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Steigende Gewaltbereitschaft

Grundschule Am Harrl startet Petition Steigende Gewaltbereitschaft

Sie drohen an, Messer mit in den Unterricht zu bringen, und setzen das auch um. Lehrer werden mit erhobener Schere oder dem Erheben und sogar Werfen von Stühlen bedroht. Szenen, die sie sich in den vergangenen Monaten in verstärktem Maße an der Grundschule Harrl abgespielt haben, wo Sechs- bis Elfjährige unterrichtet werden.

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Im Februar 2012 richtete die Grundschule Am Harrl als eine der ersten Reaktionen auf die zunehmende Gewaltbereitschaft einiger Schüler den sozialen Trainingraum ein, rechts Schulleiterin Antje Kronenberg und Schulelternrat Thomas Bormann (Dritter von rechts).

Quelle: bus

Bückeburg. Mitschülern werden Haarsträhnen abgeschnitten. Es wird vom Schulgelände weggelaufen und aus unangenehmen Situationen geflüchtet.

 „Die Zunahme der Gewaltbereitschaft ist deutlich an der Steigerung der Qualität der Vorfälle sichtbar.“ Dieses Fazit zieht die Grundschule Am Harrl in einer Petition, mit der schnellstmöglich, spätestens jedoch bis zu den Osterferien, die Einstellung eines fachkompetenten Sozialarbeiters in Vollzeit gefordert wird. „Um der Gesamtsituation zu begegnen“, wie Schulleiterin Antje Kronenberg und der Vorsitzenden des Schulelternrates, Thomas Bormann, in der von ihnen unterzeichneten Petition begründen, die an alle Eltern ausgegeben wurde.

 Aus der Umsetzung bis zu den Osterferien ist trotz zahlreicher Gespräche mit Stadt, Landesschulbehörde und Landkreis Schaumburg nichts geworden. Bei seiner nächsten Sitzung wird der Schulausschuss der Stadt Bückeburg über das Thema beraten. Wie Bürgermeister Reiner Brombach – „Ich bin schon erstaunt, dass Sechs- bis Siebenjährige so gewalttätig sein können“ – auf Anfrage mitteilte, sei originär das Land Niedersachsen für die Einstellung eines Schulsozialarbeiters zuständig. Mit Land, Kreis, Stadt und Schule sei ein Gespräch geführt worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Land seiner Verpflichtung nachkomme, „tendiert gegen null“, gab der Bürgermeister sein Resümee aus dem Gespräch wieder – wie das Land auch bei anderen Begebenheiten seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkomme. Die Stadt sehe sich aber in der Pflicht. Die Schule dürfe mit dem Problem nicht alleine gelassen werden. Die Kosten bezifferte Brombach auf 30000 bis 50000 Euro pro Jahr – abhängig davon, ob eine Teilzeit- oder Vollzeitstelle eingerichtet und besetzt würde.

 Wie die Schule in ihrer Petition schreibt, ist sie laut Aussagen des Schulpsychologen eine Brennpunktschule. 316 Schüler besuchen derzeit die Schule – bei einer Klassenstärke von bis zu 26 Kinder. Von den 316 Schülern besuchen 23 Schüler Einrichtungen wie etwa den „Weidenkorb“ oder sind in Einrichtungen der Gotteshütte Kleinenbremen untergebracht. Dazu kommen Kinder, die große Verhaltensauffälligkeiten zeigten und noch nicht an einer Jugendhilfemaßnahme teilnehmen.

 Um den vielfältigen Herausforderungen im sozialen Miteinander besser begegnen zu können, wurde auf Initiative des Kollegiums im Februar 2012 ein sozialer Trainingsraum eingerichtet, finanziert von der Elternschaft und dem Kollegium. Besetzt ist der Trainingsraum mit einem „Bufdi“ und Lehrerinnen. Die Auslastung dieses Angebots komme immer häufiger an seine Grenzen. Zusätzlich bilde die Schule Streitschlichter aus, die in den Pausen bei kleineren Streitigkeiten zur Konfliktlösung beitragen. Aufgrund der aktuellen Konfliktsituation werden die Aufsicht führenden Lehrer durch eine zusätzliche Aufsichtsperson unterstützt.

 Den Beratungslehrerinnen stünden außerhalb ihrer Lehrertätigkeiten nur wenige Stunden für Konfliktlösungen zur Verfügung. Die angebotenen, im Unterricht einsetzbaren Gewaltpräventionsprogramme würden im Rahmen der Möglichkeiten ausgeschöpft, heißt es weiter in der Petition: „Die Lehrkräfte stoßen an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit durch zusätzliche Beratungsgespräche mit Jugendamt, Schulischem Beratungszentrum des Landkreises, Kindern und Eltern sowie einer deutlich erhöhten Anzahl von außerordentlichen Konferenzen.“

 Wie Rektorin Antje Kronenberg auf Anfrage mitteilte, würden außer der Forderung nach einem Schulsozialarbeiter derzeit weitere Maßnahmen geplant. Diese müssten aber noch von den Schulgremien diskutiert und beschlossen werden. Zu weiteren schulinternen Details wollte sie auch aus Datenschutzgründen keine weitere Stellung nehmen. Zu den Ursachen der steigenden Gewaltbereitschaft sagte sie, dass dies dem Feld der Spekulationen überlassen bleiben müsse.

 Die Grundschule Am Harrl scheint die einzige Grundschule in Bückeburg zu sein, die mit einer steigenden Gewaltbereitschaft ihrer Schüler zu kämpfen hat. Wie der Bürgermeister sagte, lägen ihm keine entsprechenden Informationen aus den anderen vier Grundschulen der Stadt vorn. rc

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