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Revierförster als Ziehvater

Einsatz für Vierbeiner Revierförster als Ziehvater

Über einen ziemlich außergewöhnlichen Besuch haben sich dieser Tage die Mädchen und Jungen des Kindergartens und der Grundschule Meinsen gefreut. „Das ist für uns der absolute Star“, meinte Kindergartenleiterin Renate Henning als Sören Peters den Gast vorstellte – ein kaum eine Woche altes Kitz.

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Die Mädchen und Jungen des Kindergartens helfen Sören Peters beim Füttern der jungen Besucherin.

Quelle: bus

Von herbert busch Bückeburg. „Genau betrachtet ist das ein Rotwildkalb, also gewissermaßen das Baby vom Hirsch“, erläuterte der Leiter des Reviers Meinser Kämpen den begeisterten Gastgebern. Das vorläufig auf den Namen „Jule“ getaufte Kalb sei wie aus heiterem Himmel plötzlich schreiend und hungrig auf dem Förstereihof aufgetaucht. „Da haben wir es natürlich aufgenommen und versorgt“, erklärte der Revierförster.

 Peters vermutet, dass die junge Rotwilddame das Licht der Welt auf der Abraumhalde am Mittellandkanal erblickte. Möglicherweise sei die Mutter durch freilaufende Hunde von ihrem Baby getrennt worden. „Die Mütter sind sehr vorsichtig“, zeigte der Fachmann auf. „Sie kommen nur alle drei bis vier Stunden, um den Nachwuchs zu säugen. Danach verschwinden sie wieder, damit nicht irgendwelche bösen Tiere auf das Kleine aufmerksam werden und es fressen.“ Sie blieben aber in der Umgebung und beobachteten die Szenerie aufmerksam.

 Sollte allerdings ein Hund in die Nähe des Kitzes kommen, es beschnüffeln oder anschlecken, stelle die Mama wegen des fremden Geruchs ihre Fürsorge ein. Peters: „Die sagt sich dann, das ist nicht mehr mein Kind und geht nie wieder hin.“ Daher sollten die Mädchen und Jungen unbedingt ihre Eltern darauf hinweisen, dass nicht angeleinte Hunde im Wald nichts zu suchen haben. Die Hunde müssten das Kitz nicht einmal beißen, allein die fremde Witterung reiche für die vermeintliche barsche Reaktion der Muttertiere aus.

 Um „Jule“ scheint es indes bestens bestellt zu sein. „Sie war von Anfang an sehr zutraulich“, so Peters. Vermutlich auch, weil diese Kitze nicht allzu sehr auf ihre Mütter geprägt seien. Zudem vermittele sie einen völlig tiefenentspannten Eindruck. „Man hat überhaupt nicht den Eindruck, dass sie gestresst ist.“ Ansonsten sei an einen Besuch in Kindergarten und Grundschule nicht zu denken gewesen.

 Selbst mit dem auf dem Hof ebenfalls beheimateten Jagdhund „Socke“ verstehe sich „Jule“ prächtig. „Der hat sie von Anfang an als Familienmitglied akzeptiert“, legte der Förster dar. Und einen ersten kunterbunten Kindergeburtstag habe sie auch schon schadlos überstanden. „Insofern bin ich um ihre Zukunft nicht bange.“

 Das Erwachsenwerden beschert Familie Peters unterdessen allerhand Betreuungsaufgaben. Der Nachwuchs erhält etwa alle drei Stunden 400 bis 500 Milliliter-Mahlzeiten – leckere Lämmermilch mit Fenchel-Tee. „Das Aufpäppeln wird wohl ein paar schlaflose Nächte und etwas Babystress mit sich bringen“, meinte der Ziehvater. Zumal bei der Fütterung anfangs zur Aktivierung der Verdauung der Bauch massiert werden muss. Voraussichtlich im Dezember könnte das letzte Nuckelfläschchen gefüllt werden. Dann kann auch auf die Kontrolle der Voraugendrüsen verzichtet werden, die bei Rotwildkälbern den Grad der Sättigung anzeigen.

 Falls ihr nichts zustößt, wird „Jule“ beträchtlich an Gewicht zulegen und auf ihre jetzt etwa acht Kilogramm rund 120 weitere draufpacken. „Dann reicht mir ihr Kopf bis knapp an die Schulter“, ließ Peters die Kinder wissen. Sie könne gut und gerne 15 Jahre alt werden. Anders als Hirsche, die als Senioren schon mal unangenehme Züge entwickelten, blieben deren weibliche Altersgenossinnen bis ins hohe Alter friedlich. „Vielleicht wird sie sich eines Tages in den Schaumburger Wald zurückziehen“, mutmaßte der Förster. Sie stromere bereits ums Haus herum und erkunde neugierig die Umgebung. bus

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