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Bückeburg Stadt Strafanzeige gegen Vertretungsarzt
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00:21 01.04.2018
Zum 1. April ist die Praxis Dr. Warnecke nach 39 Jahren Geschichte. Quelle: rc
Bückeburg

Dass hier ein Lebenswerk zerstört worden ist, sagt Dr. Helmut Warnecke im Gespräch mit unserer Zeitung nicht. Aber ihm ist anzumerken, wie nah es ihm geht, nach 39 Jahren als praktischer Arzt in Bückeburg keinen Nachfolger für seine Praxis gefunden zu haben.

 Zum 1. April muss er, wie berichtet, seine Praxis schließen. Der Grund: Nach einer Anzeige der Ärztekammer ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Warneckes potenziellen Nachfolger und die Übernahme der Praxis platzte.

 Doch der Reihe nach: Zunächst hatte alles ganz danach ausgesehen, dass der 69-jährige Mediziner einen Nachfolger für seine Praxis mit ihren 1300 bis 1500 Fällen pro Quartal findet. Nach mehreren, auch bundesweit laufenden Anzeigen hatte im September 2017 ein Arzt zunächst als Vertretungsarzt bei ihm angefangen, der zuvor ein Jahr in einer anderen Bückeburger Praxis als Weiterbildungsassistent gearbeitet hatte. Ziel sei es gewesen, dass dieser Arzt die Praxis übernimmt, wie es Warnecke schilderte.

 Wie bei Vertretungsärzten üblich, war die Vertretung von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) zunächst auf drei Monate befristet, wurde dann auf Antrag um weitere drei Monate verlängert, eine weitere Verlängerung wäre rechtlich nicht möglich gewesen. Der Arzt sei bei seinen Patienten beliebt gewesen, habe sich gut eingearbeitet, schildert Warnecke.

Übergabetermin geplatzt 

Von vornherein war aber auch klar, dass der Arzt noch die Prüfung zum Facharzt für Allgemeinmedizin vor der Niedersächsischen Ärztekammer ablegen muss, um überhaupt eine Hausarztpraxis übernehmen und betreiben zu dürfen, erklärte Warnecke. Die anderen Voraussetzungen des Curriculums der Allgemeinmedizinischen Weiterbildung seien erfüllt, hätte ihm der Arzt versichert. Ihm sei seitens des Arztes auch mehrfach zugesagt worden, dass er die Fachprüfung umgehend absolviert.

 Als Ende Februar das Ende der letzten Fristverlängerung als Vertretungsarzt immer näher rückte, habe er schließlich eine konkrete Aussage verlangt, warum die Facharztprüfung noch nicht abgelegt worden sei. Sein Vertreter rechtfertigte sich mit familiärem und beruflichem Stress. Warnecke habe dann bei der Ärztekammer angerufen – nachdem der Arzt diese von der Schweigepflicht entbunden hatte – und dort nur die Auskunft erhalten, dass „in absehbarer Zeit“ nicht mit einer Zulassung zu der Prüfung zu rechnen sei. Über die Gründe habe sich die Ärztekammer ausgeschwiegen. „Damit war der Übergabetermin geplatzt“, sagte Warnecke: „Ich musste die Konsequenzen ziehen und die Praxis schließen.“

 Der zuständige Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen entschied dann am 7. März, der Zulassung nicht zuzustimmen, da der Titel Facharzt fehlte.

Gefälschte Urkunde

Wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben, standen schon Ende Februar Vorwürfe im Raum, dass die Voraussetzungen zum Ablegen der Prüfung nicht gegeben seien. Von einer gefälschten Urkunde und Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Approbation war und ist die Rede. Die Ärztekammer wollte sich auf Nachfrage nicht weiter äußern und verwies darauf, dass sie zu einem laufenden Verfahren keine Auskünfte gebe. Sie bestätigte lediglich, dass die Ärztekammer eine Strafanzeige gegen den Arzt gestellt hat.

 Dass ein Vorgang vorliegt, bestätigte auch die Staatsanwaltschaft Hannover. Dort gab es lediglich die Auskunft, dass seitens der Hannoveraner Behörde diese Woche ein Übernahmeersuchen an die Staatsanwaltschaft Offenburg gestellt worden sei. Die Akten seien auf dem Weg dorthin. Ob die Offenburger übernehmen, sei offen.

 Nach Recherchen unserer Zeitung ist bei den Offenburger Behörden bereits ein weiteres Verfahren gegen den Vertretungsarzt anhängig, das einige Parallelen zu den aktuellen Vorkommnissen in Bückeburg aufweist. Demnach ist der Arzt Ende August 2017 vom Amtsgericht Offenburg zu einer Geldstrafe von 4000 Euro wegen Urkundenfälschung und Titelmissbrauchs verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil der Arzt umgehend Berufung eingelegt hat. Für eine Stellungnahme war der Vertretungsarzt nicht zu erreichen. rc