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Pulverdampf, Puderquast und Schokolade

Bückeburg / „Lebendige Barocktage“ Pulverdampf, Puderquast und Schokolade

Sie gilt als die Epoche des Prunks und der Prachtentfaltung in Kunst und Architektur, aber auch der absolutistischen Königsherrschaften in Europa: Zwei Tage lang haben Historiendarsteller aus ganz Deutschland das Zeitalter des Barocks so originalgetreu wie möglich auf Schloss Bückeburg wieder auferstehen lassen.

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Kanonendonner: Auf der Gartensaalwiese wird ein Gefecht um eine Geschützstellung simuliert.

Quelle: jp

Von Johannes Pietsch

Bückeburg.  Historische Authentizität stand als oberstes Prinzip über den vielfältigen Darbietungen der „Lebendigen Barocktage“, die von der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg gemeinsam mit der Schlossverwaltung in Szene gesetzt worden waren. Das bedeutsame Jahr 1763 hatten sich die Organisatoren auf die Fahne geschrieben. Preußen hat mit letzter Kraft den blutigen siebenjährigen Krieg überstanden. Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe befindet sich auf dem Heimweg aus Portugal, wo er gegen die Spanier Krieg führte. Auf Schloss Bückeburg bereiten sich nun Bedienste wie Soldaten hektisch auf die Heimkehr des Hausherren vor.

Reenactment nennt man diese Art der Darstellung, bei der ein Stück vergangener Epoche so lebendig und historisch korrekt wie nur irgend möglich nachgestellt wird. Die Darsteller, die „Reenactors“, sind durch die Bank Spezialisten in ihrem Fach, zumeist Historiker, Geschichtslehrer oder Museumswissenschaftler. So wie Tanja Skworzow aus Aschaffenburg, die für die Barocktage in die Rolle von Charlotte von Belcastell schlüpfte, ihres Zeichens erste Hofdame am Hofe des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel, und den Besuchern die Zubereitung heißer Schokolade im Barockzeitalter demonstrierte. Oder wie Niels Badenhop, Barockkünstler aus Berlin, der als Solo-Tänzer im Original Bühnenkostüm eines Operndarsteller aus dem 18. Jahrhundert ebenso zu faszinieren wusste wie als Sänger oder als Harfespieler.

Oder wie Jagdhistorikerin Anna-Theresia von Velen aus Papenburg, die mit ihren Mitstreitern im Jagdzimmer des Schlosses historische Jagdwaffen erläuterte. Darunter ein Radschlossgewehr aus dem Jahr 1622, dessen Technik seit dem 16. Jahrhundert bekannt war und das noch bis ins 19. Jahrhundert als Pirschbüchse bei der Jagd Verwendung fand. Einem Hobby, das während der Barockzeit selbstverständlich ausnahmslos dem Adel vorbehalten war, wie die Papenburgerin erläutert: Erst nach der Revolution von 1848 habe auch das Bürgertum in Wald und Flur auf Reh und Hirsch anlegen dürfen, was dazu führte, dass so manches Waldgebiet in Deutschland komplett leergeschossen worden sei. Aber auch die barocke Jagd des Adels habe den in der heutigen Zeit fest verankerten Hege- und Naturschutzgedanken der Waidleute noch nicht gekannt: „Sie diente allein dem Plaisier und war ein höfisches Fest.“

Das dumpfe Knallen, welches während der zweitägigen Veranstaltung aus dem Schlossareal in die Bückeburger Innenstadt erschallte, stammte nicht etwa von eine Kanone, sondern von Jagdbüchsen des Kalibers .62, deren Abfeuern durch Angehörige des Schaumburg-Lippischen Jäger-Corps links der Schlossbrücke zu bestaunen war. Richtige Kanonen kamen erst am Abend beim Großen Manöver auf der Gartensaalwiese, zum Einsatz. Hier standen sich Linieninfanteristen und Angehörige eines Jägerbataillons in einem simulierten Gefecht um eine Geschützstellung gegenüber, um die Reaktionsschnelle und Entschlussfähigkeit ihrer Offiziere zu testen.

Weitere Attraktionen waren Reitkunstvorführungen mit Waffengängen im Renaissance-Reithaus, Degenduelle, die Vorführung höfischer Spielkultur, Tafelzeremonien und Musikkünste sowie ein Strategiespiel im Weißen Saal, bei dem die Teilnehmer als befehlshabende Offiziere ihre strategischen und taktischen Fähigkeiten in der Schlacht von Minden unter Beweis stellen konnten. Den Abschluss bildete jeweils eine Falkendarbietung der Fürstlichen Hofreitschule.

Auch der Fernsehsender SAT.1 war vor Ort und filmte Teile des Geschehens. Gesendet wird der Beitrag über die Barocktage auf Schloss Bückeburg am heutigen Montag um 17.30 Uhr im Rahmen der Sendung „17:30 SAT.1 regional“.

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