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Bückeburg Stadt Sieben Männlein im Walde
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00:18 16.07.2018
Beim AC/DC-Kracher „Highway to Hell“ wechseln die Multi-Instrumentalisten in den Reggae-Rhythmus. Quelle: bus
Bückeburg

„Wir haben wegen der Verlegung lange überlegt“, berichtete Hauptorganisator Albert Brüggemann. „Am Nachmittag habe ich sieben unterschiedliche Wetter-Apps mit acht verschiedenen Vorhersagen kennengelernt“, nannte der Vorsitzende des Kulturausschusses Details. Am Ende der gemeinsam mit Ratskellerwirtin Jennifer Mohme-Xhata angestellten Überlegungen habe die Einschätzung vor Ort für einen Umzug gesprochen.

Die sieben aus Hessisch-Oldendorf angereisten Musiker machten aus der vermeintlichen Not eine Tugend und ließen ihr Gastspiel dennoch vor der Marktplatzbühne beginnen. Ein frohgemutes „Tequila“ anstimmend bewegten sie sich in Marching-Band-Manier Richtung Ratssaal und hatten alsbald wie seinerzeit der Rattenfänger von Hameln etliche Neugierige im Schlepptau.

Alle Zweifel ausgeräumt

Anschließend stellten Eric Martin, Henning Brautlecht, Markus Himstedt (alle Trompete), Sascha Anderten (Baritonhorn), Stephan Anderten, Carsten Sempf (beide Posaune) und Gerrit Eckhardt (Kontrabasstuba) rasch unter Beweis, was es mit ihrem Motto „Blasmusik mal anders“ auf sich hat.

Als sie dem Eurythmics-Klassiker „Sweet Dreams“ die Polka „Kannst Du Knödel kochen?“ an die Seite stellten und dem Schuhplattler-Ländler „Haberstroh“ eine feinfühlige und zum verträumten Fingerschnippen einladende Version des Bobby McFerrin-Hits „Don’t worry, be happy“ nachkommen ließen, bestanden hinsichtlich ihrer bemerkenswerten Bandbreite keinerlei Zweifel mehr. „Wir können auch Klischees bedienen“, ließ die Kapelle wissen.

Zusätzliche Akzente setzte Sängerin Michelle Seifert, die laut Bandauskunft „keine Gastsolisten ist, sondern zu uns gehört“. Die auch in der Formation „Out of Order“ engagierte Hannoveranerin überzeugte im ersten Teil unter anderem mit Adeles „I make you feel my Love“ und der Eigenkomposition „Atome unter sich“. Im zweiten Part gab’s Applaus für „Fly me to the Moon“, „Somewhere over the Rainbow“, „Valerie“ und „Hallelujah“.

Stimmen eifrig eingesetzt

Die Bläser, die auch reichlich Rhythmusinstrumente bedienten und eifrig ihre Stimmen einsetzten, lieferten mit einer Gegenüberstellung des AC/DC-Krachers „Highway to Hell“ (im Reggae-Rhythmus) mit dem volkstümlichen Kinderlied „Ein Männlein steht im Walde“ (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben) einen weiteren Beweis für ihre schier grenzenlose musikalische Unvoreingenommenheit.

Das Männlein tauchte in sieben unterschiedlichen Versionen auf – in Big-Band-Diktion, arabisch, latin-poppig, klassisch, jazzig-swingend und (gesungen im Tonfall von Rammstein-Frontmann Till Lindemann) als Hard-Rock-Knaller. „Ein Männlein steht in Wacken“, erläuterte die Kapelle mit Blick auf das legendäre schleswig-holsteinische Heavy-Metal-Festival. Dass bei der Originalversion das von den ungewöhnlichen Klängen und dem unbändigen Spaß an der Musik faszinierte Publikum nach Kräften mit einstimmte, verstand sich da beinahe von selbst.

Der „Bühnensommer“ wird am Mittwoch, 18. Juli, ab 19 Uhr mit Gastspielen des Clowns und Seifenblasenkünstlers „Rinaldo“ und der Kapelle Route 66 fortgesetzt. „Nächste Woche werden wir mit Sicherheit besseres Wetter haben“, gab Organisator Brüggemann zu verstehen. bus