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Sticken ist gar nicht so schwer

Kindergottesdienst Sticken ist gar nicht so schwer

„Wie entsteht ein Altarbehang?“ Mit dieser Frage hat sich der jüngste Kindergottesdienst beschäftigt. Die Aktion ist Teil einer Reihe, die auf das 400-jährige Bestehen der Bückeburger Stadtkirche vorbereiten soll.

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Rainer Diekmann erklärt, wie es geht – die Kinder machen es nach.

Quelle: mig

Bückeburg. Im Gemeindehaus ist es an diesem Morgen ausgesprochen still. Kaum ein Wort ist zu hören, die Kinder schauen konzentriert auf ein Stückchen Stoff, das vor ihnen liegt. Handstickerin Christina Kuhlmann geht reihum, guckt mal hier, mal da. Da wo Hilfe gebraucht wird, bleibt sie stehen, zeigt, wie’s gemacht wird. „So geht das“, sagt sie und zeigt, wie der Faden ins Öhr eingefädelt wird. Eigentlich einfach, wenn man weiß, wie es geht.

Gut, dass „die Frau Kuhlmann“ da ist, findet die neunjährige Lena. „Allein könnte ich das nicht“, meint sie und lächelt leicht. Was sie mit dem grünen Fisch (ausgeschnitten aus leichtem Stoff, darauf ein schwarzer ICHTHYS-Schriftzug) machen will? „Den schenke ich meinen Eltern“, sagt die Neunjährige stolz. „Die werden sich freuen, wenn sie gleich aus der Kirche kommen.“

Doch erst einmal muss die schwarz gedruckte Schrift nachgestickt werden – ICHTHYS, was heißt das noch mal? Lena weiß es: „Das war ein Zeichen, mit dem sich die frühen Christen untereinander erkannt haben“, sagt sie. Und: Die Christen hätten damals im Untergrund leben müssen. Recht hat sie: Der Fisch, erklären die Erwachsenen, war damals eine Art Geheimsymbol. Ein Erkennungszeichen eben. Und noch eine Ebene haben die Zeichen, eine weitere, quasi buchstäbliche Bedeutung: Jesus, Christus, Gottes Sohn, Erlöser.

Diese zusätzliche Bedeutung haben überhaupt viele der Gegenstände, die in der Kirche zu sehen sind. Das gilt für die kleinen Bäffchen, die die Geistlichen an ihrem Hals tragen und das gilt für die Kanzel-, Altar- und Lesepultbehänge (Paramente), die sich je nach den Festen des Kirchenjahres zu richten haben. Paramentik ist schließlich das, was Kuhlmann in einer Spezialisierung im Rahmen ihrer dreijährigen Ausbildung zur Handstickerin gelernt hat: ein textiles Kunsthandwerk, das sie dazu befähigt, Paramente herzustellen. Die Techniken reichen vom Färben und Hochweben bis zum Applizieren und Filzen.

Was sie daran gereizt hat? „Ich bin schon als Kind mit dem Sticken aufgewachsen. Meine Oma hat noch Trachten gestickt, und ich habe ihr dabei zugesehen“, sagt sie. Das anschließende Studium der Textilwissenschaft sei da fast folgerichtig gewesen.

Eine große Freude hat Kuhlmann offenbar auch am Weitergeben ihres Wissens. Erst erklärt sie den Kindern die diversen Altarbehänge, dann die Bedeutung der dabei verwendeten Farben. Wann darf welche liturgische Farbe im Kirchenraum verwendet werden? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten und hat ein bisschen was von einem „Code“.

Violett beispielsweise steht für die Vorbereitungszeit auf hohe Christusfeste (Adventszeit vor Weihnachten, Passionszeit vor Ostern), Weiß für die hohen Christusfeste und ihre Festzeiten (Weihnachten, Ostern und Ähnliches). Rot steht für Pfingsten sowie für besondere Feste, die mit dem Wirken des Heiligen Geistes zu tun haben, und Grün für ungeprägte Zeiten, etwa die Zeit nach Epiphanias.

Lena weiß jetzt endlich Bescheid: „Ich habe mich schon immer gefragt, warum die Farben am Altar immer wechseln. Ich dachte schon, dass sich der Küster vielleicht vertan hat.“

Freude herrscht auch bei Pastor Rainer Diekmann und seinem Kindergottesdienst-Team. „Wir sind sehr zufrieden, dass heute so viele Kinder hier sind“, sagt Diekmann. Bisher sei die Resonanz auf die Reihe sehr gut gewesen. Laut Diekmann dienen die besonderen Aktionen als Teil der Vorbereitung auf das 400. Jubiläum. „Wir wollen, dass die Kinder ihre Kirche genau kennenlernen.“

Ziel sei es, zu zeigen, „was für eine Bedeutung die (sakralen) Gegenstände in der Kirche haben, sie sollen eine noch engere Beziehung zu ihrer Kirche aufbauen“. In den nächsten Monaten sollen übrigens weitere Überraschungen folgen. Unter anderem soll ein Tischler zu Besuch kommen, darüber hinaus wartet ein weiterer Gang ins Museum auf die Kinder. „Wir wollen den Kindergottesdienst noch praktischer gestalten“, sagt Pastor Diekmann. Und er betont: „Das kommt ganz offensichtlich gut an.“ mig

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