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„Persönliche Diffamierung beenden“

Bückeburg / Buchenwälder am Harrl „Persönliche Diffamierung beenden“

Auf seinem Feldzug gegen den von ihm ausgemachten „Raubbau an den Buchenwäldern im Harrl“, für den er insbesondere den Revierförster Alfred Matthaei verantwortlich macht, hat sich der Gymnasiallehrer Franz-Josef Adrian inzwischen auch an den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gewandt.

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Die rote Markierung am Stamm bedeutet: „Fällen!“ Auch von privaten Waldeigentümern wünscht sich der Nabu jedoch, dass etwa Buchenwälder in forstwirtschaftlicher Hinsicht weniger intensiv genutzt werden.

Quelle: wk

Bückeburg. In einem an den Nabu-Landesvorsitzenden Holger Buschmann gerichteten „Offenen Brief“, den er auf seiner Homepage veröffentlicht hat, kritisiert der Bückeburger nicht nur, dass Matthaei „den Harrl in eine industrielle Holzfabrik, in der tonnenschwere Harvester und Forwarder herrschen,“ verwandele, sondern auch, „dass ausgerechnet ein Nabu-Vorsitzender die Buchenwälder im Harrl ruiniert“. Matthaei sei nämlich nicht nur Förster, sondern auch Vorsitzender der Bückeburger Naturschutzbund-Ortsgruppe.

Beim Nabu-Landesverband sind Adrians Ausführungen jedoch auf ein geteiltes Echo gestoßen und haben nicht minder deutliche Worte seitens des Landesvorsitzenden zur Folge. Aber der Reihe nach. „Ich möchte meine Antwort in zwei Bereiche splitten, die Sie in Ihrem Schreiben aus meiner Sicht unlauter verquicken: Erstens geht es um die Holzeinschläge im Harrl, die Sie aus Sicht des Nabu zu Recht kritisieren. Zweitens geht es um das Handeln des Herrn Matthaei als ehrenamtlichen Naturschützer“, nimmt sich Buschmann des Themas an, wobei er ebenfalls einen „Offenen Brief“ wählt.

 Zu Punkt eins führt er dann aus, dass der Nabu die derzeitige Praxis des Holzeinschlages „nicht nur im Harrl, sondern auch in weiteren Waldgebieten Niedersachsens sehr kritisch“ sehe und diese bereits „mehrfach öffentlich kritisiert“ habe. Zwar sei es richtig, dass viele dieser Waldbereiche die Hiebreife erlangt haben und einem Holzeinschlag im Nutzwald grundsätzlich nichts im Weg stehe. Allerdings gebe es sehr unterschiedliche Intensitäten der Nutzung. Der Nabu spreche sich dabei für eine „ökologische Waldnutzung“ aus, bei der etwa in einem Bestand unterschiedliche Altersstufen und ein naturnaher Waldaufbau existieren. Zudem sollten ein angemessener Totholzanteil sowie sogenannte Habitatbäume, die ein natürliches Alter erreichen dürfen, vorhanden sein.

 „Eine solche Nutzung erwarten wir nicht nur von den öffentlichen Wäldern, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind, sondern appellieren auch immer wieder an die privaten Waldbesitzer, einem solchen Beispiel ebenfalls zu folgen“, betont Buschmann. Und was den Harrl betrifft, sei dem Nabu durchaus bekannt, dass der vom Fürstlichen Forstamt bewirtschaftete Wald PEFC-zertifiziert ist. Dabei handelt es sich um ein internationales Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen, dessen Qualitätssiegel Forstbetriebe führen dürfen, die eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung betreiben. Nach Auffassung des Nabu sei diese Zertifizierung allerdings „bei Weitem nicht ausreichend“, weshalb man eine Zertifizierung nach den internationalen Standards „FSC“ oder „Naturland“ empfehle. Dafür sollte die vollständige Entfernung von Altbäumen in einem Bestand der Vergangenheit angehören.

Soweit, so gut. Nun zu Punkt zwei, also dem Handeln des Revierförsters Alfred Matthaei als ehrenamtlicher Naturschützer: „Sie vermischen den Beruf von Herrn Matthaei als Förster der Fürstlichen Hofkammer, wo er seinem Arbeitgeber verpflichtet ist und den Unterhalt für seine Familie verdient, mit seinem ehrenamtlichen Engagement als Vorsitzender des Nabu Bückeburg“, stellt Buschmann klar. Daher solle sich Adrian einmal „grundsätzlich überlegen“, ob dieser mit seiner Kritik nicht den Falschen anspreche und ob es nicht sinnvoller wäre, sich statt dessen mit der „Entscheiderebene“ auseinanderzusetzen.

 Er selbst kenne Matthaei jedenfalls als einen „sehr engagierten Naturschützer“, der sich nicht nur um die Betreuung von Obstwiesen sowie die Anlage von Hecken und Teichen kümmere, sondern dem auch die Umweltbildung von Kindern „besonders am Herzen liegt“. Um die Position im Vorstand der Bückeburger Naturschutzbund-Ortsgruppe habe sich Matthaei zudem „nicht gerissen, sondern wurde darum gebeten, diese zu übernehmen“.

 Und überhaupt: „Ihr eigenes Engagement in allen Ehren, aber Sie gehen mit einem sehr hohen moralischen Anspruch mit Herrn Matthaei ins Gericht, ohne seine Verdienste um den Naturschutz und sein hohes persönliches Engagement zu würdigen. Es würde mich wundern, wenn Sie selbst diesem Anspruch in letzter Konsequenz gerecht werden können. Insofern möchte ich Sie eindringlich bitten, die persönliche Diffamierung des Herrn Matthaei unverzüglich zu beenden“, appelliert Nabu-Landesverbandvorsitzender Buschmann – verbunden mit der Bitte um eine „ungekürzte Veröffentlichung“ seines Antwortschreibens auf der Adrian’schen Homepage. wk

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