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Schmelztiegel für Melodien und Tonarten

Krishn Kypke - ein Vollblutmusiker Schmelztiegel für Melodien und Tonarten

Was hat dieser Krishn Kypke nicht alles zu erzählen: von seiner Reise nach Indien und seinem Unterricht an der Sitar. Vom Trip an den Ganges und seiner Suche nach der schärfsten Schärfe, dem „Indian spice“. Im Schloss Baum spinnt Kypke ein Netz aus Geschichten und Musik, fast wie in einem orientalischen Märchen.

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 Es sind die unterschiedlichen „Saiten der Welt“, die es Krishn Kypke angetan haben.

Quelle: mig

Bückeburg. Es sind die unterschiedlichen „Saiten der Welt“, die es Kypke angetan haben. „Ich war schon immer neugierig auf Kulturen“, sagt Kypke im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor allem die Vielzahl an (Saiten-)Instrumenten begeistert ihn. Da ist die Langhalslaute aus Usbekistan, ein ungeheuer schmales, fast zierliches Instrument, dem er leicht schnarrende, rhythmisierende Klangfolgen entlockt. Und da ist die Sitar, ein Instrument aus Indien, das in Deutschland wohl jeder kennt. „Wenn ich die raushole, kriegen die 68er alle ganz feuchte Augen“, meint Kypke schmunzelnd. Was sich aus diesem – elektronisch verstärkten – Gerät an Tönen herausholen lässt, ist wirklich außerordentlich und klingt hier und da tatsächlich ein wenig nach „German Krautrock“.

 Überhaupt ist es spannend zu sehen, wie sich bei Kypke westliche und östliche Einflüsse mischen und zusammen etwas ganz Neues ergeben. Kypke, der musikalische Weltenbummler, wird so zum Schmelztiegel für Melodien und Tonarten. Spannend auch: die Technik, die Kypke nach Schloss Baum mitgebracht hat. Immer wieder spielt er Soundschnipsel in einer Endlosschleife und baut seine Kompositionen über diesem Grundgeräusch auf (etwa vom „Ganges um 6.30 Uhr morgens“). „Man hört, dass da jetzt schon richtig viel los ist“, erläutert Kypke den Zuhörern. Mindestens genauso spannend sind die Geschichten, die der Weltreisende zwischen den Liedern zu erzählen hat. Kypke hat Gegenden bereist, die ein Pauschaltourist eher selten zu Gesicht bekommt: Indien, Usbekistan oder Malaysia. „Als ich in Indien ankam, war das ein Kulturschock“, lässt Kypke seine Gäste wissen. Es sei dort alles anders gewesen, „und der mitteleuropäische Wille muss erst einmal gebrochen werden, bevor er neu aufgebaut werden kann“. Ein Beispiel für dieses „Anderssein“: „Die Menschen waren ungeheuer lieb, aber sie standen grundsätzlich ganz nah an mir dran, und so haben mich dann fünf oder sechs Leute mit Tausenden von Fragen bombardiert.“

 Und auch der Ort war Kypke zunächst nicht ganz geheuer. „In Baranasi sterben die Inder gerne, weil es passieren kann, das man hier gleich ins Nirvana kommt“, so der Weltenbummler. Das habe es mit sich gebracht, dass einige Meter neben einem „Totenplatz“, an dem Leichen verbrannt werden, Tee verkauft oder Wäsche gewaschen wird. „Das war schon gewöhnungsbedürftig“, erinnert sich Kypke an die ersten Tage.

 Und dann waren da die schönen, fast unglaublichen Zufälle, die Kypke erlebt hat. Denn als er sich die Menschenmenge anschaute, kam ein alter Mann, der ihn von hinten mit den Worten „Hello, I am a Sitar Teacher, looking is for free“ ansprach. Kypke ging mit ihm mit und erlebte gleich zwei Überraschungen. „Die erste war, dass es tatsächlich ums Sitarlernen ging, und die zweite, dass der angegebene Preis stimmte.“ Vor allem Letzteres sei in Indien sonst fast nie vorgekommen.

 Dass es nicht immer gut ist, das zu bekommen, was man will, lernte Kypke, als er in einem kleinen Restaurant ein Gericht „indian spicy“ (also sehr scharf) bestellte. Der Wirt weigerte sich zunächst, die Bestellung auszuführen, weil frühere Kunden danach einfach weggeblieben seien. Als das Gericht endlich serviert wurde, „flog mir fast die Schädeldecke weg, so scharf war das“. Er habe das Gericht aber ganz aufgegessen, „weil ich den Wirt ja so lange damit genervt hatte“. Das Resultat: „Am nächsten Tag bin ich in ein anderes Restaurant gegangen.“

 Übrigens: Reisende, die auch dann ein Bier trinken wollen, wenn es – etwa wegen eines Tempels – nicht erlaubt ist, sollten nach einem „special tea“ fragen und dabei zwinkern, rät Kypke: „Die Bedienung weiß dann schon Bescheid. Ich saß mal in einem Restaurant, wo am Tisch neben mir Polizisten saßen und ‚special tea‘ getrunken haben.“ All diese und viele andere Reiseerlebnisse hat Kypke in einem schönen Lied mit dem Titel „Travelling“ zusammengefasst.

 Besonders schön: ein Blues über eine lange Zugfahrt ohne Toilette. Da Kypke die von den anderen Fahrgästen bevorzugte Gelegenheit (neben den Gleisen) nicht benutzen wollte (oder konnte), sei er langsam immer grüner im Gesicht geworden: „Bis ich ein paar Imodium-Tabletten genommen habe, danach musste ich nicht einmal mehr müssen.“ mig 

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