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Bückeburg Stadt Säurehaltiges Papier bereitet Probleme
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Säurehaltiges Papier bereitet Probleme
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00:24 09.03.2018
Im Kartenraum des „Staatsarchivs Bückeburg“ zeigt Stefan Brüdermann (Zweiter von links) den Besuchern einen dort aufbewahrten, historischen Plan. Quelle: wk
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Bückeburg

Darunter finden sich circa 4000 Urkunden sowie etwa 35.000 Karten und Pläne. Das berichtete Leiter Stefan Brüdermann bei einer Besucherführung anlässlich des „Tages des offenen Archivs“.

So beeindruckend diese Zahlen sind, so klein nehmen sich diese im Vergleich zum Gesamtbestand des Niedersächsischen Landesarchivs aus. Der nämlich umfasst um die 100 Kilometer Akten, von denen mehr als 40 Kilometer am Hauptsitz Hannover gelagert werden. Im Vergleich aller sieben Standorte des Landesarchivs ist das Regionalarchiv in Bückeburg somit das kleinste.

Ungefähr 92 Prozent aller dort aufbewahrten Dokumente sind über sogenannte „Findbücher“ recherchierbar, wobei die einzelnen Akten nach Behörden sortiert sind, führte Brüdermann weiter aus. Darüber hinaus sei aber auch eine gezielte Suche – beispielsweise nach Personennamen – mittels Computer möglich. Besonders häufig nachgefragte Unterlagen werden übrigens zusätzlich als Mikrofiche (verfilmt) oder als „Digitalisate“ (gescannt) vorgehalten, um die Originale zu schonen.

Ältestes Dokument aus dem Jahr 896

Denn ein großes Problem, mit dem sich Archivare konfrontiert sehen, ist, dass Papier nicht ewig überdauert: Die älteste in Bückeburg aufbewahrte Urkunde stammt aus dem Jahr 896 und ist auf Pergament geschrieben, erklärte Brüdermann. „Wenn da keine Katastrophe passiert, dann hält das auch noch weitere 1000 Jahre.“ Gleiches gelte für später aufgekommene, aus alten Lumpen hergestellte Papiere. Seit etwa dem Jahr 1840 werde allerdings Zellulose für die Papierherstellung verwendet, wodurch das Papier säurehaltig sei. Und jene Säure habe zur Folge, dass dieses Papier mit der Zeit „von allein zerfällt“.

Zwar hat das Archiv, so Brüdermann, in Kooperation mit dem Bückeburger Unternehmen Neschen ein Verfahren entwickelt, wie solche Papiere entsäuert werden können, doch sei diese recht „aufwendig“. Das Landesarchiv setzt am hiesigen Standort daher weiterhin auf die gängige Maßnahme, die jeweiligen Dokumente in säurefreie Umschläge zu verpacken und diese anschließend in Kartons einzulagern. „Wichtig ist die Haltbarkeit, nicht der schnelle Zugriff“, betonte der Historiker.

Akteneinsicht erst 30 Jahre nach Bearbeitung

Angedacht ist, die Digitalisate künftig auch online zur Verfügung zu stellen, wobei hinsichtlich der Veröffentlichung von Dokumenten diverse Schutzrechte zu beachten sind: „Eine Akte darf erst 30 Jahre nach der letzten Bearbeitung eingesehen werden.“ Und wenn es – etwa bei Gerichtsakten – um Personen gehe, sogar erst zehn Jahre nach deren Tod oder 100 Jahre nach deren Geburt.

Seitens der Staatsanwaltschaft Bückeburg werden dem Regionalarchiv jährlich 100 Meter Akten zur Archivierung angeboten, verriet Brüdermann. Davon übernehme man jedoch nur rund einen Meter. Wie überhaupt im Schnitt nur ein bis zwei Prozent der von Behörden offerierten Akten Eingang ins Archiv finden. wk

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