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Sonnenblumenbrücke soll sie heißen

Bückeburg / Fußgängerbrücke Sonnenblumenbrücke soll sie heißen

„Sonnenblumenbrücke“, so haben die Mitglieder der Straßengemeinschaft „AKKWV“ die frisch restaurierte und neu instand gesetzte Fußgängerbrücke über die Bahnstrecke getauft.

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Endlich nicht mehr getrennt: Die Nachbarn dies- und jenseits der Bahn feiern die Rückkehr „ihrer“ Brücke.mig

Bückeburg. Ihre „Wiedervereinigung“ nach mehrmonatiger Trennung feierten die Nachbarschaften – Alter Weg, Kirchbreite, Kirchbrink, Auf der Widdserburg und Vogelsangweg – mit einer bunten Eröffnungsfeier und einem Fest auf dem Gelände des Ehepaars Diekmann.

 So planmäßig wie die der Nahverkehrszug, der Punkt 18 Uhr von Bückeburg nach Minden rauschte, haben am Samstag die Eröffnungsfeierlichkeiten der Straßengemeinschaft „AKKWV“ für die neu restaurierte Fußgängerbrücke begonnen. „3,2,1,“ zählten die Gäste runter, dann machte „Brückenmeisterin“ Heide Diekmann den Weg frei für einen ersten Spaziergang zur benachbarten Widdserburg.

 Ein kleiner Tross nutzte die Gelegenheit zu einer „Erstbesteigung“ der beiden Treppen und zu einem Spaziergang nach „drüben“. „Wir haben hier einen lustigen Streit, wer links und wer rechts der Brücke wohnt“, ließ Ilona Sander wissen. Die kleine Neckerei sei Ausdruck für das sehr gute Verhältnis, das man untereinander habe. Links oder rechts, vorne oder hinten: das alles ist jetzt, wo die Anwohner „ihre“ Brücke wiederhaben, einerlei. „Wir haben uns alle sehr über die Restaurierung gefreut“, sagte Dieter Schmidt. Man habe lange auf diesen Augenblick gewartet.

 Die Brücke, so Schmidt weiter, sei ihm und allen nachbarn eine Herzensangelegenheit. Ohne Restaurierung seien die Wege in die Stadt viel zu weit und gerade Kindern und Senioren sei ein derart langer Umweg nicht zuzumuten. „Dazu kommt, dass die Straße, die sie sonst hätten nehmen müssen, viel befahren ist“, sagt Ingrid Schmidt kopfschüttelnd. Das sei vor allem für Kinder „viel zu gefährlich“.

 Es gibt aber noch einen Grund, warum sich der „AKKWV“ eine Herrichtung gewünscht hat. „Wir haben hier eine sehr gute Nachbarschaft und durch die kurzen Wege eine enge Verbindung“, meint das Ehepaar Schmidt übereinstimmend. Das wolle „keiner missen.“ Umso dankbarer sei man Gerd Pöhler, der, nachdem er erfahren hatte, das die Brücke zur Disposition steht, einen Brief an den Bürgermeister und die Fraktionen verfasst habe. „Ohne ihn wäre die Brücke heute wohl weg“, befindet ein anderer Anlieger. „Es geht immer um kosten, kosten, kosten.“

 Umso größer sei die Freude, dass die Politik in diesem Fall ein Einsehen gehabt habe. „Schön, dass man uns nicht links liegen gelassen hat“, sagt der Anwohner. Und doch gibt es schon jetzt Kritik an der neuen Brücke. Gerd Schmidt irritiert, dass am rauen Belag der Schmutz hängen bleibe. Zum anderen seien die Geräusche der Züge im Vergleich zu vorher lauter geworden. Das, sagt Schmidt, hätten auch andere Anwohner festgestellt. Eventuell, so eine Mutmaßung, seien die Gleise an der Lärmbelästigung schuld.

 Welchen Stellenwert die Restaurierung der Brücke inzwischen eingenommen hat, zeigte sich bei einem kleinen Festakt auf dem Gelände des Ehepaar Diekmann. Neben den zahlreich vertretenen Anwohnern waren auch etliche Ehrengäste gekommen - ein Zeichen, dass die Politik mit der 100000 Euro teuren Maßnahme gut leben kann. Tatsächlich räumte Bürgermeister Reiner Brombach in einem Grußwort ein, dass der Stellenwert der Brücke zunächst nicht von allen erkannt worden sei.

