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Regionales Gedächtnis – kulturelles Zentrum

Bückeburg / Staatsarchiv Regionales Gedächtnis – kulturelles Zentrum

Staubige Gewölbe, lange Reihen Leder gebundener Folianten, Stapel vergilbter Akten. Dieses Bild von einem Archiv hat sich in der Vorstellung erstaunlich vieler Menschen festgesetzt.

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Auf 4500 Regalmetern reihen sich im Staatsarchiv die Kartons mit Archivalien aneinander. Hier wirft Stefan Brüdermann einen Blick in Rodenberger Bestände.

Quelle: kk

Bückeburg. Wie falsch sie damit liegen, würden sie schnell bei einem Blick ins Bückeburger Staatsarchiv feststellen. In den Magazinen reihen sich viele Meter dunkelgrauer Stahlregale (4500 Regalmeter) aneinander, auf den Böden akkurat gestapelte und beschriftete Pappkartons. Darin: Akten, Akten und noch einmal Akten. Papier, beschrieben mit Feder und Tinte in akkurater Kanzlei- oder Sütterlinschrift, Papier, betippt mit heute altertümlich anmutenden mechanischen Schreibmaschinen, Papier, bedruckt von modernen Laserkopierern.

 Gelagert, katalogisiert und erschlossen werden nämlich in erster Linie die Archivalien heimischer Behörden von der Kreis- über die Finanz- und Katasterverwaltung bis zu den Gerichten. Außerdem werden, quasi als Dienstleister, die Archive von Kommunen wie Bückeburg und Hessisch Oldendorf, der Landeskirche oder von Firmen, Vereinen und Familien betreut. Und, ganz wichtig in Bückeburg: Hofkammer- und Hausarchiv des Hauses Schaumburg-Lippe.

Die Unterlagen reichen zum Teil Jahrhunderte zurück. Und wer in alten Beständen sucht, findet dann doch noch kunstvoll gesiegelte Urkunden, Verträge oder alte Landkarten. Hier wird die Vorstellung vom „regionalen Gedächtnis“ im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.

 Umso verwunderter blickt man auf das Jubiläum, das das Archiv in der kommenden Woche feiert: (Erst) vor 50 Jahren wurde es offiziell im Schloss eröffnet. Leiter Stefan Brüdermann lüftet das Geheimnis: Natürlich reiche die Bückeburger Archivgeschichte viel weiter zurück. Erinnert werde jetzt aber an das Jahr 1963, als das Staatsarchiv tatsächlich die dafür vorgesehen Räume im Seitenflügel des Schlosses bezog. Zuvor waren sie von den britischen Besatzungstruppen genutzt – und damit blockiert – worden. Bereits 1947 hatte die Landesregierung einen ersten Anlauf zur Errichtung eines Staatsarchivs in Bückeburg unternommen: Mangels Platz wurden die dafür vorgesehen Bestände aber zunächst hauptsächlich in Hannover gelagert.

 Doch die Archivgeschichte reicht noch viel weiter zurück: 1582 ist in der Schaumburger Kanzleiordnung die Rede von einem „Gewelbe“ im Schloss Stadthagen, in dem Siegel und Briefe sicher verwahrt wurden. Wenige Jahre später wird dieses Gewölbe erstmals als Archiv bezeichnet.

 Heute firmiert man unter der offiziellen Bezeichnung „Niedersächsisches Landesarchiv – Staatsarchiv Bückeburg“. Ungefähr zehn Mitarbeiter kümmern sich um die Bestände und die Betreuung der Nutzer. Bis vor Kurzem waren es noch deutlich mehr. Das lag daran, dass die Zentrale Werkstatt der Niedersächsischen Archivverwaltung im Gewerbegebiet Kreuzbreite organisatorisch dem Bückeburger Archiv unterstellt war. Sie wurde aber jetzt der Verwaltung in Hannover zugeordnet. Hier kümmern sich seit 1992 die Mitarbeiter um die Sicherungsverfilmung und die Massenrestaurierung von Archivalien aus ganz Niedersachsen.

 Wie sehr sich die Schaumburger mit „ihrem“ Staatsarchiv verbunden fühlen, zeigt sich an den Nutzerzahlen. Im vorigen Jahr wurden 357 unterschiedliche Nutzer gezählt, die an 1500 Tagen im Archiv recherchierten. Das erscheint auf den ersten Blick nicht so viel. Setzt man diese Zahl jedoch ins Verhältnis zur Größe des Bestandes, nimmt das Bückeburger Archiv in Niedersachsen eine Spitzenstellung ein. „Hier macht sich die regionale Nähe positiv bemerkbar,“ so Brüdermann.

 Gearbeitet wird im Archiv an verschiedensten Projekten: Da bereiten Heimatforscher Familien-, Vereins- oder Ortsgeschichte auf, verfassen Schüler und Studenten Examens- oder Kursarbeiten. Doch gerade junge Leute würde Brüdermann gerne häufiger im Archiv begrüßen. Die Zahl der Schulklassen, die sich vor Ort über Möglichkeiten der Recherche informieren, nimmt eher ab als zu. Ein Grund sind sicherlich die immer engeren Lehrpläne.

 Und nicht jeder Lehrer hält eine Einrichtung wie das Staatsarchiv wirklich für wichtig und zeitgemäß. Dass es auch anders geht, hat in der vorigen Woche wie berichtet die Verleihung des Schaumburger Kulturpreises am Klaus Maiwald bewiesen: Der inzwischen pensionierte Realschullehrer hat ganze Schülergenerationen an die Archivarbeit herangeführt, Begeisterung für lokale und regionale Geschichte geweckt. Mit bestem Erfolg, wie die vielfach prämierten Arbeiten seiner Geschichts-AG zeigen.

Dabei wird die „Hemmschwelle“ zur Nutzung des Archivs immer weiter abgebaut, je mehr Bestände digital zugänglich gemacht werden. Hier sieht Brüdermann eine der großen Zukunftsaufgaben der Archive. 80 Prozent der Bestände sind bereits elektronisch erschlossen. Das heißt zwar nicht, dass die einzelnen Akten komplett digitalisiert sind, wohl aber, dass bereits im Internet vor dem Archivbesuch recherchiert werden kann, welche Bestände überhaupt vorhanden sind. Auch die Bestellung der Archivalien ist online möglich. Eingesehen werden müssen sie aber nach wie vor im Lesesaal. Dort unterstützen Brüdermann und seine Kollegen besonders unerfahrene Nutzer so gut es geht. Ausgesprochen beliebt sind auch Volkshochschulkurse, die in die Nutzung des Archivs einführen.

 Doch auch als „kulturelles Zentrum“ genießt das Staatsarchiv über die Grenzen Bückeburger hinaus einen guten Ruf. Der Kulturverein ist mit Konzerten im Haus zu Gast, eigene Ausstellungen und Vorträge lockeren Besucher ins Schloss. Termin:  Offiziell gefeiert wird der Geburtstag des Staatsarchivs am Donnerstag, 7. November, im Großen Festsaal des Schlosses. Beginn ist um 19 Uhr. Im Mittelpunkt des Abends steht der Festvortrag des Osnabrücker Historikers Professor Thomas Vogtherr. Sein Thema: „Vom Nutzen des Archivs für eine Geschichtslandschaft – Streifzüge durch Bückeburgs Archivgeschichte“. Nicht nur geladene Ehrengäste sind willkommen, auch die „interessierte Öffentlichkeit“ ist gerne gesehen. kk

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