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Radinitiative erreicht die „kritische Masse“

Im Verbund die Straßen nutzen Radinitiative erreicht die „kritische Masse“

Als Radfahrer hat man’s nicht immer leicht: Überfüllte Straße, verschmutzte oder fehlende Radwege, undurchsichtige Verkehrsführung und nicht selten fehlende Toleranz und rücksichtsloses Verhalten von Auto-, Bus- oder Lkw-Fahrern lassen unmotorisierte Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern nur allzu oft ins Hintertreffen geraten. Nicht so bei „Critical Mass“.

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Locker erreichen die Radfahrer am Freitagabend die kritische Masse und können so im Verbund auf der Straße fahren.

Quelle: jp

Bückeburg. Vor allem die Begegnung von Autofahrern und Radlern birgt Zündstoff: Die einen fordern Straßen, um sie zu befahren, die anderen das Recht, sich gleichberechtigt darauf bewegen zu dürfen. Und nicht selten kommt es zu Auseinandersetzungen, Konflikten und auch zu Unfällen.

 Doch in vielen Städten ändert sich einmal im Monat das Spiel: Bei „Critical Mass“, einem jeweils am letzten Freitag im Monat stattfindenden unorganisierten Treffen von Radfahrern, nehmen die pedalisierten Zweirädler bildlich gesprochen das Ruder in die Hand, um auf ihre Interessen aufmerksam zu machen. Am vergangenen Freitag fand das erste Treffen dieser Art in Bückeburg statt.

 „Critical Mass“, unter diesem Begriff machen seit Anfang der neunziger Jahre Radfahrer auf der ganzen Welt mobil. Zum ersten Mal fand eine solche unorganisierte Tour engagierter Radfahrer im September 1992 in San Francisco statt. Von dort verbreitete sich die Bewegung über die ganze Welt. Auch in Europa wird mittlerweile regelmäßig für die Interessen von Radfahrern in die Pedale getreten.

 Unorganisiert, das ist trotz der klar formulierten verkehrspolitischen Stoßrichtung eines der bedeutendsten Kennzeichen der Bewegung. Bei „Critical Mass“ gibt es keine Organisation, keinen Verein, keinen Dachverband oder sonstige Körperschaft. Bei den regelmäßigen Protest-Korsos der Radfahrer möchte sich auch niemand als offizieller Organisator oder Sprecher der „Critical Mass“-Bewegung bezeichnen, allenfalls als Initiator.

 In Bückeburg hatte Felix Wells den Anstoß zur ersten „Critical Mass“-Radtour gegeben und unter das Motto gestellt: „Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr.“ Zudem hat der Bückeburger die Internetseite www.criticalmass-bueckeburg.de sowie die Emailadresse criticalmass-bueckeburg@web.de ins Leben gerufen. Diese sollen zur Information über die Bewegung und zur Terminankündigung dienen. „Wir veranstalten hier keine Demonstration“, betonte Felix Wells zum Auftakt des ersten „Critical Mass“-Treffens auf dem Bückeburger Marktplatz, „denn die hätten wir anmelden und genehmigen lassen müssen.“

 Der englische Begriff „critical mass“, also kritische Masse, der eigentlich in der Kernphysik zu Hause ist und dort die Mindestmenge eines spaltbaren Materials zur Herbeiführung einer atomaren Kettenreaktion bezeichnet, bezieht sich auf eine Regelung aus der Straßenverkehrsordnung, nach der mehrere Radfahrer ab einer bestimmten Anzahl einen sogenannten „geschlossenen Verband“ bilden. Als solchen dürfen sie unter anderem in Kolonne zu zweit nebeneinander fahren und sind nicht verpflichtet, Radwege zu benutzen. Die magische Zahl dabei ist übrigens 16 (und nicht etwa 15, wie andernorts bereits zu lesen war). Die Straßenverkehrsordnung sagt nämlich: Mehr als 15 Radfahrende dürfen einen geschlossenen Verband bilden.

 Bessere Verkehrsbedingungen für Radfahrer, aber vor allem mehr Akzeptanz seitens motorisierter Straßenbenutzer und einen ausreichend toleranten und respektvollen Umgang aller Verkehrsteilnehmer untereinander sind auch die erklärten Ziele der „Critical Mass“-Teilnehmer in Bückeburg. Denn auch wenn in der historischen Residenzstadt bereits viel für Radfahrer getan wurde, Verbesserungspotenzial nach oben besteht allerorten. So ist das neue Radwegekonzept der Stadt nach wie vor noch nicht spruchreif, und in Bückeburger Einbahnstraßen dürfen Radfahrer im Gegensatz zu manch anderen Städten weiterhin nicht entgegen der Fahrtrichtung im Sattel bleiben. Dazu kommt die geradezu himmelschreiende Verunreinigung mit Glasscherben, die die meisten innerstädtischen Radwege für die Zweiradfahrer zu reinen Minenfeldern werden lässt. „Ich fahre grundsätzlich nur auf der Straße“, erklärte ein Teilnehmer der ersten Bückeburger „Critical Mass“-Tour. „So viel Flickzeug könnte ich gar nicht mitnehmen, wie ich bräuchte, würde ich einmal in Bückeburg einen Radweg benutzen.“

 Die nächsten „Critical Mass“-Fahrradtouren finden statt am 28. August, 25. September und 30. Oktober. Start ist jeweils um 18 Uhr auf dem Marktplatz. jp

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