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Bückeburg Stadt „Symptome werden versteckt“
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt „Symptome werden versteckt“
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19:00 05.12.2012
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Herr Kahl, die Soldatin, die angeblich in der Bückeburger Kaserne vergewaltigt wurde, hat den Vorfall offenbar erfunden. Die Frau soll am Borderline-Syndrom leiden. Hätte das jemand bemerken müssen?

 Für Laien ist es schwierig, diese Krankheit zu erkennen, denn die Betroffenen verstecken die Symptome für gewöhnlich sehr gut. Erfahrene Kliniker hingegen können schnell erkennen, ob sie einen Borderliner vor sich haben. In der Spezialstation hier bei uns an der MHH haben wir sehr effiziente Möglichkeiten, um eine solche Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren.

Nun ist die Soldatin sicher gemustert und für diensttauglich befunden worden. Muss die Bundeswehr bei ihren Untersuchungen nachbessern?

 Die Musterung konzentriert sich in der Tat mehr auf physische als auf psychische Aspekte. Ob jemand seelisch angeschlagen ist, wird am Anfang der soldatischen Karriere also eher nicht erfasst. Dennoch ist es nicht uneingeschränkt ratsam, psychische Schwächen als Ausschlusskriterium für die Diensttauglichkeit heranzuziehen. Ich fürchte, dass Betroffene dann ihre Probleme erst recht verstecken und verschweigen würden und es eines Tages ganz unverhofft zu einem ernsten Zusammenbruch käme.

Können Sie sich vorstellen, welche Art von Trauma jemanden dazu bewegen könnte, eine Vergewaltigung zu erfinden?

 Das ist schwer zu sagen, ohne mit der Betreffenden gesprochen zu haben. Es muss aber nicht unbedingt ein sexuelles Trauma zugrunde liegen, es können auch andere schlimme Erfahrungen sein, die jemand in der Kindheit oder später gemacht hat. Wir gehen davon aus, dass ein bis zwei Prozent der Bevölkerung unter dieser Persönlichkeitsstörung leiden, die übrigens überdurchschnittlich häufig Frauen trifft.

Interview: Stefanie Gollasch

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