer, um die sich die Opferhilfe im vergangenen Jahr gekümmert hat, waren Frauen. Von ihnen suchte weit über die Hälfte die Hilfe der Einrichtung, weil sie Opfer einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung geworden sind. Diese Zahlen nannten Dagmar Behrens und Juliane Frank sowie der Vorsitzende des Bückeburger Opferhilfe, Oberstaatsanwalt Frank Hirt, bei der Vorlage der Bilanz für das Jahr 2014 im Polizeikommissariat.

 Dort war gestern gleichzeitig der Beginn des Projekts „Der Roll-Up der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen“, das in den kommenden Monaten durch die Kommissariate des Landkreises wandern wird, um Polizisten, Opfer von Straftaten, die bei der Polizei vorstellig werden, oder aber Besucher über die Opferhilfe zu unterrichten, wie der Leiter des Polizeikommissariats, Werner Steding, mitteilte: „Wir wollen präsent machen, dass das Opfer bei den Ermittlungen oft zu kurz kommt und ihnen Hilfe geboten wird. Opfer fühlen sich oft als Objekt, was nicht gut ist.“

 Wie Behrens sagte, verzeichnet das Opferhilfebüro seit seiner Gründung 2002 in Bückeburg eine stetig steigende Zahl von Hilfsanfragen: von einst 39 auf heute 129. Im vergangenen Jahr wurde daher eine zusätzliche halbe Stelle eingerichtet, die mit Juliane Frank besetzt worden ist. Überwiegend suchte die Altersgruppe der 21 bis 64-Jährigen (70 Prozent) die Unterstützung des Büros, Jugendliche und Heranwachsende sind mit 20 Prozent vertreten. Wenig nachgefragt wird die Opferhilfe bei Senioren.

 Das Budget ist auf 44000 Euro gestiegen, 2013 lag es noch bei knapp 35000 Euro. Überwiegend finanziert sich das Opferhilfebüro über Bußgelder, die Straftäter an die Justiz zu zahlen haben und die der Opferhilfe von den Richtern zugesprochen werden.

 Gut 4500 Euro wurden 2014 in 38 Fällen als Soforthilfe gezahlt, etwa, wenn eine Frau nach häuslicher Gewalt für sich und auch ihre Kinder dringend auf Unterstützung angewiesen waren. Knapp 16000 Euro wurden für Therapien oder Fachberatungen ausgegeben, etwa wenn ein Opfer nach einer Straftat so traumatisiert war, dass dringende Hilfe erforderlich war. Behrens kritisierte in diesem Zusammenhang das Fehlen von Therapieplätzen. Teilweise gebe es Wartenzeiten von über einem halben Jahr, obwohl sich dies nach der Eröffnung einer Trauma-Ambulanz in der Burghofklinik Rinteln entzerrt habe. „Wir können unbürokratisch Hilfe leisten“, so Behrens: „Wir gucken auf die Menschen und dürfen im Gegensatz zur Justiz glauben, was uns die Opfer sagen.“

 Die Opferhilfebüros kümmern sich um Opfer und deren Angehörige, die häufig unter Problemen und Konflikten leiden, die aus einer Straftat resultieren, sich im Umgang mit Behörden, Gerichten und anderen Institutionen unverstanden und allein gelassen fühlen. Viele beklagen, dass die Aufmerksamkeit vor allem den Tätern gilt, sie bei Zeugenaussagen bisher kaum staatliche Hilfe erhielten. Auch mit körperlichen oder materiellen Schäden werden Opfer oft allein gelassen. Als Beispiel nannte Behrens Opfer von Raubüberfällen, die nicht mehr in der Lage seien zu arbeiten und wo die Berufsgenossenschaft einspringen müsse: „Was die Opfer oft nicht wissen.“ Oder aber die Angst der Überfallenen, dass der Täter, der nicht gefasst werden konnte, ihnen über den Weg laufen könnte. „Die Angst, der erkennt mich, aber ich kenne ihn nicht.“

 Das Opferhilfebüro leistet Krisenintervention, begleitet Opferzeugen zu Prozessen, zu Behörden, Ärzten, Anwälten oder der Polizei, hilft beim Ausfüllen von Anträgen oder vermittelt weitergehende Hilfe und Beratungen. Auch Opfer, die keine Anzeige erstattet haben, können die Hilfe des Büros in Anspruch nehmen: kostenlos, vertraulich, freiwillig und auf Wunsch auch anonym.

 Ausgebaut wurde in den zudem die Psychosoziale Prozessbegleitung, der der Landtag voraussichtlich im Herbst eine neue gesetzliche Grundlage geben wird, eine besonders intensive Form der Unterstützung für Opfer mit besonderen psychosozialen Belastungen.

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