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Sexualstraftäter geht in Revision

Springe/Bückeburg Sexualstraftäter geht in Revision

Der 54-jährige Springer, der im vergangenen Jahr wegen schwerer sexueller Nötigung verurteilt worden ist, akzeptiert das Urteil (knapp zehn Jahre Gefängnis) nicht. Die Akten liegen mittlerweile beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Der 3. Senat muss über die Revision entscheiden. Verurteilt worden war der Mann auch für eine sexuelle Nötigung, die er bereits 2002 in Bückeburg begangen hat.

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Springe/Bückeburg (rc,mari). Das Landgericht Hannover war im Herbst vorigen Jahres nach einem zehntägigen Prozess davon überzeugt, dass der Handelsvertreter zwölf Jahre lang unerkannt Sexualstraftaten beging, um „seine eigene Lust zu befriedigen“. Die Ermittlungen und die Verhandlung waren wochenlang Gesprächsthema in der Deisterstadt. Auch, weil im großen Bekanntenkreis niemand dem verheirateten Familienvater die Taten zugetraut hätte. Die erdrückende Beweislast brachte auch Delikte in der Deisterstadt ans Tageslicht. Aber nicht nur dort. Im Juni 2002 bedrohte der Springer nach Ansicht des Landgerichts eine 14-jährige Gymnasiastin in Bückeburg mit einem Schraubenzieher und missbrauchte sie im elterlichen Keller. Er gab vor, Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke zu sein. Noch beim Prozess zwölf Jahre später erlitt das Opfer einen Weinkrampf.

 Bei dem Prozess kam auch heraus, dass man dem Mann viel früher auf die Spur hätte kommen können. Zeugen hatten den Mann nach der Tat in Bückeburg gesehen und eine Täterbeschreibung abgeben können. Die Kripo erstellte nach den Angaben des Opfers und der Nachbarin ein Phantombild, das verblüffende Ähnlichkeit mit einem Tischler aus Springe aufwies. Wochen später identifizierte die Nachbarin bei einer Lichtbildvorlage bei der Polizei einen Mann als wahrscheinlichen Sextäter.

 Doch der Staatsanwaltschaft Bückeburg reichten die Beweise nicht. Der Dezernent stellte das Verfahren ein. Fünf Jahre später wurden die Ermittlungsakten geschreddert, hieß es im November 2014 im Prozess vor dem Landgericht Hannover. Nach Informationen unserer Zeitung sind die Ermittlungsakten inzwischen aber wieder aufgetaucht – sie sind digitalisiert worden und liegen vor.

 Im November 2006 bat der gelernte Tischler in einem Wald bei Sehnde eine 16-Jährige, ihm bei der Suche nach einem angefahrenen Reh zu helfen. Das verletzte Tier gab es jedoch gar nicht. Der Springer zog ein Messer und missbrauchte die Jugendliche. Todesangst stand eine ebenfalls 16-jährige Schülerin aus Springe aus, die im Oktober 2009 vom Angeklagten auf dem nächtlichen Heimweg überfallen und ebenfalls missbraucht wurde.

 Im April 2014 zerrte der 54-Jährige nachts eine 18-jährige Egestorferin vom Fahrrad. Ihr gelang es, den Angreifer abzuschütteln. Tage später wurde der Täter zu Hause in Springe verhaftet. Die Familie fiel aus allen Wolken, hatte vorher nichts mitbekommen. Der Springer kam sofort in Untersuchungshaft.

 Obwohl er das Urteil angefochten hat, sitzt er nach wie vor im Gefängnis. Das hohe Strafmaß ist auch dafür verantwortlich, dass sich der Bundesgerichtshof (BGH) und nicht erst das Oberlandesgericht (OLG) mit der Revision beschäftigen muss.

 Wie der Springer seinen Einspruch begründet, will die Sprecherin des BGH in Karlsruhe nicht sagen: „Das ist Inhalt der Akte. Darüber dürfen wir nicht informieren.“ Unklar ist auch, wann sich der 3. Senat mit dem Fall beschäftigt – es gibt keine zeitliche Vorgabe. Fünf Richter müssen die Papiere durcharbeiten. Denkbar ist, dass sie nach einem Beratungstermin zu einer Einigung kommen und ein Beschluss ergeht.

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