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Taschenflak statt Dicke Bertha

Bückeburg/ „Nachtausgabe“ Taschenflak statt Dicke Bertha

Die „Nachtausgabe“ hat ihre Herbst/Winterstaffel mit einem Künstler gestartet, der zum Veranstaltungsort passte wie die sprichwörtliche „Faust aufs Auge“.

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Der Finanzkabarettist Chin Meyer entpuppt sich als Meister der feinen Pointe, die den Zuhörer erst beschäftigt, bevor sie ihn begeistert.

Quelle: bus

Von herbert busch Bückeburg. Der weithin als einer der besten Finanzkabarettisten geltende Chin Meyer stellte in der Kundenhalle der Volksbank in Schaumburg im Rahmen der von diesem Geldinstitut und unserer Zeitung präsentierten Kleinkunstreihe einmal mehr sein verblüffendes Talent unter Beweis, Begebenheiten zu erhellen, die an und für sich im Dunkel unserer Illusionen versteckt sind.

 Da der 54-Jährige seine Erkenntnisse mit ungemein viel Publikumsnähe, Spontaneität, Charme und Lockerheit sowie unter Mithilfe des sympathischen Pianisten Andreas Gundlach vermittelte, kam er am Ende um einen tosenden Schlussapplaus und zwei Zugaben nicht herum.

 Aber der Reihe nach: Meyer spannte – immer die Frage „Wie wird man in 90 Minuten sexy, erleuchtet und erfolgreich?“ im Hinterkopf – einen kunterbunten Themenbogen, der weder Religion und Esoterik noch Politik und Gesellschaft und schon gar nicht Finanzen und Wirtschaft ausließ. Der zwischendurch eher zurückhaltend als enthusiastisch spendierte Beifall gründete vor allem auf der Tatsache, dass Meyer als einer daherkommt, der nicht lauthals mit der Kalauer-Keule durchs Dorf karriolt. Der Hamburger ist stattdessen ein Meister der nuancierten Pointe, die den Zuhörer erst beschäftigt, bevor sie ihn begeistert – Taschenflak statt Dicke Bertha.

 Kurzbeispiele: Finanzen haben eine natürliche Haltbarkeit – spätestens am Tag des Todes ist es vorbei. Was macht man, wenn man die Menschen auf ihrem Lebensweg weiterbringen will? Man wird Taxifahrer. Latte Macchiato ohne Milch ist wie Latte ohne Latte („Latte“ ist der italienische Begriff für „Milch“). Finanzanalysten lagen in den zurückliegenden Jahren zu 60 Prozent falsch. Wenn Sie eine Münze geworfen hätten, hätten sie mehr Gewinn erzielt. Wie wird man in 90 Minuten sexy? Üben, üben, üben. Und: Wie wird man in 90 Minuten erleuchtet? Wenn ich das wüsste, würden die Karten heute das Dreifache kosten.

 Beispiel Paradoxon: Wenn zwei sich vereinen, wenn drei sich entzweien, wenn sieben sich verachten, wenn einem Vegetarier alles wurscht ist. Und: Wenn es in Flugzeugen für Notfälle Schwimmwesten gibt, müsste es dann in U-Booten nicht auch Fallschirme geben?

 In der Rolle des spirituelle Weisheiten vermittelnden indischen Gurus stehen dem Wortakrobaten sinnigerweise die Paragrafen des deutschen Einkommensteuerrechts hilfreich zur Seite. Auf aktuell formulierte Publikumsfragen findet Meyer dort nach dem Zufallsprinzip die passenden Antworten. Frage: „Wie kann ich den treuesten und wunderbarsten Mann der Welt davon überzeugen, dass ich die Richtige für ihn bin?“ Zufallsstichwort: „Zinsansprüche aus Genussrechten“. Antwort: „Als Erstes müssen sie ihm Genussrechte gewähren, daraus entstehen Zinsansprüche, die sie dann wiederum einfordern können.“

 Im Bereich „praktische Lebenshilfe“ (beim Fremdgehen erwischt) setzte Meyer auf den ausgrenzenden Dialog und empfahl als Gesprächseinstieg: „Ist dir klar, dass eine von den drei Leuten, die sich hier im Zimmer befinden, reingekommen ist, ohne anzuklopfen?

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