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Protestmarsch gegen Fränkische

"Pure Willkür" Protestmarsch gegen Fränkische

Mit einem Protestmarsch über Scheier Straße, Pulverstraße und Bahnhofstraße haben Mitarbeiter und Delegationen der Firmen Bornemann  sowie Faurecia und Lühr gegen die Entscheidung zur Schließung der Fränkischen in Bückeburg protestiert. Begleitet wurde der Zug von hiesigen Politikern.

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Auf dem Weg von der Scheier Straße zum Marktplatz passiert der Protestzug Hubschraubermuseum und Stadthaus.

Quelle: bus

Bückeburg. „Hier handelt es sich um pure Willkür eines Unternehmers“, hat Karsten Becker den Beschäftigten der Fränkischen Rohrwerke Bückeburg zu verstehen gegeben. Das SPD-Landtagsmitglied stellte in einem während der Abschlussveranstaltung eines Protestmarsches verlesenen Grußwort fest: „Für das Verhalten des geschäftsführenden Alleingesellschafters Otto Kirchner sowie der Geschäftsleitung der Fränkischen Rohrwerke habe ich keinerlei Verständnis und kritisiere dies auf das Schärfste.“

Traurig, ärgerlich und wütend

Es gebe keinen wirklich nachvollziehbaren Grund für die Schließung des Standortes Bückeburg, ließ Becker wissen. Dem Unternehmen gehe es wirtschaftlich gut, der Standort verfüge über eine moderne Fertigung und könne bei Produktivität und Wirtschaftlichkeit mit den Mitbewerbern gut mithalten. Der Sozialdemokrat: „Ich bin traurig, wenn ich an Euch und Eure Familien denke. Und ärgerlich und wütend über das herrschaftliche Verhalten der Fränkischen.“

Außer Becker wandten sich Landrat Jörg Farr und Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach, die beide persönlich vor Ort weilten, an die Belegschaft. Farr beanstandete insbesondere, dass das Unternehmen bislang keine konkreten Zahlen auf den Tisch gelegt habe. Weder die Mitarbeiter, noch der Landkreis besäßen Möglichkeiten zur Überprüfung und könnten daher nicht gemeinsam mit der Fränkischen an Lösungen arbeiten.

Farr appellierte an das Unternehmen, Kontakt mit Landkreis und Stadt aufzunehmen. „Wir wollen heute zum Ausdruck bringen, dass wir solidarisch an der Seite der Mitarbeiter stehen und zugleich fordern wir die Fränkischen Rohrwerke zu Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit auf“, führte der Landrat aus.

„Allein auf Gewinnmaximierung ausgerichtet“

Brombach monierte, dass die Leitung des Unternehmens es nicht für nötig erachtet habe, mit der Stadt in Kontakt zu Treten. Er werde unmittelbar versuchen, mit der in Königsberg ansässigen Leitung ins Gespräch zu kommen, um Möglichkeiten zu eruieren, den Standort beizubehalten. Wohl wissend, wie Konzernentscheidungen letztendlich gefällt würden. „Das geht in aller Regel an den Interessen der betroffenen Mitarbeiterschaft vorbei und ist allein auf Gewinnmaximierung ausgerichtet“, erläuterte das Stadtoberhaupt.

„Ich bin im Grunde genommen entsetzt, wie die Leitung der Fränkischen Rohrwerke, zu der wir bis dahin immer ein durchaus gutes Verhältnis gehabt haben, mit Ihnen und mit der Stadt Bückeburg umgeht“, erklärte Brombach. Und: „So geht man nicht mit Menschen um, so geht man nicht mit einer Arbeitsstelle um und so geht man auch nicht mit einer Kommune um, die sich immer fair der Leitung der Fränkischen Rohrwerke gegenüber geöffnet hat.“

„Mich beschleicht das Gefühl, dass es niemals einen ernsthaften Willen gegeben hat, diesen Standort zu halten“, sagte Sabrina Wirth. Ein fairer Umgang miteinander sehe anders aus, legte die 1. Bevollmächtigte der IG Metall-Geschäftsstelle Nienburg-Stadthagen dar, die zugleich ihre Bereitschaft zu weiteren Verhandlungen unterstrich. „Wir sind immer noch gesprächsbereit, unsere Tür steht offen.“

„Das ist ein Skandal“

Ralf Meier erinnerte an die zum Teil mehrere Jahrzehnte andauernden Beschäftigungsverhältnisse. „Manche haben 40 Jahre für das Unternehmen gebuckelt und erheblich zu dessen Erfolg beigetragen“, zeigte der mit den Tränen kämpfende Betriebsratsvorsitzende auf. Es sei immer eine Menge Geld verdient worden, aber bis auf einen kleinen Betrag immer wo anders und nicht in Bückeburg investiert worden. „Das ist ein Skandal.“

Er selbst sei seit 1978 bei den Fränkischen Rohrwerken beschäftigt und habe sich mehrere Dinge niemals vorstellen können, berichtete Meier. „Unter anderem, dass ich kurz vor meiner Rente noch so einen Scheiß regeln muss.“

Hintergrund der Protestkundgebung ist die im September dieses Jahres von den Fränkischen Rohrwerken bekannt gemachte Absicht, Produktion und Logistik zu verlegen und den Standort Bückeburg zu schließen. Von der Schließung wären 35 Mitarbeiter betroffen. Der Kundgebung waren eine Betriebsversammlung und ein über Scheier Straße, Pulverstraße und Bahnhofstraße führender Protestmarsch vorausgegangen. An dem Marsch hatten auch Delegationen der Firmen Bornemann (Oberkirchen) sowie Faurecia und Lühr (beide Stadthagen) teilgenommen. bus

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