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Starke Mutter kehrt den IS vor die Tür

Bückeburg Starke Mutter kehrt den IS vor die Tür

Es ist ein lautes, ein befreiendes Lachen, das an diesem Abend aus dem Gemeindehaus der katholischen St.-Marien-Gemeinde dringt. Rund 70 Flüchtlinge, die auf Einladung des DRK-Kreisverbandes Advent feiern, lachen über die Terrorgruppe IS – und applaudieren, als die weiß gewandeten Männer von einer starken Frau aus dem Raum „gekehrt“ werden.

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Wenn man alles so einfach wäre wie im Theater: Mit Schwung wird der IS aus dem Haus gekehrt und zur Hausarbeit verdonnert.

Quelle: mig

Bückeburg. Was haben diese Menschen in den vergangenen Monaten nicht alles erlebt. Hunger und Durst, Not und Gefahr. Sie haben Tausende von Kilometern zurückgelegt, haben Schleppern ihr letztes Geld gegeben und haben es bis nach Deutschland, bis nach Bückeburg geschafft, wo sie in der Erstaufnahmeeinrichtung Königsberger Straße untergekommen sind.

Jetzt sitzen sie im katholischen Gemeindehaus und feiern Advent. Manch einer wirkt an diesem Abend müde, ein wenig reserviert. Ein Gefühl aber eint all die rund 70 Flüchtlinge, die auf Einladung des DRK feiern: Sie freuen sich, dass sie eine Zuflucht gefunden haben. „Als ich hier angekommen bin, konnte ich gar nicht glauben, wie friedlich es hier ist. Wenn ich dann einen Knall höre, denke ich, ich bin wieder im Krieg“, sagt einer. Ein anderer wünscht sich nur: „Ich möchte mit meiner Familie in Sicherheit in Deutschland leben können.“

Was das ganz konkret bedeutet, zeigt sich, als einige der Flüchtlinge ein Theaterstück aufführen. Die Handlung ist ausgesprochen ernst und das rund 15-minütige Spiel ein Plädoyer für Freiheit und Toleranz. Auf der einen Seite steht eine Familie, die trotz eines Problems zusammenhält, auf der anderen die Terrororganisation IS, die ihre Vorstellungen mit Gewalt durchsetzen. Als drei dieser Leute tatsächlich Ernst machen wollen, wird die Mutter aktiv. Sie „kehrt“ die Männer vor die Tür – und verdonnert sie zur Hausarbeit.

Slapstick auch innerhalb der Familie: Der Sohn wird zum Baby und muss sich mit Schnuller im Mund in die Badewanne stellen. Große Männer ganz klein – und eine Frau, die ihre Muskeln spielen lässt. „Wir wollen zeigen, dass man was gegen Daesh (IS) tun kann“, sagt ein Schauspieler später. Man dürfe den IS nicht fürchten – „man muss lachen“. Die Zuschauer aus Syrien, dem Iran, Irak, Eritrea oder Afghanistan sehen das ganz offenbar ähnlich. Sie nötigen der Truppe sogar eine kleine Zugabe ab. IS-Terroristen und starke Frauen vereint in einer Polonaise – ein tolles Bild. Ein muslimischer Flüchtling klatscht besonders laut: „Diese Leute töten, was sie nicht verstehen. Sie sind Barbaren und keine Menschen. Sie sind Ungläubige und keine Moslems.“

Als Geschenke verteilt werden, werden die Augen der Kinder größer. Ist das für mich?, scheint ein Mädchen zu fragen, als Kathrin Reckstadt, die Leiterin der Flüchtlingseinrichtung Bückeburg, vor ihr steht. Ihr Vater nickt lächelnd. Die Kleine nimmt das Paket, drückt es fest an sich und huscht zurück zu ihrer Familie. Ihr Geschenk – ein Spiel – lässt sie keine Minute aus den Augen. Strahlende Kinderaugen – glückliche Teilnehmer.

Reckstadt ist zufrieden. Die Feier habe sowohl den Bewohnern als auch den Mitarbeitern viel Freude gemacht. „Das sind die ersten Schritte zu einer Integration, und zwar einer Integration, die auch von den Bewohnern selbst ausgeht.“ Tatsächlich sei es das Interesse der Flüchtlinge gewesen, die die Helfer auf den Gedanken gebracht habe, eine Adventsfeier anzubieten. „Sie haben immer wieder Fragen zur deutschen Kultur und zu Weihnachten gestellt“, sagt Reckstadt. Da sei dann schnell der Gedanke aufgekommen, „dass wir eine Adventsfeier machen sollten“.

Den vielen Kulturen und Religionen zum Trotz: In der Erstaufnahmeeinrichtung gibt es bisher kaum Probleme. „Es läuft richtig gut bei uns. Die Atmosphäre ist gut, und auch die Nachbarn sind sehr freundlich“, sagt Reckstadt. Ältere Kinder gingen zur Schule. Es werde gebastelt, Sport getrieben und Deutsch gelehrt. „Auf diese Weise nehmen die Menschen am sozialen Leben teil und kapseln sich nicht ab. Sie sind alle sehr daran interessiert, Deutschland besser zu verstehen.“ mig

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