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Richter muss die Wogen glätten

Prozess Richter muss die Wogen glätten

Ganz großes Kino: Obwohl ihm im Fall einer Verurteilung keine schwere Strafe droht, hat der Angeklagte zwei Verteidiger, die sich mächtig ins Zeug legen.

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Bei ihrer Brautschau durchpflügen die Maulwürfe den Untergrund.gp

Bückeburg (ly). Die 1. Große Jugendkammer ist mit fünf Richtern besetzt, die Anklagebehörde wird von Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt vertreten. Schmidt ist um Mäßigung bemüht und hat zum Auftakt ein Rechtsgespräch vorgeschlagen.

 Sieben Sitzungstage sind für den zweiten Antifa-Prozess vorm Landgericht anberaumt. Drei Justizwachtmeister sitzen im Saal, mehrere Kollegen von ihnen sichern die Flure, Zuhörer müssen durch die Einlasskontrolle. Angeklagt ist diesmal nur ein Linker (20). Zu den Vorwürfen schweigt er. Es geht um vier mutmaßliche Taten. Hauptvorwurf: Der Antifaschist soll einem Neonazi, der sich am späten Abend des 13. Dezember 2013 vor einer Bückeburger Kneipe aufhielt, Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben, wobei er selbst in der Tür stand. Im Vergleich zum ersten Antifa-Prozess im November, damals noch mit sechs Angeklagten aus der linken Szene, hat das Publikumsinteresse nachgelassen. Wer zu Hause bleibt, verpasst etwas.

 Am Freitag liefern sich Oberstaatsanwalt Schmidt auf der einen Seite, die Verteidiger Bernd Brüntrup und Paulo Dias auf der anderen ein Wortgefecht, welches so heftig ausfällt, dass Richter Norbert Kütemeyer eine zehnminütige Pause ausruft, um die Wogen zu glätten. Die Anwälte fragen ausdauernd und detailliert. Im ersten Prozess hatten sie Erfolg: Alle sechs Verfahren waren eingestellt worden, nur in einem Fall mit Sozialstunden als Sanktion. Speziell auf Fragen Brüntrups reagiert ein Beamter des Staatsschutzes sichtlich genervt. Der Polizist beschwert sich bei Kütemeyer. „Das Fragerecht der Verteidigung in einem Verfahren wie diesem ist relativ weit gefasst“, erklärt Kütemeyer. Mit Ruhm bekleckert hat sich der Beamte offenbar nicht. Einige Formulare scheinen fehlerhaft ausgefüllt zu sein.

 Eine Schülerin, die ebenfalls aussagen muss, ist vorgewarnt. Vor Gericht werde man „in die Mangel genommen“, hat ihr ein Freund berichtet, der vorher an der Reihe war. Die 19-Jährige erklärt, keiner Szene anzugehören, weder der linken noch der rechten. Vor der Kneipe stand sie damals mit mutmaßlich Rechten. Im Prozess identifiziert sie den Angeklagten als Täter. Auf die Frage Brüntrups, warum sie den Namen erst nach fünf Wochen genannt sagt, sagt sie: „Ich hatte Angst.“ Dann fließen Tränen.

 Wer auch gesprüht hat: Ein Unbeteiligter wurde ebenfalls verletzt. Der Bückeburger (51) ging an der Kneipe vorbei, als sich die Tür öffnete und er Reizgas ins Gesicht bekam. Vor Gericht erklärt der Zeuge, er wisse nicht mehr, ob der Schwall von drinnen gekommen sei (wo der Linke gestanden haben soll) oder aus der Gruppe auf dem Bürgersteig. Den Angeklagten hat er nicht erkannt.

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