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So wichtig wie noch nie

Bückeburger Schwimmbäder So wichtig wie noch nie

„Wie, Ihr habt in Bückeburg noch ein Hallenbad?“ Die ebenso spontane wie verblüffte Erwiderung einer Geschichtsprofessorin auf die Bemerkung, dass kürzlich das Bergbad seine Saison beendete und das Dr.-Faust-Hallenbad seinen Betrieb wieder aufnahm, könnte es kaum treffender illustrieren.

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Mit viel Spaß und Disziplin werden im Dr.-Faust-Hallenbad die Abzeichenkurse absolviert.

Quelle: jp

Bückeburg. Tatsächlich leben Freizeitschwimmer, Schwimmsportler und Badenixen in Bückeburg mit seinen beiden ebenso professionell geführten wie technisch auf dem modernsten Stand gehaltenen Bädern auf einer Insel der Seligen. Und das nicht zuletzt auch und gerade durch den Umstand, dass der Fortbestand beider Einrichtungen durch das wirtschaftliche Konstrukt aus Bäder GmbH und Stadtwerken langfristig abgesichert ist.

Eine absolute Seltenheit in Deutschland. In vielen anderen Städten und Regionen sieht das nämlich völlig anders aus. Laut einer Statistik des Deutschen Olympischen Sportbundes und der DLRG wurden im Zeitraum zwischen 2007 und 2015 bundesweit 371 Schwimmbäder geschlossen – im Schnitt 46 im Jahr. Weitere 670 sind akut von Schließung bedroht.

Besonders oft traf es Hallenbäder, nämlich 223-mal. Zugleich wurden zwar auch einige wenige neue Bäder gebaut, die meisten jedoch als Kombi-, Spaß- oder Wellness-Bäder, in denen sportliches Bahnenschwimmen oder regelmäßige Schwimmausbildung nicht mehr möglich sind. Und man muss gar nicht erst so weit schauen, um sich der Leuchtturmsituation Bückeburgs bewusst zu werden: Erst vor wenigen Monaten entflammte erneut die Diskussion über die Trägerschaft des bislang in kreiseigener Hand befindlichen Rintelner Hallenbades. Und in Obernkirchen hing das Damoklesschwert noch nie so tief über dem Sonnenbrinkbad wie in diesem Sommer.

Situation spitzt sich zu

Die Situation spitzt sich inzwischen zu: Laut DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje können mittlerweile 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland gar nicht oder nicht sicher genug schwimmen. 25 Prozent aller Grundschulen haben überhaupt keinen Zugang mehr zu Schwimmbädern, und die Wartezeiten für Schwimmkurse bei privaten Vereinen und Organisationen wie der DLRG betragen in einigen Regionen bis zu zwei Jahre.

Die Gründe, die für das bundesweite Bäder-Sterben von den Kommunen angegeben werden, sind fast immer dieselben: kein Geld. Mit katastrophalen Folgen: 2016 ertranken in Deutschland 537 Menschen – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Als im Juni die Diskussion um den Zuschussbedarf des Sonnenbrinkbades in Obernkirchen entbrannte, zeigte sich auch der Vorsitzende des Kreisschwimmverbandes Schaumburg-Weserbergland, Andreas Tölke, alarmiert: Eine Schließung des Bades sei aufgrund des bereits jetzt schon eklatanten Mangels an Trainingsmöglichkeiten ein „totales No-Go“, so Tölke. „Hier geht es schlicht um die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Kinder.“

Ein Grund mehr, weshalb im Bückeburger Hallenbad Schwimmkurse derzeit so gefragt wie noch nie sind. Alle für dieses Jahr angesetzten Kinderschwimmkurse sind bereits ausgebucht, bei den Kursen für 2018 gibt es nur noch wenige Restplätze. Inzwischen rennen nicht nur Schulen dem Dr.-Faust-Hallenbad auf der Suche nach Möglichkeiten zur Schwimmausbildung sämtliche Türen ein, sondern auch Kindergärten – und das nicht nur aus der Region Bückeburg, sondern auch aus Lahde, Petershagen und darüber hinaus. Betriebsleiter Erik Rechenberg: „Es gibt dort weit und breit einfach nichts anderes mehr.“ Auch bei den Aquacycling- und Aquafitness-Angeboten bieten viele Kurse nur noch Wartelisten. Und richtig viel Geduld benötigt, wer sich auf die Warteliste vom Kraul-Anfängerschwimmkurs für Erwachsene eingetragen hat. jp

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