Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Schirmherr hängt in Südamerika fest

Interkontinentalflug verpasst Schirmherr hängt in Südamerika fest

Es ist schwül und heiß. 30 bis 35 Grad. Der Schweiß rinnt in Strömen. Die Sonne brennt, der Staub in unseren Kehlen auch. Seit ein paar Stunden sind wir zu Fuß in den Slums von Mount Lavinia unterwegs. Fensterlose Holzhütten, grob zusammengezimmert aus ungehobelten Brettern, stehen rechts und links der Eisenbahnschienen, die die Hauptstadt Colombo mit Galle im Süden verbinden.

Voriger Artikel
Echtes Hör-Erlebnis
Nächster Artikel
Zweiter Anlauf für Regioport

In den Slums von Mount Lavinia treffen Michael Görbing, Stefan Golze und Ulrich Behmann (von links) an den Bahnschienen die kleine Situmani (rechts). In einem Verschlag, der so groß ist wie ein Wohnwagen, hausen hier zehn Menschen.

Quelle: pr.

Bückeburg/Colombo. Es ist gefährlich, hier zu gehen. Es stinkt nach Müll, Fäkalien und Fäulnis. Züge rumpeln im Minutentakt hupend an uns vorbei. Erst vor ein paar Tagen sind ein Vater und seine kleine Tochter von einer Lok erfasst und getötet worden.

Wir kennen den Weg, der zum Verschlag führt, in dem Situmani (10) lebt. Das kleine Mädchen hatte sich vor drei Jahren mit einem Messer schwer verletzt. Drei Operationen waren nötig, um das noch vorhandene Augenlicht zu retten – organisiert und bezahlt von Interhelp aus Hameln und von Alexander zu Schaumburg-Lippe aus Bückeburg. Der Schirmherr der Hilfsorganisation war schon oft in diesem Elendsviertel.

Dort hat er Situmani kennengelernt, schon viele gespendete Brillen vermessen und an die Ärmsten der Armen verteilt. Diesmal wartet das kleine Mädchen vergeblich auf den 56-jährigen Bückeburger. Der ehrenamtliche Helfer sitzt fest – irgendwo in Südamerika. Mehr als 15000 Kilometer entfernt. „Ein Inlandsflug ist gestrichen worden.

Mein Chef hat deshalb den Interkontinentalflug nach Frankfurt verpasst“, erklärt Gabriele Schönbeck, seine persönliche Assistentin. So schnell komme er dort nicht weg. Ob Alexander zu Schaumburg-Lippe noch rechtzeitig auf Sri Lanka eintreffen wird, steht in den Sternen.

Situmani freut sich, als sie die ehrenamtlichen Helfer wiedersieht. Sie weiß: Den Deutschen hat sie es zu verdanken, dass sie nicht erblindet. Eine mit Spenden angeschaffte Spezialbrille, die das Kind seit einer Woche trägt, soll das verhindern.

„Wir überlegen, ob wir die Kleine und ihre Mama nach Deutschland holen, um ihre schwere Verletzung von Spezialisten untersuchen und behandeln zu lassen. Das aber hängt davon ab, ob es aus medizinischer Sicht Sinn macht und finanzierbar ist“, meint Ulrich Behmann, Vorsitzender von Interhelp. Ohne Spenden für Flug und Unterkunft und die Bereitschaft einer Klinik, das Kind unentgeltlich zu behandeln, wäre das kaum möglich.

Interhelp-Mitglied Stefan Golze kann es kaum fassen: „In einem Verschlag, der so groß ist wie mein Wohnwagen, leben hier zehn Menschen“, sagt der Unternehmer, der auf eigene Kosten nach Sri Lanka gereist ist. Anfang der Woche wollte sich das Hilfsteam mit Situmanis Augenarzt in Colombo treffen und mit ihm das weitere Vorgehen sprechen. Doch erst einmal warten noch viele weitere kleine und große Patienten auf uns.

23 Stunden hat die Reise von Deutschland bis hierher gedauert – und wir sind noch nicht einmal am Ziel: Am Freitagmorgen ging es weiter in den vom jahrzehntelangen blutigen Bürgerkrieg gezeichneten Nordosten des Landes. Soldaten der Sri Lanka Air Force fliegen uns hin. 1600 Brillen müssen verteilt werden, weitere von Interhelp und „mfs“ gebaute Häuser an Familien übergeben werden.

Im Süden ist das medizinische Hilfsteam aus Hameln schon seit knapp einer Woche im Dschungel-Einsatz. Notfall-Krankenschwester Regina Gilke, Lehrrettungsassistent Reinhold Klostermann, der Privatdozent Franz-Josef Vonnahme und zwei einheimische Ärzte, die im Auftrag von Interhelp und „mfs“ Menschen in Not helfen und nicht selten vor dem sicheren Tod retten, schuften von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang.

In einem Tempel wurde der 1000. Patient versorgt. Auch das fünfköpfige Notarzt-Team leidet unter der Hitze. „Jeder von uns trinkt über den Tag verteilt sechs bis acht Liter Wasser“, sagt Einsatzleiter Klostermann. „Die Arbeit ist schwer und entbehrungsreich, aber wir machen sie gern. Das Lächeln der Kinder und die große Dankbarkeit der Menschen hier, das ist unser Lohn für die Strapazen.“ Görbing

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg