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Spannungsfeld „heiliger Hain“

Legale Forstarbeiten? Spannungsfeld „heiliger Hain“

„Um den „heiligen Hain der Bückeburger“, den Harrl, hat es in den vergangenen Tagen einige Auseinandersetzungen gegeben. Auslöser waren Forstarbeiten im Bereich des Südharrls, die Erholungssuchenden sauer aufstießen und die ihre Kritik in Briefen und Anrufen äußerten. Der Tenor: Ist das legal?“

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Heftige Diskussionen am Waldesrand mit Hofkammerchef Christian Weber (rechts.), Revierförster Alfred Matthaei, (3.von rechts), der Nabu-Kreisvorsitzenden Maria Rollinger (4.von rechts) und Zuhörern über das Spannungsfeld von Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung ob der Forstarbeiten im Harrl, die zu einiger Aufregung geführt haben.

Quelle: rc

BÜCKEBURG.  Ja, ist es, wie der Chef der Fürstlichen Hofkammer und des Fürstlichen Forstamtes, Christian Weber, sowie der zuständige Revierförster Alfred Matthaei bei einer Informationsveranstaltung betonten, zu der sie an den Beginn von Kamm- und Südweg am oberen Ende der Birkenallee geladen hatten. Nur wenige waren gekommen, die sich aus erster Hand informieren wollten. „Leider ist keiner der Kritiker gekommen“, bedauerte Matthaei.

 „Uns ist bewusst, dass wir ständig im Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Ökologie und unserer sozialen Verantwortung arbeiten und Wege finden müssen“, stellte der Hofkammerchef klar. Viele Punkte der Kritik beruhten auf „Nichtwissen“, so Weber weiter. So gebe es zwischen dem 1. April und 15. Juli während der Brut- und Setzzeit eine Anleinpflicht für Hunde. Dies bedeute aber nach der Gesetzeslage (Bundesnaturschutzgesetz/Niedersächsisches Gesetz über den Wald und die Landschaftsverordnung) nicht, dass in dieser Zeit keine Forstarbeiten durchgeführt werden dürfen, wenn die entsprechende fachliche Praxis vorliege. Das Forstamt nehme aber so weit wie möglich Rücksicht auf die Brut- und Setzzeit und versuche, außerhalb dieser Zeiten tätig zu werden. Nur: 20000 Festmeter nachhaltigem Holzeinschlags jährlich, 1000 bis 1500 Festmeter aus dem Harrl, seien innerhalb von zwei Monaten nicht zu machen. Das Fürstliche Forstamt ist ein zertifizierter Forstwirtschaftsbetrieb. Erst in diesem Jahr wurde das Zertifikat ohne Beanstandungen erneut erfüllt.

 Manche Dinge würden trotz aller Bemühungen manchmal nicht optimal laufen, räumte Weber ein. „Aber auch wir werden immer wieder von der Natur oder dem Wetter überrascht“, sagte er auch im Hinblick auf den Dauerregen der vergangenen Tage – der übrigens dazu geführt hat, dass die Forstarbeiten am Südharrl vorübergehend eingestellt worden sind.

 Wie Weber als auch Matthaei ausführten, sei der Harrl, aber auch Teile des Schaumburger Waldes Privatwald, dessen Betreten generell und überall in Deutschland erlaubt sei, anders als in anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Frankreich. Der Bürger und Erholungssuchenden hätten allerdings kein Anrecht darauf, wie es im Wald aussehe, etwa, wenn Wirtschaftswege in Mitleidenschaft gezogen würden.

 Dennoch habe das Forstamt natürlich ein Auge darauf, dass die Wege nach den Forstarbeiten zumindest halbwegs wieder begradigt würden. Vieles werde sich durch Frost und Schnee „egalisieren“, so Forstingenieur Michael Muke von der Butterweck Holzlogistik, die mit den Forstarbeiten im Harrl beauftragt worden ist. Am besten wäre es, wenn keiner über Waldböden fährt, merkte Weber an, aber wirtschaftlich sei das nicht zu machen. Für Rückepferde seien die Arbeiten „eine Schinderei“. Würde es in Handarbeit gemacht, würde es wesentlich mehr tödliche Unfälle geben, wobei die Forstwirtschaft trotz des Einsatzes von Maschinen immer noch weit oben in der Statistik stehe.

 Heftige Kritik übte Matthaei am Verhalten Erholungssuchender und Nutzer. Viele bewegten sich „am Rande der Legalität oder darüber hinaus“. Er erinnerte an Mountainbiker, Downhill-Fahrer, Geocacher, Hundebesitzer, querwaldeingehende Spaziergänger, gewerbsmäßige Pilzsammler oder Grundstücksanlieger, die Waldränder regelmäßig als Grünabfall-Deponie nutzen würden. Bei den jetzigen Forstarbeiten seien Absperrungen missachtet worden. Der Fahrer des Harvesters sei sogar mit Steinen beworfen worden, ergänzte Michael Muke, „einiges“ sei auch weggekommen.

 Weber wies daraufhin, dass er sich vorstellen konnte, bestimmte Dinge wie etwa Geocaching zu dulden und habe entsprechende Gespräche mit dem Landkreis geführt. Da die Verkehrssicherungspflicht aber bei der Hofkammer liegt, hätten die Pläne abgesagt werden müssen: „Sonst sind wir schadensersatzpflichtig.“ Was im Übrigen auch für Staatsforsten gelten würde.

 Informationen, die von den Zuhörern größtenteils ohne weitere Nachfragen aufgenommen wurden. Die Vorsitzende des Nabu-Kreisverbande, Maria Rollinger, bestätigte, dass es „keinerlei“ Möglichkeiten gebe, Forstarbeiten zu verhindern, es sei alles legal, was gemacht wird: „Das müssen wir Menschen hinnehmen.“ Bundes- und Landesverband würden sich kritisch auch mit der Fürstlichen Forstwirtschaft auseinandersetzen und an den entsprechenden Stellen tätig werden. Vom Fürstlichen Forstamt forderte die Nabu-Vorsitzende eine bessere Informationspolitik.  rc

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