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Sagenhaftes Schaumburger Land

Neues Buch Sagenhaftes Schaumburger Land

 Feen, Räuber und Hexen – im neuen Buch von Frank Suchland (Titel: „Der Kobold in der Mühle – Die schönsten Sagen rund um das Schaumburger Land“) geht es überaus phantastisch zu.

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 Frank Suchland (von links) mit Grafikerin Anne Rikta Grobe und Pianist Stephan Winkelhake.

Quelle: mig

Bückeburg (mig). Von Mordtaten ist da genauso die Rede wie von eifrigen Mühlentrollen und Schneidergesellen, und doch: Märchenhaft sind die Geschichten, die Suchland in dem 64-seitigen Band versammelt hat, keineswegs. Vieles enthalte ein Körnchen Wahrheit, sagte der Autor, als er unlängst sein Werk im Rahmen der vom Kulturverein veranstalteten Reihe „Poesie am Nachmittag“ vorstellte. So ist die Geschichte von der 16-Jährigen, die als Hexe ermordet wird, wohl wirklich keine Erfindung, wie Suchland anmerkt. Eine Sage kann fiktive Elemente enthalten, sie ist aber auch das „Ge-Sagte“, das von Generation zu Generation weiter überliefert wird.

 Man muss sich Suchland wohl als einen aufmerksamen Betrachter vorstellen. Während manch einer achtlos an der „Burglinde“ der Schaumburg vorübergeht, fängt Suchland an, Fragen zu stellen. Wie alt diese Linde wohl ist? Was hat sie wohl alles miterlebt? Über 700 Jahre soll sie alt sein – und damit hat sie möglicherweise auch einen Hexenprozess miterlebt, der so traurig ist, wie alle Hexenprozesse traurig sind. Dass diese Geschichte, die Suchland neu erzählt, noch trauriger ist, liegt wohl am Alter des armen Mädchens, das hier zu Tode kommt. 16 Jahre ist sie, die Katharina, ein junges Ding, das den Menschen gerne hilft. Dann kommt Unglück über das Dorf: Die Ernte ist vernichtet, das Vieh leidet unter der Klauenseuche. „So viel Unglück war den Menschen unverständlich“, schreibt Suchland. Und: „Da konnte nur der Teufel seine Hand im Spiel haben.“ Es ist eine alte Frau, die als Erste einen Verdacht äußert: „Die Katharina hat Zauber gemurmelt und mir die Hühner verhext.“ Dabei wusste das ganze Dorf, dass die Hühner der Alten längst legemüde waren. Nichtsdestoweniger war es „recht angenehm, einen Grund“ für all das hier zu wissen. Und so kommt, was kommen muss: erst die Folter und dann der Tod bei einem „Gottesurteil“: Katharina soll in einen See geworfen werden. Man will sehen, ob sie über Wasser bleibt (dann ist sie eine Hexe) oder nicht (dann ist sie tot). Als man sie zum See bringt, pflückt Katharina einen Zweig von der Linde und sagt: „So gewiss, wie diese Linde grünen und blühen wird, so gewiss bin ich unschuldig.“ Das Mädchen ist tot, aber „der kleine Lindenzweig vor dem Tor der Schaumburg, der grünte und wuchs und streckte sich Jahr für Jahr der Sonne entgegen und wurde ein Baum. Und noch heute kann man ihn da betrachten und – wer will – ein kleines Zweiglein abbrechen und sich an die Zeiten finsteren Aberglaubens erinnern.“

 Natürlich sind es nicht nur traurige Geschichten, die der 64-seitige Band Kindern und Erwachsenen zu bieten hat. Da gibt es lustige Geschichten, von Riesen und Werwölfen. Und es gibt Geschichten, die mehr oder minder gut ausgehen (Die Tienke Meume). Es sind Geschichten aus der „guten alten Zeit“, von Riesen und Drachen, von Rittern und Elfen. Manchmal ein bisschen unheimlich, immer aber spannend und lehrreich. Oder hätten sie gewusst, dass der Schneiderstein von Nienstädt von einem Schneider gestiftet wurde? Der war von einem Gesellen angegriffen worden und hatte sich nur mit großer Mühe verteidigen können. Der Stein (mit Schere) war dem Andenken an den Angreifer gewidmet, aber auch dem Gastwirt auf St. Annen, der ihn hernach gesund gepflegt hatte.

 Richtig lustig ist die „Geschichte von den Schaumburger Riesen“. Die nutzen die Nordsee als Badewanne, und dort spielen sie auch Schiffeversenken. Als sie dann die spaßige Idee haben, ein Gebirge zu schaffen, fallen ihnen ein paar Steine aus der Schubkarre: „Das sind die Rehburger Berge.“ Und als einer der Riesen im Morast stecken bleibt, entsteht in dem Loch „das Steinhuder Meer“. Selten so gelacht! Etwas trauriger ist die Geschichte von der Tienke Meume, die zwar für das Ehepaar gut ausgeht (der Mann war mit einer Zwergin fremdgegangen), das Geschlecht aber war durch einen Fluch ausgelöscht. Illustriert werden all diese neu erzählten Geschichten übrigens von Anne Rikta Grobe, die zahlreiche wunderbare Bilder gemalt hat. Vom garstigen Kobold bis hin zum Böxen-Wulf schafft Grobe Bilder, die den Zauber des Unerklärbaren und Unheimlichen gut illustrieren. Frank Suchland nennt die Zusammenarbeit „einfach großartig, da hat sofort alles gepasst“.

 Wie aber kommt man auf die Idee, die Sagen des Schaumburger Landes aus teils nur wenigen vorhandenen Zeilen neu aufzuschreiben? Suchland erklärt das so: „Ich habe festgestellt, dass die schönsten Schaumburger Sagen immer weniger bekannt sind.“ Das habe er sehr schade gefunden, „weil diese Sagen zu unserem Kultur- und Heimatgut gehören.“ Viele Geschichten seien auch schwer zu finden gewesen, „und wenn, dann waren sie oft in einer bedächtigen, manchmal sogar unverständlichen Sprache aufgezeichnet worden. Da habe ich mir gedacht, das müsste man in die heutige Zeit bringen und das eine oder andere dazu schreiben.“ Das ist Suchland bestens gelungen. Wer den Sagenschatz des Schaumburger Landes kennenlernen will, sollte zu diesem Buch greifen. Bezugsquelle:

 Das Buch ist ab dem 1. Dezember überall im Buchhandel erhältlich: Suchland, Frank: „Der Kobold in der Mühle. Die schönsten Sagen rund um das Schaumburger Land.“ Mit farbigen Illustrationen von Anne Rikta Grobe, Hardcover mit Fadenheftung und Lesebändchen, 64 Seiten, ab 8 Jahren, ISBN 978-3-9813327-7-3, Preis: 11,90 Euro. Unterstützt wird der Druck von der Sparkasse Schaumburg.

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