 Man habe aber im Rat darüber diskutiert und sei schnell zur Überzeugung gekommen, dass die Brücke wieder hergerichtet werden müsse. Die Diskussion über den Erhalt verteidigte das Stadtoberhaupt mit den Worten: „100000 Euro sind schließlich etwas, über die es sich zu reden lohnt.“ Eine Steilvorlage, die Kurt Sander vom AKKWV gerne nutzte. Er sprach Brombach seinen Dank dafür aus, dass er sein Weihnachtsgeld für die Brücke geopfert habe. Dieser quittierte den gutmütigen Seitenhieb mit einem Lachen und der Replik: „Dafür reicht es lange nicht.“

 In einem späteren Gespräch mit unserer Zeitung sagte Brombach, dass er die Anwohner gut verstehen könne. Die Schranke am nächsten Bahnübergang sei sehr lange unten und so sei man schnell zu der Überzeugung gelangt, hier investieren zu müssen. Für die neue Brücke wünscht sich Brombach, dass die Betonmauern nicht gleich wieder beschmiert würden. Für die Zukunft werde man überlegen, ob gefährdete Bauten nicht einen Graffiti abweisenden Auftrag bekommen sollten. Eine weitere Möglichkeit, neu gestrichene Flächen vor unerwünschter Straßenkunst zu schützen sieht Brombach darin, selbst ein Bild in Auftrag zu geben. So soll die Brücke Kornmasch möglicherweise bald von einer Jugendmannschaft des VFL Bückeburg gestaltet werden.

 Kurz bevor die „Wiedervereinigung“ mit einer „Erstbesteigung“ dokumentiert wurde, präsentierte Kurt Sander ein schild mit dem neuen Namen der Brücke („Sonnenblumenbrücke“). Dieser, sagte Sander, gehe zurück auf die Entstehungszeit der „AKKWV“ im Jahr 1977. Damals habe man erstmals bei einem Straßenfest Sonnenblumensamen verteilt und später dann – nach dem traditionellen Messen – einen Sonnenblumen-König ausgerufen. „Und jetzt stellen sie sich das Elend der AKKWV vor: wie sollte das ohne eine Brücke gehen?“, lautete die rhetorische Frage Sanders an die rund 80 Gäste. Ohne Brücke, so Sander weiter, sei man sich in den letzten Monaten vorgekommen, wie ein „geteiltes Deutschland“. Und: „Wenn die Brücke weg wäre, das wäre ein echter Bruch, dann hätten wir zum Sonnenblumenmessen mit dem Bus auf die andere Seite reisen müssen.“

 Es sei eben eine sehr gute Gemeinschaft, die sich hier gebildet habe, sagte Sander, man halte sehr gut zusammen und unternehme viel gemeinsam. Das habe man nicht verlieren wollen. Axel Wohlgemuth, CDU-Fraktionsvorsitzender, sah das an diesem Abend genauso. Man merke, wie viel Herzblut an der Brücke hänge, sagte er. Jens Meier, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes, stieß ins gleiche Horn. „Der AKKWV tut viel, um diese großartige Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.“ Er selbst, so Meier weiter, sei früher regelmäßig über diese Brücke zur Schule gefahren. Tatsächlich datiert die erste Brücke an diesem Standort um das Jahr 1900 herum. Zunächst aus Holz, in den 60ern folgte ein Überweg aus Stahl. „Das ist eine Brücke mit Tradition. Die haben schon unsere Großeltern benutzt“, gab ein Nachbar aus der Widdserburg zu verstehen. Die Brücke habe die gute Gemeinschaft erst möglich gemacht. Inzwischen geht es der Brücke, wie der AKKWV: Sie glänzt und ist für die nächsten Jahrzehnte gut gerüstet. Über acht Monate haben die Arbeiten gedauert - unter anderem umfasste die Sanierung Korrosionsschutz, eine UV-stabile Deckbeschichtung, eine Flüssigabdichtung sowie ein rutschfester Oberbelag aus Reibeplastik.mig

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