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Rückfall trotz Therapie – Richter hofft weiter

Bückeburg / Prozess Rückfall trotz Therapie – Richter hofft weiter

Macht es Sinn, auf drei laufende Bewährungen noch eine vierte zu satteln? In einem außergewöhnlichen Fall von Ladendiebstahl geht das Amtsgericht Bückeburg dieses Wagnis ein. „Ein Fünkchen Hoffnung besteht“, sagt Richter Armin Böhm, der zugleich „eine gewisse Ratlosigkeit“ verspürt. „Ich will das eigentlich gar nicht“

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Bückeburg. Bückeburg (ly).  Es scheint weniger um Strafe zu gehen – vielmehr darum, wie der Ladendiebin geholfen werden kann. Verteidiger Oliver Theiß geht davon aus, dass die Angeklagte an pathologischem Stehlen leidet, besser bekannt als Kleptomanie. „Ich will das eigentlich gar nicht“, beteuert Theiß’ Mandantin. Doch es sei wie ein Zwang. „Je größer die Probleme zu Hause sind, desto stärker wird der Druck.“ Wie ein Häufchen Elend sitzt die Bückeburgerin auf der Anklagebank, den Blick gesenkt. Sie spricht zögernd und ist kaum zu verstehen.

 Zuletzt war die 45-Jährige im August vom Ladendetektiv erwischt worden, nachdem sie in einem Supermarkt an der Hannoverschen Straße sieben Tafeln Schokolade, eine Packung Eis sowie Kloßteig gestohlen hatte, unterm Strich Waren für weniger als zehn Euro. „Die Frau machte einen verstörten Eindruck“, erinnert sich der Detektiv.

 Verhängt hat das Amtsgericht dafür vier Monate Haft, die Vollstreckung der Strafe aber zunächst ausgesetzt. Fortsetzen muss die Delinquentin eine bereits begonnene ambulante Psychotherapie wegen wiederholten Ladendiebstahls. Obwohl die Mutter mehrerer Kinder immer wieder rückfällig geworden ist, sieht Richter Böhm sie auf dem richtigen Weg. Ihre Ärzte schreiben sinngemäß, dass ein körperlicher Verfall durch Magersucht zurzeit Schwerpunkt der Behandlung sei. Andere Probleme könnten erst später angegangen werden. „Irgendwann muss es Konsequenzen geben“

 „Wir treten etwas auf der Stelle“, fasst Böhm zusammen. Ohne Risiko ist das nicht: Wenn weiterhin Bewährungszeiten verlängert werden, „könnte eines Tages das ganze Kartenhaus einstürzen“, so der Richter. Achtmal ist die 45-Jährige allein wegen Diebstahls vorbestraft, in drei Fällen steht sie unter Bewährung. Falls das jüngste Urteil rechtskräftig wird, sind es vier. Staatsanwältin Martina Hollah hatte eine Haftstrafe gefordert. Begründung: „Irgendwann muss es Konsequenzen geben.“

 Von ihrer Bewährungshelferin wird die Bückeburgerin als „sehr zuverlässig“ beschrieben. Über neue Ladendiebstähle sei die 45-Jährige „traurig und ratlos“ gewesen. Als die Bewährungshelferin hörte, dass ihre Klientin beim letzten Mal „eine dicke Portion Eis“ unter der Kleidung versteckt hat, stellte sie fest: „Das kann ich nicht nachvollziehen.“

 Verteidiger Theiß denkt daran, von einem Gutachter prüfen zu lassen, ob seine Mandantin Kleptomanin ist. Richter Böhm glaubt das nicht. „Dann werden Dinge geklaut, die man nicht braucht“, erklärt er. Staatsanwältin Hollah gibt zu bedenken: „Für pathologisches Stehlen sind die Zeitabstände zu groß.“ Die Rede ist von weniger als zehn Verurteilungen seit 2005.

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