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Rentner wohl für immer in die Psychiatrie

Bückeburg / Prozess Rentner wohl für immer in die Psychiatrie

Ein Rentner, der im Wahn mit der Axt auf einen Nachbarn losgegangen ist, kommt vielleicht nie wieder frei. In einem Sicherungsverfahren hat das Landgericht am Mittwoch (7. September) die Unterbringung des 78-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

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Bückeburg (ly). „Er wird den Rest seines Lebens in der Psychiatrie verbringen“, befürchtet Verteidiger Stephan Schuster. Die Unterbringung sei „eine der härtesten Sanktionen, die unser Strafgesetzbuch kennt“, räumt Richterin Birgit Brüninghaus ein, die Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer. „Aber zum Wohl der Allgemeinheit bleibt leider keine andere Wahl.“

Ein Psychiater hatte den Rentner als gefährlich eingestuft. Zudem geht der Sachverständige von einem hohen Wiederholungsrisiko aus. Besserung sei in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Der 78-Jährige hatte sogar angekündigt, er „erwäge, einen Menschen zu töten“.

Für die gefährliche Körperverletzung mit der Axt kann der unheilbar erkrankte Mann strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. „Strafe setzt persönliche Schuld voraus“, betonte Brüninghau. Allein 2008 hatte die Staatsanwaltschaft sieben Verfahren wegen Schuldunfähigkeit eingestellt. Zurückzuführen sind die Taten vermutlich auf einen Hirnschaden, den der 1992 durch einen Unfall erlitten haben soll.

Insgesamt umfasst das Vorstrafenregister ein Dutzend Einträge, darunter neun Einstellungen und einen Freispruch, jeweils wegen Unzurechnungsfähigkeit. In der Regel ging es um Beleidigung. Mit den Jahren hatte indes auch die Gewaltbereitschaft des Bückeburgers zugenommen, der anfangs eher verbal aus der Rolle gefallen war. „Seit 2006“, so die Richterin, „zeigte sich ein zunehmend handgreifliches Verhalten.“ Die Gefahr, die von dem Mann ausgehe, sei „so groß, dass der Kammer ein Eingriff in dessen Freiheit vertretbar erscheint“. Auch Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum sieht „eine ganz klar aufsteigende Eskalation“.

Am eigenen Leib hat das im Februar ein Nachbar (70) zu spüren bekommen. Als dieser seine Wohnung betreten wollte, näherte sich der Rentner von hinten und schlug das Opfer mit der stumpfen Seite einer Axt auf die Schulter. Im Gerangel gelang es dem jüngeren Mann, den Stiel festzuhalten, dafür bekam er einen Schlag ins Gesicht. Seit Jahren hat es der Rentner auf den Nachbarn abgesehen. „Er betrachtet ihn als Feind“, so Brüninghaus. Für seinen Mandanten, so Opferanwalt Holger von Harpe, gehe es darum, „dass er nicht befürchten muss, weiterhin traktiert zu werden“.

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