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Schlusspunkt und Höhepunkt zugleich

Konzert Schlusspunkt und Höhepunkt zugleich

Dass in der Stadtkirche die „Weihnachtshistorie“ von Heinrich Schütz auf dem Spielplan gestanden hat, mag den einen oder anderen gewundert haben. Eine „Weihnachtshistorie“? Im neuen Jahr?

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Musiker und Sänger präsentieren sich in Top-Form.

Quelle: mig

Bückeburg. Tatsächlich ist diese Verwunderung eher ein Indiz dafür, dass die ursprüngliche Dauer des Weihnachtsfestkreises der Kirche etwas in Vergessenheit gerät, denn eigentlich endet die Feier der Geburt Christi erst am 6. Januar. „Epiphanias“ heißt dieser Tag im Gottesdienst-Kalender. Wer es ganz genau nimmt, kann die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar, dem Fest Lichtmess, verlängern. In manchen Kirchen wird die Krippe bis heute erst an diesem Tag abgebaut.
Das Konzert der „Capella Nova – Kantorei der SELK“, des „Barock Ensembles Bremen“ und der Solisten Marie Luise Werneburg (Sopran) und Mirko Ludwig (Tenor) – Motto: „Die Geburt unseres Erlösers und Seligmachers“ – war also keineswegs aus der (Weihnachts-)Zeit gefallen. Man sollte es vielmehr als eine Art Schlusspunkt verstehen, ein Ausrufezeichen, das den Jubel über die Geburt Christi noch einmal betont.
Entsprechend war auch das Programm ausgelegt, das außer der „Weihnachtshistorie“ von Schütz und dem „Magnificat“ aus der Marienvesper von Claudio Monteverdi auch Motetten von Giovanni Gabrieli – eine spannende und in sich stimmige Auswahl, wie sich schnell zeigte.
Den Anfang macht dabei die „Weihnachtshistorie“, die mit dem feierlichen Chor „Die Geburt unseres Herrn Jesu Christi“ beginnt. Die „Capella Nova“ ist dem Werk jederzeit gewachsen. Der Gesang ist kraftvoll, frisch und präzise, der Klang klar und transparent. Der Text, der bei Schütz immer eine wichtige Rolle spielt, ist bis in die letzte Sitzreihe gut zu verstehen. Ein ebenso großes Lob verdient das Orchester, das, bestehend aus Musikern des „Barock Ensembles Bremen“, vor allem durch eine dezente und ausgewogene Begleitung gefällt. Elegant und feinsinnig: So lässt sich das Spiel der Musiker (darunter Violinen, Gamben, Posauen, Trompeten, Blockflöten und Basso Continuo) wohl am besten zusammenfassen.
Der zweite große Chor der „Weihnachtshistorie“ ist ein durchsichtiger, vielgliedriger Lobgesang, der ganz zart beginnt und sich langsam steigert. Fast ätherisch kommt der Gesang des Engels (gesungen von Marie Luise Werneburg) daher. Den Hirten wird an dieser Stelle die Geburt Christi verkündet. Strahlend und festlich braust dann der mächtige Schlusschor durchs Kirchenschiff: „Dank sagen wir alle Gott“ hallt es durch den Raum. Schütz’ „Weihnachtshistorie“, das hat dieser Abend einmal mehr deutlich gemacht, ist ein direkter Vorläufer von Johann Sebastian Bachs prächtigem „Weihnachtsoratorium“.
Ein Wort zu den Solisten des Abends: Marie Luise Werneburg (Sopran) macht ihre Sache ausgezeichnet. Ihr heller leuchtender Sopran passt gut zur Stimme des Engels, den sie verkörpert. Ebenfalls bestens aufgelegt ist Tenor Mirko Ludwig, der den Evangelisten singt und dem selbst Koloraturen in den höchsten Lagen keine Probleme bereiten.
Den Schlusspunkt an diesem Abend setzt das „Magnifikat“ von Monteverdi, ein weiteres Highlight. Die „Marienvesper“ zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der Sakralmusik vor Bachs h-Moll-Messe und könnte wie diese ursprünglich eher als Sammlung denn als zusammenhängendes Gesamtwerk gedacht gewesen sein. Die Form besticht bis heute. Monteverdi vereint in diesem Werk die klassische Form der Messe mit der der Vesper. Damit ist die „Marienvesper“ nicht nur ein Meilenstein in der Kirchenmusik, sondern ein Werk, das zwischen zwei Polen oszilliert: Andacht und Jubel, Geistlichkeit und barocke Prachtentfaltung. Monteverdi tritt aus dem Kirchenraum hinaus ins Freie: ein spannendes Werk und eine spannende Aufführung.
Modern ist auch die Kompositionstechnik: Monteverdi kombiniert in der „Marienvesper“ Melodie, Monodie, Polyphonie und Rhythmik zu affektreichen und spanungsvollen Passagen. Marie Luise Werneburg singt den Lobgesang Marias (nach der Ankündigung der Geburt Jesu) sensibel und tief berührend.

Von Michael Grundmeier

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