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„Schneekönigin“ verzaubert den Rathaussaal

Bückeburg „Schneekönigin“ verzaubert den Rathaussaal

Christian Berg hat Hans-Christian Andersens „Schneekönigin“ auf die Bühne des Rathaussaals gezaubert

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Kay (Mario Klampfl) fällt in die Hände der bösen Schneekönigin (Valerija Laubach).

Quelle: jp

Von Johannes Pietsch

Bückeburg. Dass Christian Berg den Rathaussaal schon seit Jahren liebevoll „sein Wohnzimmer“ nennt, ist bekannt. In diesem Jahr muss er sich darin besonders wohl gefühlt haben, so begeistert, wie das Publikum dort auf seine Inszenierung von Hans Christian Andersens „Schneekönigin“ reagierte. Erneut ist es dem Cuxhavener Bühnen-Magier und Regie-Tausendsassa bravourös gelungen, aus einer bekannten Vorlage zwei Stunden ebenso fantasievolles und ideenreiches wie turbulentes und unterhaltsames Familien-Entertainment auf die Bühne zu zaubern.

 Zwei Vorstellungen zu Jahresbeginn, beide restlos ausverkauft – das ist bei Christian Bergs Bückeburg-Besuchen seit 2001 obligatorisch. Ganz und gar nicht selbstverständlich ist jedoch, dass der vor allem bei Kindern so beliebte Regisseur, Autor und Darsteller im 16. Jahr überhaupt wieder in der Fürstenresidenz gastierte. Denn vor einem Jahr nahm der gebürtige Bad Oeynhausener, dessen Stücke zu den meistgespielten Familien- und Kinder-Musicals in Europa zählen, mit der letzten Vorstellung von Michael Endes „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ im Rathaussaal nicht nur Abschied von seinem beliebtesten Bühnenwerk, sondern auch als Produzent von Tournee-Theater seinen Hut, um mit der Inszenierung von Charles Dickens‘ „Oliver Twist“ am Harburger Theater beruflich zu neuen Ufern aufzubrechen.

 Im November 2015 folgte dann „Die Schneekönigin“ am „Winterhuder Fährhaus“. Und es dürfte vor allem der Hartnäckigkeit von Veranstalter Andreas Steuer aus Obernkirchen zu verdanken sein, das sich das 1988 gegründete Komödienhaus zu einem Ausflug von der Alster nach Bückeburg bewegen ließ – dem einzigen in ganz Deutschland. Erst im Oktober gab es grünes Licht für die Rückkehr von Christian Berg in den Rathaussaal. Mit dem deutschlandweit einzigen Gastspiel des Musical-Zauberers außerhalb Hamburgs hat die Fürstenresidenz nunmehr ein Alleinstellungsmerkmal mehr.

 „Jim Knopf“, „Oliver Twist“ oder „Peter Pan“ – Christian Berg hat es sich zur Leitlinie gemacht, nur Stücke zu inszenieren, zu denen eine literarische Vorlage existiert. Bei Andersens „Schneekönigin“ ist dies eine der berühmtesten und schwierigsten: Denn das im 19. Jahrhundert von dem dänischen Volksdichter verfasste Kunstmärchen ist im Original alles andere als leichte Kost, sondern eine düstere Allegorie über die Konfrontation von menschlicher Herzenswärme und eisiger kristalliner Gefühlskälte, in der es vor bedrückenden, grausigen und trostlosen Momenten nur zu wimmelt. Selbst ein richtiges Happyend ist dem Mädchen Gerda, das nach langen Irrwegen seinen Freund Kay aus der Gefangenschaft der Schneekönigin befreit, nicht vergönnt: Denn als die beiden endlich wieder daheim ankommen, sind sie erwachsen, ihre Kindheit unwiederbringlich verloren.

 Nicht so jedoch bei Christian Berg: Sein schwungvoll launiges „Nimms mal positiv mit ’nem Lächeln im Gesicht“, das er nicht nur seine Darsteller anstimmen ließ, sondern auch einmal das komplette Publikum dazu dirigierte, könnte synonym über seiner ganzen Andersen-Interpretation stehen. Einmal mehr ist es ihm dabei gelungen, aus einem zahlenmäßigen Minimum an Ensemble ein Maximum an Inszenierung herauszuholen. Stammspielerin Alexandra Kurzeja ist dabei als wunderbar tapfere, unerschrockene und aufopferungsbereite Gerda zu erleben, die nichts unversucht lässt, ihren Freund Kay (Mario Klampfl) zurückzugewinnen. Die Hamburgerin Valerija Laubach gibt dem gegenüber eine beeindruckend imposante und frostklirrend gravitätische Schneekönigin. Christian Berg selbst macht sich den Spaß, als wenig höllischer sondern vielmehr äußerst gestresster und problemgeplagter Teufel – der in der literarischen Vorlage den entscheidenden Spiegel verliert, dessen Scherbe die unheilvollen Geschehnisse in Gang setzt – durch das Stück zu spuken. Ein Geniestreich ist der Inszenierung mit der Verpflichtung des Musical-Stars Petter Bjällö („Die Schöne und das Biest“) gelungen, der als Großmutter, Rabe, Räuber, Rentier und vor allem als „Der Winter“ eine hinreißende Performance bietet. Und es bedarf des grenzenlosen Einfallsreichtums eines Christian Berg, um aus einer aufblasbaren Flugzeugrutsche das Bühnenbild für die Inszenierung zu zaubern.

 Nächstes Jahr wieder? Ganz bestimmt! Dann möchte der Meister mit Oscar Wildes „Gespenst von Canterville“ in den Rathaussaal zurückkehren.

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