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Rentner greift Nachbarn mit einer Axt an

Bückeburg / Prozess Rentner greift Nachbarn mit einer Axt an

Er galt als Schrecken der Nachbarschaft. Eine Frau von nebenan nannte der Bückeburger „miese Ratte“ und „Nutte“, einen Mann beschimpfte er als „Stinker“. Einmal beließ es der Rentner nicht bei Beleidigungen, sondern „kloppte auf die Fresse“, wie er selbst es nennt. Dann wieder öffnete der ältere Herr eine fremde Tür mit der Motorsäge. Vor Gericht stand er regelmäßig.

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Bückeburg (ly). Jetzt ist der 78-Jährige noch ein Stück weiter gegangen: Hinterrücks schlug er mit der stumpfen Seite einer Axt auf einen Nachbarn (70) ein, als dieser die eigene Wohnung betreten wollte. Schuldig ist der Angreifer wohl trotzdem nicht. Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum geht von Wahnvorstellungen und schwerer seelischer Abartigkeit aus.

In einem Sicherungsverfahren verfolgt die Justiz daher das Ziel, den Rentner in der geschlossenen Psychiatrie unterzubringen. Vor der 1. Großer Strafkammer am Landgericht sitzt ein seelisch kranker Mann, eingestuft als unzurechnungsfähig, ein tragischer Fall. Andererseits gilt der Bückeburger einem psychiatrischen Gutachten zufolge als Gefahr für die Allgemeinheit. Zwangseingewiesen ist er bereits seit Februar.

Am Nachmittag des 26. Februar steckt ein Nachbar des 78-Jährigen den Schlüssel in die Wohnungstür und bekommt plötzlich einen Schlag in den Rücken. Er dreht sich um und sieht „kein Gesicht, sondern eine Fratze“. Als Zeuge vor Gericht erinnert sich das Opfer außerdem daran, diese Sätze gehört zu haben: „Ich will Dich totschlagen. Du gehörst nicht auf diese Welt.“ Dem völlig überraschten Mann gelingt es, die Axt festzuhalten. Dafür bekommt er einen Faustschlag ins Gesicht, der zu Schürfwunden und einem blauen Auge führt.

Für den leidgeprüften Nachbarn ist dies nicht die erste Auseinandersetzung, der recht einseitige Streit schwelt seit 1999. „Vor einem Jahr hat er mir meine Wohnungstür zersägt“, erinnert er sich. Andere im Umfeld des 78-Jährigen bekamen dessen Zorn ebenfalls zu spüren, darunter eine Frau, die auf einem Zettel im Treppenhaus nachlesen musste, sie sei „der Abschaum der Menschheit“.

Als die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus den 78-Jährigen zu der Attacke mit dem Beil befragt, poltert er sofort los. „Ich habe den Verkehrten erwischt“, behauptet der Bückeburger. Erwischen sollte es angeblich einen früheren Betreuer, den der Rentner in seinem Wahn für „eine ganz linke Person“ hält. „Den hätte ich zusammengeschlagen wie ’ne Flunder, richtig platt.“

Auch im Haus, so der Rentner weiter, werde gelogen und betrogen. Mehr noch: „Das ist praktisch ein Puff.“ Die Axt brauchte der 78-Jährige nach eigenen Angaben zum Schutz, „weil ich laufend zusammengeschlagen wurde“. Am Tag der Tat will er „mit Absicht die stumpfe Seite genommen“ haben. „Ich wollte ja keinen umbringen.“
Der Prozess wird heute, Mittwoch, fortgesetzt.

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