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Stand hier einst die erste Stadtkirche?

Bückeburg Stand hier einst die erste Stadtkirche?

Fast ein halbes Jahrhundert hat Jörg Rauter, Spross einer alteingesessenen Bückeburger Kaufmannsfamilie, fern seiner Geburts- und Heimatstadt zugebracht. Umso intensiver pflegen er und Lebenspartnerin Ingrid Ullrich seit ihrer Rückkehr vor fünf Jahren die neu belebte Nachbarschaft. Am kommenden Wochenende soll das 150. Gründungsjahr des Rauter’schen Geschäftsunternehmens gefeiert werden.

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Das Rauter-Anwesen Lange Straße 59 auf einer historischen Aufnahme: Statt eines Tabakwaren- und Aussteuergeschäftes sind dort heute das Eis-Café „Adria“ und eine Schäfers-Bäckereifiliale untergebracht.

Quelle: gp

Bückeburg. Von Wilhelm Gerntrup

Der 72-Jährige hat dazu rund 100 Verwandte, Freunde und Nachbarn an die Lange Straße 59 eingeladen. Das dort einst ansässige, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Zigarren- und Tabakgeschäft Rauter gibt es seit gut 30 Jahren nicht mehr. Stattdessen bieten heute eine Bäckerei (Schäfer) und ein Eis-Café („Adria“) ihre Waren an. Die Ladenzeilenfront und den dahinter gelegenen Wohngebäudekomplex hat Rauter in den 1990er Jahren von seiner damaligen Wahlheimat Berlin aus von Grund auf saniert und umgestaltet.

Historisch interessierten Einwohnern ist das Anwesen auch und vor allem als vermeintlicher Standort von Bückeburgs erster Stadtkirche bekannt. Genaues weiß man nicht. Die Aktenlage ist äußerst spärlich. Sicher ist, dass der von 1498 bis 1527 residierende Schaumburger Graf Johann IV. ein Gotteshaus in der Stadt errichten ließ und das „Marienkirche“ getaufte Bauwerk im Jahre 1511 fertiggestellt und/oder eingeweiht wurde. Man nimmt an, dass es bereits 30 Jahre später einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen ist. Die damals gerade mal 400 Einwohner waren – wie schon zuvor – auf die Kapelle des Nachbardorfes Jetenburg angewiesen. Der Marienkirchenbau geriet in Vergessenheit. Sichtbare Spuren schienen nicht mehr vorhanden zu sein. Als 100 Jahre später die heutige Stadtkirche zur Verfügung stand, wusste schon bald keiner mehr, dass es einen Vorgängerbau gegeben und wo der gestanden hatte.

Das änderte sich, als sich kunsthistorisch interessierte Einwohner für vier auffällige, an unterschiedlichen Stellen in der Stadt entdeckte Bildsteinplatten zu interessieren begannen. Zwei der Reliefs waren und sind an der Südwand des Schloss-Ostflügels (heute Sitz des Niedersächsischen Staatsarchivs) eingelassen. Die beiden anderen – ein Epitaph (siehe Artikel unten) und eine Mariendarstellung – werden seit eh und je im hiesigen Museum für Stadt- und Landesgesichte aufbewahrt. Die Nachforschungen förderten eine überraschende Erkenntnis zutage: Alle vier Bildhauerarbeiten stammen aus der besagten Marienkirche.

Über den Weg des Epitaphs ins Museum glaubt man, auch dem Standort des Ex-Gotteshauses auf die Spur gekommen zu sein. Steinbild (und auch das Marien-Relief) hatten – zusammen mit anderen auffälligen Gesteins- und Fundamentresten – lange unbeachtet im Garten des heutigen Rauter-Grundstücks herumgelegen. Das werten nicht wenige als Beleg dafür, dass dort vor 500 Jahren für kurze Zeit Bückeburgs erste Kirche gestanden hat. Einen hundertprozentigen Beweis gibt es nicht.

Als bürgerliche Wohnstatt ist das Anwesen seit den 1660er Jahren ausgewiesen. Der Name Rauter taucht in der Besitzerfolge erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Als erster Geschäftsbetreiber wird Eduard Rauter genannt. Der damals 26-Jährige eröffnet 1865 einen Kolonialwarenladen. Nach ihm führten Sohn Ernst und anschließend Enkel Hermann, der Vater Jörg Rauters, den Verkauf an der Langen Straße Nr. 59 weiter. Hermann Rauter stieg nach dem Zweiten Weltkrieg von Lebensmitteln auf Rauchwaren um. Seine Erwartung, dass der Laden auch von den kommenden Generationen weitergeführt werden würde, erfüllte sich nicht. „Hinterm Tresen war nicht mein Ding“, sagt Jörg Rauter schmunzelnd. Er verließ Haus und Familie und machte Karriere als Vertriebsprofi. Zuletzt war er Verkaufsdirektor der traditionsreichen Bremer Martin Brinkmann Tabakwaren GmbH.

Als kleines Jubiläums-Dankeschön möchte Heimkehrer Rauter etwas fürs Image seiner alten und neuen Heimatstadt tun. Die hinter seinem Haus in Richtung Trompeterstraße gelegene, einst vor allem von Kunden des Ex-Aldi-Markts genutzte und bis heute als „Aldi-Parkplatz“ bekannte Fläche soll in „Pariser Platz“ umgetauft werden.

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