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Opfer und Täter nach Faustschlag ruiniert

Prozess gegen Sicherheitsmann wegen Körperverletzung Opfer und Täter nach Faustschlag ruiniert

Ein Faustschlag hat das Leben zweier Menschen erheblich verändert. So lautet das Fazit einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Minden, deren Beweisaufnahme drei Verhandlungstage in Anspruch nahm.

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Kleinenbremen/Minden. Ein 33 Jahre alter Bauhelfer aus Celle, der der gefährlichen Körperverletzung angeklagt war, wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Außerdem muss er dem Opfer 40000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

 Der Student aus Minden wurde nach dem Faustschlag des Sicherheitsmannes bei einer Musikveranstaltung im September 2013 im Besucherbergwerk Kleinenbremen mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Mindener Klinikum gebracht (wir berichteten). Auch für ihn hat sich durch den Vorfall das Leben verändert. Eine lange Narbe auf dem Kopf erinnert noch heute an eine vorläufige Entfernung eines Teils der Schädeldecke. Eine Woche lag der Student im Koma, musste drei Operationen über sich ergehen lassen und verlor sein Gehör im rechten Ohr. Seinen Berufswunsch Pilot kann er nicht mehr verwirklichen.

 Bei der Party unter Tage soll der damals 24-jährige Student mit dem Sicherheitspersonal verbal aneinander geraten sein, nachdem er beschuldigt wurde, im VIP Bereich mit einem Glas geworfen zu haben. Daraufhin sollte er die Veranstaltung verlassen. Als er von dem Angeklagten nach draußen geleitet wurde, kam es zu einer Rangelei, in deren Verlauf das Opfer den Faustschlag erhielt. Zeugen berichteten, dass der Sicherheitsmann den Studenten vor sich her schob und ihn ab und zu auch schubste.

 Der junge Mindener soll sich nach Zeugenaussagen umgedreht und gesagt haben: „Es ist voll, es geht nicht schneller.“ Es steht nach der Beweisaufnahme fest, dass er einmal kurz den Sicherheitsmitarbeiter schubste. Das war für den Angeklagten der Auslöser für den Faustschlag auf die rechte Gesichtshälfte des Studenten. Wie ein Brett soll der junge Mann zu Boden gefallen sein, sodass nach ärztlicher Auffassung bereits kurz nach dem Schlag eine Bewusstlosigkeit vorgelegen haben muss.

 Ein Mitarbeiter der an dem Abend eingesetzten Securityfirmen gab vor Gericht an, dass der Angeklagte den ganzen Abend über einen besonnenen und ruhigen Eindruck gemacht habe. Es habe dann aber, als er und der Angeklagte den Studenten rausführen wollten, einen Angriff des späteren Opfers in Richtung Hals des Angeklagten gegeben. Da habe er sich wohl intuitiv mit einem Schlag wehren wollen.

 Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Bielefeld wies darauf hin, dass Securityangestellte bei Veranstaltungen schützen und nicht Schläge austeilen sollen. Und: „Ohne vorgenommene Notoperation würden wir heute eventuell wegen Totschlag vor dem Schwurgericht verhandeln.“

 Da laut Bundeszentralregister der Angeklagte bereits acht Vorverurteilungen wegen Körperverletzung hat, könne man davon ausgehen, dass er bei Problemen zuschlage und sich nicht im Griff habe. Sie forderte drei Jahre und vier Monate Haft. Die Vertreterin der Nebenklage ging ebenfalls auf die Vorstrafen des Angeklagten ein.

 Körperverletzungen zögen sich wie ein roter Faden durch sein Leben und man müsse die Öffentlichkeit vor ihm schützen. Auch sie forderte mindestens drei Jahre Haft. Der Verteidiger, der ein Jahr zur Bewährung für angemessen hielt, warf die Frage in den Raum, wer die Kausalkette an dem Abend in Gang gesetzt habe. Schließlich habe das Opfer für Unruhe gesorgt und somit den Ansatz gesetzt, dass er von der Party entfernt wurde.

 Sein Mandant sei durch eine auf ihn zukommende Haftstrafe und die 40000 Euro Schmerzensgeld vollständig ruiniert. Im Juli habe er nach einer Arbeitslosigkeit eine neue Stelle gefunden, die durch eine Haft nun auch infrage gestellt werde.

 Zwei Jahre und vier Monate Haft wegen einfacher Körperverletzung urteilte das Schöffengericht Minden, da der Angeklagte die Folgen seines Schlages nicht habe einschätzen können. mt,cpt

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