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„Pflänzchen“ Opferhilfe gedeiht prächtig

Bückeburg / Feier „Pflänzchen“ Opferhilfe gedeiht prächtig

Wie sollen sich Opfer von Straftaten vor Gericht verhalten? Sollen sie weinen? „Das könnte ein Triumph für den Täter sein“, sagt Kirsten Stang, Oberstaatsanwältin in Braunschweig. Stärke vortäuschen? „Wenn ich stark bin, wer glaubt mir dann noch?“ Besser ist: „Seien Sie authentisch“, wie Stang rät, möglichst natürlich also. „Das verlangt aber ein starkes Opfer“, räumt sie ein.

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Oberstaatsanwältin Kirsten Stang (von links) , Schirmherrin Dunja McAllister, die Bückeburger Büroleiterin Dagmar Behrens und Eike Höcker, Präsidentin des Landgerichts. Hinten Regionalvorsitzender Frank Hirt (links) und Prof. Ulrich Sachsse. © ly

Bückeburg (ly). Damit Opfer gestärkt werden, überwiegend Frauen und Kinder, gibt es seit zehn Jahren die Stiftung Opferhilfe Niedersachen. Das Bückeburger Büro, gegründet 2002, hat im Landgericht eine von elf Geburtstagsfeiern ausgerichtet, landesweit die bisher sechste.

Einer fehlte: Reinhard Sievers, Vorsitzender Richter am Bückeburger Landgericht und bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr Regionalvorsitzender der Stiftung. „Reinhard Sievers hat die Bückeburger Opferhilfe mit ganz viel Leidenschaft aufgebaut, sie war ihm ein großes Anliegen“, erinnerte Eike Höcker, Präsidentin des Landgerichts. „Heute wäre er sehr stolz.“

Und das mit Recht: „Aus einem kleinen Pflänzchen“, so Höcker, „ging etwas hervor, das beim Landgericht nicht mehr wegzudenken ist.“ Opferhilfe in Strafverfahren sei keine Selbstverständlichkeit. „Hier ist sie angekommen.“

Die Anfänge waren beschwerlich. „Wir sind von Einrichtung zu Einrichtung gewandert“, blickt Pädagogin Dagmar Behrens zurück, die Leiterin des Bückeburger Büros (Tel. 05722 / 290264). So lernte die Opferhilfe das Laufen. „Das war Pionierarbeit“, sagt Frank Hirt, Staatsanwalt und als Vorstandsvorsitzender Nachfolger von Reinhard Sievers.

Bis Ende 2010, in achteinhalb Jahren, hat Dagmar Behrens 565 Klienten betreut. Bei den Taten stehen Sexualdelikte mit 46,4 Prozent an der Spitze, gefolgt von Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit (31 %), vor allem Körperverletzung. Wer einer Straftat zum Opfer gefallen ist, kann sich während der Gerichtsverhandlung begleiten lassen, findet zudem Rat und Unterstützung, wird über die eigenen Rechte oder Therapieangebote aufgeklärt. Mehr noch: Unterm Strich sind vergangenes Jahr aus einem Fonds fast 20.000 Euro an Hilfen ausgezahlt worden, rund ein Drittel davon für Therapie und Beratung.

Jede(r) kann zum Opfer werden, auch wenn 75 Prozent der Klienten des Büros an der Schulstraße Frauen oder Mädchen sind. Allein 2010 hat es in Niedersachsen mehr als 20.000 Gewaltdelikte gegeben. „Dies verdeutlicht, wie viele Menschen jedes Jahr unverschuldet Opfer von Straftaten werden“, sagt Dunja McAllister.

Die Frau des niedersächsischen Ministerpräsidenten hat die Schirmherrschaft der Stiftung (elf Büros) übernommen. Im Opferschutz sieht sie „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Die „First Lady“ macht sich dafür stark, dass Opfer außer Beistand im Prozess auch handfeste und praktische Hilfe bekommen, etwa Zuschüsse zu Erholungsurlauben. Und sie kämpft dagegen, wenn zum Beispiel vergewaltigte Frauen nach der Tat Vorurteilen ausgesetzt sind. „Es besteht die Gefahr, dass Opfer zwischen die Räder kommen und erneut traumatisiert werden“, warnt McAllister.

Vor der Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht, deren Vorsitz die Richterin Birgit Brüninghaus hat, kann das offenbar nicht passieren. „In der Prozessvorbereitung für Opferzeugen ist Frau Brüninghaus ein Vorbild“, lobt Dagmar Behrens. „Sie stellt sich und den Gerichtssaal vor. Das schafft Vertrauen in die Justiz.“ Vorstellen – mehr aber auch nicht. „Gespräche über die Sache sind tabu“, betont Brüninghaus.

Von der Opferhilfe profitieren indes auch Gerichte. Zeugen, die Angst haben, sich allein und ausgeliefert fühlen, sind meistens schlechte Zeugen. Opferhilfe trägt dazu bei, „dass die Wahrheitsfindung erleichtert und verbessert wird“, so Brüninghaus.

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