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Rache für die Sache mit dem Hund

Bückeburg Rache für die Sache mit dem Hund

Rache könnte das Motiv einer Frau aus dem Trinkermilieu gewesen sein, die einen 47-Jährigen wegen eines Sexualdeliktes angezeigt hat – offenbar zu Unrecht.

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Quelle: dpa/Symbolbild

Bückeburg. Zuvor hatte der Mann die Bückeburgerin beim Veterinäramt wegen eines vernachlässigten Hundes angeschwärzt, der ihr später weggenommen wurde. Vom Vorwurf der sexuellen Nötigung hat das Bückeburger Schöffengericht den Angeklagten jetzt freigesprochen.

 Auf dieses Verbrechen steht mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Die belastende Aussage der Frau enthielt jedoch eine Reihe von Widersprüchen. So hatte die Bückeburgerin bei verschiedenen Vernehmungen als Tatzeit drei unterschiedliche Monate genannt, in denen es zu dem sexuellen Übergriff in ihrer Wohnung gekommen sein soll. Anzeige erstattete sie erst etwa anderthalb Jahre nach dem angeblichen Vorfall. Außerdem soll sie gegenüber der Frau des Angeklagten zugegeben haben, dass die Anzeige eine „Retourkutsche“ für die Sache mit dem Hund gewesen sei.

 „Auf diese Aussage kann man keine Verurteilung stützen“, fasste Richter Dirk von Behren zusammen. Gegen die Glaubwürdigkeit der Frau sprach auch dies: Polizisten hatte die Bückeburgerin erzählt, dass der Mann einmal mit einer Wodkaflasche auf sie losgegangen sei. Dagegen berichteten Zeugen, dass er ihr die Flasche lediglich wegnehmen wollte, „damit sie sich um den Hund kümmert“, wie ein Zecher vor Gericht erklärte.

 Dass er die Frau „wegen des Hundes aufs Übelste beleidigt“ habe, gibt der Angeklagte zu. „Ich habe sie oft genug gewarnt. Dann bin ich zur Polizei gegangen.“ Das Tier sei verlaust gewesen und habe offene Wunden gehabt.

 Die Frau will seit vier Monaten „trocken“ sein. Der Mann gehörte früher ebenfalls zur Bückeburger Trinkerszene. Zur fraglichen Zeit im Dezember 2012 führte er jedoch bereits ein geregeltes Leben. „Die Zeugin neigt offenbar dazu, Sachverhalte aufzublähen“, sagte Verteidiger Markus Schwenk zur Geschichte mit der Wodkaflasche. Als Motiv für die Anzeige wegen eines sexuellen Übergriffes könnte Schwenk sich auch Neid darüber vorstellen, dass sein Mandant sich aus dem Milieu gelöst habe, wie es in einem Schreiben des Rechtsanwaltes sinngemäß heißt.

 Fest steht: Im März oder April 2014 war ein Mitarbeiter des Veterinäramtes bei der Frau zu Hause in Bückeburg, nachdem der jetzt Angeklagte sie aus Sorge um den Hund angezeigt hatte. Im März erstattete die Bückeburgerin dann Anzeige wegen Vergewaltigung, woraus später sexuelle Nötigung wurde. „Dieser zeitliche Zusammenhang ist nicht zu verkennen“, stellte Richter von Behren fest.

 Im Prozess stand Aussage gegen Aussage. Zum Schluss plädierte auch Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig auf Freispruch. Unglaubhaft hält Dreißig die Aussage der Frau unter anderem deshalb, weil diese während der Verhandlung behauptete, der Mann habe von ihr abgelassen, nachdem sie ihm gut zugeredet habe. In früheren Vernehmungen hatte die Bückeburgerin behauptet, sie habe den 47-Jährigen geschubst und zwischen die Beine getreten.

 Als Zeugen hatte das Gericht mehrere Angehörige der Trinkerszene vernommen. Durch den Saal waberte Alkoholnebel – trotz geöffneter Fenster. ly

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