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Ratten in Adolfinum-Fluren

Gift kommt zum Einsatz Ratten in Adolfinum-Fluren

Seit mehreren Jahren hat Bückeburg mit einem verstärkten Rattenbefall zu kämpfen. Anfang des Jahres war der Druck so hoch, dass der zuständige Abwasserbetrieb Verhaltenstipps gab, wie der wachsenden Rattenpopulation Einhalt geboten werden könnte. Nun ist das Gymnasium Adolfinum von der Plage betroffen.

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So sieht das Innere der Metallboxen mit Rattengift aus. Die Boxen können nur mit einem Spezialschlüssel geöffnet werden.

Quelle: rc

BÜCKEBURG. Der immense Befall ist stellenweise so groß, dass die Ratten am helllichten Tag durch die Flure der Schule liefen. Seit Mitte der Sommerferien wird mit Giftködern versucht, der Rattenplage Herr zu werden. An etwa 35 Stellen in und ums Gebäude sind Metallboxen mit Rattengift aufgestellt worden (wir berichteten). „Nur Kanalbelegung reicht nicht mehr. Die Köder müssen oben an der Oberfläche sein, damit es hilft“, schilderten Volkmar Babies und Mike Hansen von der H&B Schädlingsbekämpfung. Der Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung aus Wunstorf hat vom Landkreis Schaumburg als Eigentümer der Schule den Auftrag erhalten, der Rattenplage entgegenzuwirken.

Anwohner sind besorgt

Die beiden gelernten Schädlingsbekämpfer traten bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung Befürchtungen von Anwohnern und Spaziergängern entgegen, dass die Boxen gefährlich für Schüler, Kinder, Lehrer oder Haustiere sein können. An das Gift darin sei so gut wie kein Herankommen. Nach den ohnehin schon schmal gehaltenen Öffnungen, durch die die Ratten ins Innere gelangen können, muss man quasi noch einmal um die Ecke fassen, um in eine zweite innere Box zu gelangen, wo das Gift – aufgespießt – in Beuteln gelagert ist. Hansen: „Da kann keiner hineinfassen.“

Die Giftbox zu knacken, sei nur mit brachialer Gewalt möglich, wissen die beiden Experten aus Erfahrungen. Und sollte das Gift tatsächlich einmal in unbefugte Hände gelangen, ist es mit einem Bitterstoff versehen, sodass es jeder Mensch sofort ausspucken würde. Laut Angaben der Experten müsste ein Mensch etwa 25 Prozent seines Körpergewichts an Gift aufnehmen, um daran zu sterben.

Nach 24 bis 48 Stunden wirken die Stoffe

Bei den Ratten ist natürlich deutlich weniger nötig, um eine „humane Tötung – falls man es so nennen darf“ – zu erreichen. Ausgelegt ist am Gymnasium eine sogenannte Muskil-Pasta, ein frischer Pastenköder, der eine Kombination von blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen (Bromadiolon und Difenacoum) enthält. Nach 24 bis 48 Stunden beginnen die Wirkstoffe, im Körper zu wirken. Die Ratte verblutet innerlich, da ihre Blutgefäße porös werden. Die überlebenden Ratten, hoch intelligente Tiere, können dann nicht mehr ausmachen, woran ihr Artgenosse gestorben ist, und meiden den Futterplatz nicht.

„Es ist sicher“, betonten Babies und Hansen. Die beiden sind ausgebildete Schädlingsbekämpfer, müssen sich ständig fortbilden und entsprechende Sachkundenachweise erbringen. Das Aushängen der Warnhinweise war Aufgabe des Adolfinums. Mit Beginn des Unterrichts nach den Sommerferien am Donnerstag wird in jeder Klasse über die derzeit laufende Aktion berichtet.

Ein bundesweites Problem

Der Rattenbefall muss enorm sein, wie aus den Worten der Experten deutlich wurde. Selten seien Köder in so kurzer Zeit so ratzfatz verputzt gewesen. Hansen: „Das sehen wir selten.“ Wie lange die Aktion noch läuft, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Der steigende Rattenbefall ist übrigens ein bundesweites Problem, das nach Einschätzung der Schädlingsbekämpfer auf die zu warmen Winter zurückzuführen ist. Früher kam eine Rattenfamilie nach einem Jahr mit 500 Tieren aus dem Winter, heute seien es bis zu 2000. Nahrung würden die Nager genug finden. Sie machen selbst vor Glaswolle und Styropor nicht halt. rc

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