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Schüler als Paten für Flüchtlingsfamilien?

Bückeburg Schüler als Paten für Flüchtlingsfamilien?

Die Besucher, die den Weg ins Gymnasium Adolfinum gefunden hatten, waren zwar willkommen, aber nicht die eigentlich anvisierte Zielgruppe. Mit der Einladung zu einem „Politischen Talk“ zum Thema „Wie kann die Integration von Flüchtlingen gelingen?“ hatte das ausrichtende Jugendforum Bückeburg nämlich in erster Linie Jugendliche erreichen wollen.

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Awo-Integrationsmanager Stephan Hartmann (links) mit Moderator Pastor Jan-Uwe Zapke.

Quelle: wk

Bückeburg. Und zwar mit dem Ziel, die Heranwachsenden zu mobilisieren, sich in irgendeiner Form für die in der Stadt lebenden Flüchtlinge zu engagieren.

Welche Möglichkeiten im Einzelnen bestehen und was sinnvoll ist, sollte im Rahmen dieser Podiumsdiskussion erörtert werden, bei der Bürgermeister Reiner Brombach (SPD), Gunter Feuerbach (Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion), Stephan Hartmann (Integrationsmanager beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt) und die als Islamkritikerin bekannte promovierte Sozialwissenschaftlerin und Patin des Adolfinums Necla Kelek auf der Bühne saßen.

Tatsächlich gekommen waren indes gerade mal rund 60 Teilnehmer, davon nur rund ein Dutzend Jugendliche. Insofern blieb die Veranstaltung weit hinter den Erwartungen zurück, wie der Gymnasiallehrer und Mitorganisator Björn Riemer später im Gespräch mit unserer Zeitung einräumte. Vielleicht gebe es in Sachen Flüchtlingshilfe seitens der jungen Leute einfach zu große „Berührungsängste“, versuchte er sich in der Ursachenforschung. Dabei fing die Veranstaltung inhaltlich vielversprechend an: „Die Integration von Flüchtlingen ist für mich gelungen, wenn…“, formulierte der evangelische Pastor Jan-Uwe Zapke, der die Moderation übernommen hatte, den ersten Teil eines Satzes, den die vier „Promis“ aus ihrer Sicht vervollständigen sollten.

Die sei der Fall, wenn „alle Flüchtlinge und zugewanderten Menschen hier genauso teilhaben und partizipieren können wie alle anderen auch“, erklärte Hartmann. Das Gefühl, sich in Deutschland heimisch zu fühlen, eine gleichberechtigte Teilhabe und das Beherrschen der deutschen Sprache sah Feuerbach als Maßstab an, während Kelek davon sprach, dass eine gelungene Integration unter anderem voraussetzt, dass sich Flüchtlinge mit der Stadt, in der sie leben, auch identifizieren.

Auf Zapkes Frage, wie denn die „Willkommenskultur“ in Bückeburg aussehe, merkte Brombach an, dass die Flüchtlinge „den Schock, ihre Heimat verlassen haben zu müssen,“ ebenso mitbringen wie „die Hoffnung, hier ohne Sorgen leben zu können“. Seitens der Stadt sei man aber auch mit Blick auf die Anwohner von Flüchtlingsunterkünften „bemüht, Ängste zu versachlichen und zu zerstreuen“.

Als Antwort auf eine von Teilen der Bevölkerung empfundene „große Angst vor Parallelkulturen“ (Zapke) empfahl Kelek, Möglichkeiten für interkulturelle Begegnungen zu schaffen, sich mit Flüchtlingen über die deutsche Kultur auszutauschen und insbesondere für Frauen und Mädchen „Integrationskurse“ auszurichten.

Auf einen kritischen Einwurf einer Zuhörerin, die ein zu geringes Angebot an Sprachkursen und fehlende Kindergartenplätze für Flüchtlingskinder bemängelte, konterte Brombach, man könne nicht erwarten, „dass Flüchtlinge vom ersten Tag an einen Kindergartenplatz bekommen“. Und was die Sprachkurse betrifft, so hätten die bestehenden ehrenamtlich getragenen Angebote bisher ausgereicht.

Was bei der ganzen Diskussion nicht heraus kam, waren konkrete Vorschläge, wie Bürger oder Jugendliche den Flüchtlingen helfen können. Und so war es am Ende Lehrer Björn Riemer, der anmerkte, dass sich Schüler beispielsweise zum Fußballspielen mit Flüchtlingskindern treffen könnten, woraufhin Hartmann den Gedanken weiterspann, dass Schüler „Patenschaften“ für Flüchtlingsfamilien übernehmen könnten, etwa, um deren Kinder zum Schwimmen mitzunehmen.

Bleibt die Feststellung von Bürgermeister Reiner Brombach, dass die Integration von Flüchtlingen nur gelingen kann, „wenn auf beiden Seiten der Wille besteht, Menschen zu integrieren und teilhaben zu lassen“. wk

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