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Patientenverfügung: Was viele nicht wissen

Bückeburg Patientenverfügung: Was viele nicht wissen

Im täglichen Leben denkt man nur ungern über das Sterben nach und darüber, dass das Ende des Lebens beileibe nicht so schnell und schmerzlos eintreten kann, wie man es sich vielleicht wünschen würde.

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Referent Günther Mayer beim Vortrag vor den Mitgliedern des SoVD-Ortsverbands Bückeburg in der Begegnungsstätte. jp

Bückeburg. Die moderne Medizin kann heutzutage das Leben enorm verlängern– aber auch das Sterben. Was tun, wenn man als Patient nicht mehr selber seinen Willen artikulieren kann, beispielsweise nach einem Unfall oder einem Schlaganfall?

 2009 hat dazu der Deutsche Bundestag nach langer Debatte das Gesetz zur Patientenverfügung verabschiedet, mit dem das Selbstbestimmungsrecht von Patienten unabhängig von Art und Stadium der Krankheit entscheidend gestärkt wird. Zu dieser sowie zur Vorsorgevollmacht referierte jetzt Günther Mayer aus Bad Nenndorf vor Mitgliedern des Ortsverbands Bückeburg im Sozialverband Deutschlands (SoVD), die sich dazu zu einem Frühstückstreffen in der Begegnungsstätte versammelt hatten.

 Mit einer rechtzeitig abgeschlossenen Patientenverfügung ist man als Patient in der Lage, bereits im Vorfeld festzulegen, ob und welche medizinischen Maßnahmen in schwerwiegenden Krankheits- oder Unfallsituationen an einem selbst durchgeführt oder unterlassen werden sollen.

 Genau erläuterte Mayer, welche Voraussetzungen zur Gültigkeit einer solchen Vorausverfügung erfüllt sein müssen: So müsse der Verfasser unter anderem volljährig und einwilligungsfähig sein, sie bedürfe der Schriftform und müsse sehr konkret abgefasst sein, also bestimmte Behandlungssituationen sehr genau beschreiben. Allgemeine Formulierungen wie „Ich möchte nicht an Schläuchen hängen“ seien nicht ausreichend.

 „Jede Heilbehandlung gegen den Willen eines Patienten gilt als Eingriff in die körperliche Unversehrtheit“, betonte der Referent. Daher sei es durchaus denkbar, dass sogar lebensverlängernde Maßnahmen, wenn sie gegen den erklärten Willen eines Patienten zur Anwendung kämen, juristisch als Körperverletzung gewertet werden könnten. „Aber“, so mahnte Mayer, „die Patientenverfügung ist kein Garant für ein Sterben in Würde, sondern nur eine Vorkehrung für eine Situation, die Sie noch nicht kennen.“ Empfehlenswert sei beim Abfassen einer Patientenverfügung die Nutzung von Formulierungshilfen, nicht aber von Ankreuzformularen. Bei ihnen bestehe die Gefahr, dass die Verfügung später nicht anerkannt wird, weil der Patient den Formularinhalt möglicherweise nicht richtig verstanden haben könnte.

 Auch die Vorsorgevollmacht stellt eine wichtige Möglichkeit dar, sein Recht auf Selbstbestimmung wahrzunehmen. Mit ihr können für den Fall des Verlustes der Entscheidungsfähigkeit, beispielsweise durch Unfall, Koma, psychische Erkrankung oder Demenz, wichtige Entscheidungen für das eigene Leben rechtzeitig in vertraute Hände gelegt werden. In diesem Fall entscheidet man selber, und nicht wie sonst ein Gericht, wer „im Falle eines Falles“ wichtige Entscheidungen und Handlungen übernimmt. Die Vorsorgevollmacht stellt somit eine wichtige Ergänzung zur Patientenverfügung dar. Auch hier seien allerdings wichtige Bedingungen und Einschränkungen zu beachten, so Mayer, denn: „Die Vorsorgevollmacht ist beileibe keine Generalvollmacht, sondern sie regelt ganz klar zu benennende und zu beschreibende Bereiche des Lebens.“

 Was viele Menschen nicht wissen: Auch Ehepartner benötigen eine Vorsorgevollmacht. Familienangehörige sollten jeder eine einzelne, separate Vorsorgevollmacht erhalten. Wie die Patientenverfügung bedarf die Vorsorgevollmacht der Schriftform und dürfe nicht an Bedingungen geknüpft sein, so Mayer. jp

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