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Schüler dürfen mit den Füßen abstimmen

Bückeburg Schüler dürfen mit den Füßen abstimmen

„Der Ortsvorsteher strahlt, und die Kinder und Eltern freuen sich.“ Das ist die erste spontane Reaktion von Gerhard Heinrichsmeier auf das Resultat eines Ortstermins des Schulausschusses im Gewerbegebiet Kreuzbreite gewesen.

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Bürgermeister Reiner Brombach (von rechts) und Ausschussvorsitzender Thorwald Hey präsentieren in der Kreuzbreite einen Plan der in der Diskussion stehenden Busroute.

Quelle: bus

Bückeburg. Bückeburg (bus). Grund für das Strahlen des Müsinger Ortsvorstehers war das Übereinkommen des Ratsgremiums mit Vertretern des Landkreises, den Müsinger Schulkindern eine innerörtliche Bushaltestelle anzubieten. „Endlich“, lautete Heinrichsmeiers zweite Reaktion.

 Die Haltestellen-Situation hatte in Müsingen seit 2010 die Gemüter erregt. Bislang stand den Schulkindern lediglich ein Busstopp an der Hans-Neschen-Straße zur Verfügung. Der Weg dorthin sei zu weit und mit vielen Gefahren versehen, hatten die Bewohner geklagt. Jetzt soll nach den Osterferien probehalber zusätzlich die Haltestelle „Müsinger Straße“ angefahren werden. Ob der Etappenerfolg Heinrichsmeiers zu einer dauerhaften Lösung der Problematik führen wird, ist allerdings noch nicht ganz sicher. Im anschließend in der Grundschule Meinsen tagenden Ausschuss war mehrfach der Begriff „Abstimmung mit den Füßen“ zu vernehmen. Das soll heißen: Die Neuregelung wird nur dann fester Bestandteil des Fahrplans, wenn die Mädchen und Jungen von ihr Gebrauch machen.

 Knackpunkt könnte sein, dass die Haltestelle „Müsinger Straße“ rund 20 Minuten früher angefahren werden wird als der nur rund 300 Meter entfernt liegende Stopp an der Hans-Neschen-Straße. Dieser Umstand liegt in der etwas komplexen Organisationsform des Schaumburger Schülertransports begründet. Auf der in der Diskussion stehenden Strecke, die von Achum über Rusbend, Warber, Meinsen und Scheie ins Gewerbegebiet Kreuzbreite und anschließend zum Knotenpunkt „Stadtkirche“ führt, gelten sowohl die Vorschriften des sogenannten Freistellungsverkehrs als auch die des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). „Beide Verkehre gehen von unterschiedlichen Rechtspositionen aus“, erläuterten Gudrun Holstein und Friedrich-Wilhelm Dehne vom Kreisamt für Schulen, Sport und Kultur während des Ortstermins.

 Der ÖPNV muss sich an vorgeschriebene und von der Niedersächsischen Nahverkehrsgesellschaft genehmigte Fahrtrichtungen und Fahrtzeiten orientieren. „Jeder Nutzer hat ein Recht darauf, dass die Fahrpläne eingehalten werden“, betonte Amtsleiter Dehne. Der „Freistellungsverkehr“ muss diese Vorgaben nicht einhalten. „Er ist unter anderem bedarfsgerecht für die Kinder, die zur Förderschule nach Obernkirchen müssen, eingerichtet worden“, ergänzte Holstein. Ein wenig kurios für Außenstehende ist die Tatsache, dass sich die unterschiedlichen Rechtspositionen auf ein und dasselbe Fahrzeug beziehen. „In einem Bus gelten also zwei Rechte“, merkte Ausschussvorsitzender Thorwald Hey mit Blick auf die „verschlungenen Wege bis zur Stadtkirche“ an.

 Dehne legte den Ausschussmitgliedern dar, dass die bisherige Regelung von allen zuständigen Fachbehörden genehmigt worden sei. An der Hans-Neschen-Straße sei im Vergleich zu anderen Haltestellen keine besondere Belastung oder Gefährdung verzeichnet worden. Holstein, die tags zuvor zwei Probebefahrungen – einmal mit einem starren 15-Meter-Bus und einmal mit einem 18,5-Meter-Gelenkbus – unternommen hatte, wies auf die wenig Raum bietenden Straßenverhältnisse innerhalb Müsingens hin. „Es war verdammt eng, hinter uns stauten sich sechs bis sieben Autos.“ Zugleich erklärte sie, dass der Bus nicht zwischengeschaltet werden kann, sondern vorgeschaltet werden muss. „Wir können die bestehende Tour nicht verlängern, weil der Bus dann nicht um 7.16 Uhr passend an der Stadtkirche ist.“

 Überdies gab Holstein zu bedenken, dass sich im Fall der für das kommende Jahr ins Auge gefassten Schließung der Obernkirchener Förderschule weitere Veränderungen ergeben können.

 Dehne erinnerte an die „bemerkenswerten“ Kosten, die für die Schülerbeförderung kreisweit aufgewendet werden. „Wir haben jeden Tag 100 bis 110 große Busse im Einsatz. Jeder Schultag kostet knappe 40000 Euro.“ Der Ausschussvorsitzende Hey kommentierte die bevorstehende „Abstimmung mit den Füßen“ mit der Bemerkung: „Wir sind sehr gespannt, wie das ausgehen wird.“

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