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Bückeburg Stadt Premiere wie aus dem Bilderbuch
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Premiere wie aus dem Bilderbuch
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00:23 11.06.2015
„Ja wo sind sie denn?“: Witwe Bolte vermisst ihre Hühner. Quelle: mig
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Bückeburg

Die sieben Streiche von Max und Moritz kennt in Deutschland wie jedes Kind. Da ist die Geschichte vom Lehrer Lämpel, dem die Pfeife explodiert. Und von Onkel Fritz, dem Maikäfer ins Bett gelegt werden. Spannende Reime, tolle Bilder und zwei Lausbuben, die nichts anbrennen lassen – es ist eigentlich nicht verwunderlich, das Wilhelm Buschs Frühwerk bis heute eines der meistverkauftesten Kinderbücher ist. Wenn so ein Stück auf die Bühne gebracht werden soll, stellen sich gleich mehrere Fragen. Soll man den Text antasten und ergänzen? Und was machen wir mit den Bildern?

 Dass die Gemeinschaftsproduktion der Schaumburger Märchensänger und der KJMS auf alle diese Fragen gute Antworten gefunden hatte, zeigte sich schnell. Ja mehr noch: Sie konnte den sieben Streichen durch kleine Regieeinfälle und durch das Einbinden von Plakaten sogar neue Facetten abgewinnen. Bilder sind in diesem Singspiel also keineswegs außen vor. Im Gegenteil: Das schnelle Hin und Her sowie die comichaften Figuren machen die Bühne zum Bilderbuch. Zum Ohrenschmaus kommt ein Augenschmaus.

 Doch das Hauptaugenmerk gilt der Musik. Einer Musik, die nicht auf ausgetretenen Pfaden wandelt, sondern eigene Wege geht; mal dramatisch auftrumpfend, dann wieder fröhlich. Und der Chor? Der bildet den Erzähler, das Orchester untermalt die Handlungen und verstärkt sie. Komponist Michael Uwe Schmidt hat ein großartiges Werk abgeliefert, das viel mehr ist als eine bloße „Sound-Tapete“. Seine Musik vertont das Bühnengeschehen und fasst es zusammen. In Leitmotiven, die an anderer Stelle erneut auftauchen und die Handlung so strukturieren.

 Ein genauso großes Lob geht an die rund 90 Akteure, die seit Beginn des Jahres für die Aufführung proben. Sowohl die Sänger (vertreten durch den Kinderchor der „Märchensänger“ unter Leitung von Jessica Blume und dem Konzertchor der „Märchensänger“ unter der Regie von Sascha Davidovic) als auch die Musiker (ein Orchester mit Schülern und Lehrkräften der Musikschule „Schaumburger Märchensänger“ und der KJMS unter der Leitung von Lutz Göhmann) machen ihre Sache ausnehmend gut.

 Belebend auch: die Tanzeinlagen des Balletts der Kreisjugendmusikschule (Leitung Oxana Lehmann). Wunderbar, wie die Tänzerinnen als Hühner der Witwe Bolte über die Bühne wirbeln. Und wie sie schließlich – an einem Ast „baumelnd“ – ein letztes (Stoff-)Ei legen. „Jedes legt noch schnell ein Ei, und dann kommt der Tod herbei“, säuselt der Chor in Moll. Ein Genuss.

 Noch ein Wort zu Max und Moritz, die es an diesem Abend gleich in mehrfacher Ausführung gab. Nils Bormann, Marco Hämmerling, Charlotte Höltershinken, Julian Ihloff, Benita Hoffmann, Daniel Neufeld, Martin Steffen, Bennet Zuzak machen ihre Sache ausnehmend gut – besser kann man die beiden Grimassenschneider nicht spielen. „Schwupdiwup!“ angeln sie ein Huhn nach oben, „ritzeratze“ sägen sie an der Brücke. Lange geht das nicht gut: Der Müller fängt das „Lumpenpack“ ein und schaufelt es in einen Sack. In der Mühle werden die beiden – „rickeracke, rickeracke“ – geschrotet. „Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe“, hatte Busch anfangs gewarnt, jetzt ist es „vorbei mit der Übeltäterei“.

 Unter den Premierengästen fand sich auch Landrat Jörg Farr: „Wir haben heute gleich zwei Premieren, den Auftakt der Tournee und die Zusammenarbeit der Schaumburger Musikschulen.“ Die beiden Schulen, so Farr, hätten ein breites musikalisches Angebot, „das ist gut für Schaumburg, und deshalb leisten wir uns das“. Hochzufrieden zeigten sich nach dem umjubelten Schlussakt auch Jessica Blume (Musikschule Schaumburger Märchensänger) und Lutz Göhmann (musikalische Gesamtleitung, KJMS): Die Zusammenarbeit habe sehr gut geklappt, „es war eine rundum gelungene Sache“, sagte Göhmann. Die Probenphase sei zwar anstrengend gewesen, ergänzte Blume: „Aber man hat gesehen, dass jetzt alle glücklich von der Bühne heruntergekommen sind.“ Ob es in Zukunft bei weiteren Großereignissen zu einer ähnlichen Kooperation kommen kann, machten Blume und Göhmann von der Finanzierung abhängig.

Weitere Termine:  Sonntag, 14. Juni, ab 19 Uhr im Brückentorsaal an der Weserstraße 1 in Rinteln; Dienstag, 16. Juni, ab 9 und ab 11 Uhr im Kurtheater an der Hauptstraße in Bad Nenndorf; Sonnabend, 20. Juni, ab 16 Uhr im Ratsgymnasium an der Büschingstraße 37 in Stadthagen. mig

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