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Skurrile Begegnungen der weihnachtlichen Art

Bückeburg / Kurzgeschichten Skurrile Begegnungen der weihnachtlichen Art

Als Leser kennt man Björn Brocks vor allem von seiner martialischen Seite: In den beiden Kriminalromanen „Abnorm“ und „Grob“, beide in diesem Jahr erschienen im Verlag CW Niemeyer, lässt es der Bückeburger Autor ordentlich krachen und blutig zur Sache gehen, sei es bei der Jagd nach einem bestialischen Serienkiller („Abnorm“) oder dem Ausbruch eines Bandenkriegs zwischen zwei verfeindeten Rocker-Clans um die Vorherrschaft im hannoverschen Rotlichtviertel („Grob“).

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Björn Brocks kann auch Adventsstimmung mit seinen Geschichten erzeugen.

Quelle: jp

Bückeburg (jp). Doch der Bückeburger Autor, im Hauptberuf Polizeibeamter und Chef der Verkehrspolizei in Herford, hat noch eine ganz andere schriftstellerische Seite, wesentlich sensibler, empfindsamer und gefühlvoller, die in seinen Kurzgeschichten zum Thema Weihnachten zum Ausdruck kommt. Um in ihren Genuss zu kommen, muss man dem Autor entweder an einem seiner Vorleseabende das Ohr schenken – oder ein Kollege von ihm sein. Denn für seine Mitbeamten im Polizeidienst hat Björn Brocks seine Weihnachtsgeschichten geschrieben.

 Vier dieser weihnachtlichen Short-Stories gab es jetzt unter dem Motto „Täter vor Ort“ in der Stadtbücherei Bückeburg zu hören. Eingeladen dazu hatte der Förderverein der Stadtbücherei, dem auch die Einnahmen aus dem Abend zugute kamen, „um auch mal das eine oder andere Buch kaufen zu können, für das die arme, arme Stadt kein Geld hat“, wie die erste Vorsitzende Uta Steinhoff in ihrer Begrüßung erläuterte. Er habe damals zur Feder gegriffen, weil er seinen Kollegen einmal etwas anderes schenken wollte als immer nur die ewig gleichen Weihnachtsgrußkarten oder Präsente, erklärte Brocks. Inspirieren ließ er sich dabei von Erlebnissen in seiner täglichen Arbeit als Polizeibeamter. Mehr noch: „Ob sie es glauben oder nicht, diese Geschichten sind tatsächlich im Ansatz genau so passiert, wie ich sie schildere“, versicherte Brocks, der auf mehr als 25 Jahre im Polizeidienst zurückblicken kann. „Nur sind sie in der Realität meistens nicht so glücklich ausgegangen.“ Mittlerweile sei er im Innendienst tätig, aber als er noch auf Streifenfahrten im Einsatz war, habe er ein ums andere Mal Dinge erlebt, bei denen er und seine Kollegen sich hinterher die Augen reibend und kopfkratzend gefragt hätten: „Haben wir das jetzt wirklich erlebt oder nur geträumt?“

 Insbesondere, wenn man als Polizeibeamter das Pech hat, ausgerechnet am Heiligen Abend Streifendienst schieben zu müssen. So wie die beiden Beamten Jan und Bea, die Hauptfiguren in Brocks Weihnachtsgeschichten. Überschrieben hat er seine skurrilen, nachdenklichen, versonnenen, bisweilen aber auch hinreißend komischen weihnachtlichen Erzählungen stets mit einem sogenannten „Einsatzanlass“. Unter diesem Begriff versteht man bei der Polizei einen zentralen Code, unter dem ein bestimmter Einsatz verbucht und archiviert wird. Wie zum Beispiel „häusliche Gewalt“, zu deren Schlichtung die Beamten Jan und Bea an einem Weihnachtsabend gerufen werden und dabei ganz unverhofft, aber sehr hilfreiche Bekanntschaft mit einem metallenen Weihnachtsengel machen. Oder „Täter am Ort“, was nichts anderes heißt, als dass ein Einbruch oder Einbruchsversuch gemeldet wird und sich der mutmaßliche Täter noch unmittelbar am Tatort befindet. Nur, was tun, wenn der ein rotes Weihnachtsmannkostüm trägt, ständig „Ho, ho, ho“ wimmert und angesichts massiver Polizeipräsenz so durcheinander ist, dass er frontal gegen ein Garagentor rennt? Und wo um alles in der Welt kommt die Flasche Edelparfüm auf dem Paderborner Polizeirevier auf einmal her?

 Beim dramatischen „Verkehrsunfall mit Personenschaden“ ließ Brocks seine beiden Weihnachts-Beamten Jan und Bea Bekanntschaft mit ZZ-Top-Bassist Dusty Hill (oder einem ihm zumindest verflucht ähnlich sehenden Vertreter der Gattung Biker) machen. Und für Gänsehaut pur war bei der Kurzgeschichte „Personen auf der Fahrbahn“ gesorgt, die den Zuschauer sich die Frage stellen ließ, was wohl wäre, wenn Maria und Josef nicht vor 2012 Jahren zwecks Volkszählung nach Nazareth gereist wären, sondern heutzutage als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Paderborn. Hinweis:

 Am Donnerstag, 6. Dezember, kann man Björn Brocks wieder von seiner wilderen Seite erleben. Dann wird er um 19 Uhr im Gymnasium Adolfinum Bückeburg zusammen mit der Literaturwerkstatt der Schule seinen neuen Krimi „Grob“ vorstellen.

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