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Theaterstück zeigt Alptraum Flucht

Bückeburg Theaterstück zeigt Alptraum Flucht

Sie rennen, paddeln, kämpfen um ihr Leben. In kleinen Booten, die kentern. Jetzt, in Sicherheit, spielen sie sich selbst: 13 Menschen, die die gefährliche Flucht nach Deutschland auf sich genommen haben. Ein „Albtraum“ (fast) ohne Worte, den die Zuschauer im Bückeburger Rathaussaal eindrucksvoll nacherleben.

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Quelle: Picasa

Bückeburg. Diese Bilder wird kaum einer der Zuschauer im voll besetzten Rathaussaal vergessen. Wie die Flüchtlinge in einem Boot sitzen, wie sie übers Meer paddeln. Oder wie in Syrien Menschen sterben. Zwei Mädchen werfen Asche in die Luft, schlagen auf den Boden. Ein Mann rammt sich immer wieder ein (imaginäres) Messer in den Bauch. Es sind Szenen des Todes, die zu sehen sind.

Anderswo wird gekämpft. Ein Mann nimmt einen anderen in den Schwitzkasten. Sein „Opfer“ krümmt sich – dann schlägt der Mann immer wieder auf seine Hüfte ein. Wieder und immer wieder, wie ein Fleischer. Das an sich schon ausdrucksstarke Bild steigert Regisseur Rushdie al Fatlawi mit grellbuntem Licht und dröhnender Musik. Der Zuschauer soll sich dem Geschehen nicht entziehen können.

Als die deutsche Nationalhymne und ein arabisches Lied gespielt werden, sind die Akteure sichtlich ergriffen. Im Publikum, in dem auch viele Flüchtlinge sitzen, fließen Tränen. Kurz vor Schluss setzen sich die Schauspieler direkt an den Rand der Bühne. Wortlos schauen sie die Zuschauer an – sekundenlang. Ein Mann ruft: „Gebt uns Hoffnung!“ Dann holt er ein Bündel Bücher aus einem Kinderwagen und breitet sie vor sich aus.

Bei aller Abstraktion bleibt das Stück nah an der Wirklichkeit. Der 19-jährige Wilat Has hat nach eigenen Angaben viel von dem, was in „Albtraum“ dargestellt wird, selbst erlebt. Has, ein Kurde, stammt aus der vom Islamischen Staat zerbombten Stadt Kobane in Syrien. Von dort sei er mit seinen Eltern und Geschwistern zu Verwandten nach Damaskus und dann in den Irak geflohen.

Dort war Has für UN und UNICEF tätig. „Als aber immer mehr der Menschen, denen ich half, nach Europa gingen, wollte ich auch weg“, sagt er heute. Er habe sich mit seinem 15-jährigen Bruder auf den Weg nach Deutschland gemacht. Es sei vor allem das Meer, vor dem er Angst gehabt hätte. In einem Schlauchboot, das zu viele Menschen an Bord hatte, ging es zunächst nach Griechenland und von dort zu Fuß durch das ehemalige Jugoslawien bis nach Deutschland. „Es hat die ganze Zeit geregnet, das war schrecklich“, sagt der junge Mann.

Eine ähnliche, aber ungleich schlimmere Fluchtgeschichte hat Abdallah Z. Der 21-Jährige wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft in Bückeburg und hat sich das Stück als Zuschauer angeguckt. „Ich musste an vielen Stellen weinen, weil ich das selbst so erlebt habe“, sagt er später. Abdallah ist ebenfalls nach eigener Ausage übers Meer geflohen – und musste mit ansehen, wie mehrere Menschen ertranken. „Das Boot hatte ein Leck, wir sind alle rausgefallen“, sagt er. Er habe sich zwar noch an dem halb aufgepumpten Stück Plastik festhalten können – anderen sei das nicht gelungen. „Das Wasser war zu kalt.“ Erst nach vielen Stunden habe die Küstenwache die Menschen aufgenommen.

Diese „Albträume“ und Traumata hat Regisseur Al Fatlawi zu metaphernreichen Szenen verdichtet. Al Fatlawi hat 14 Jahre am National-Theater in Bagdad und für das irakische Fernsehen gearbeitet – „Albtraum“ hat er mit Flüchtlingen aus der Prince Rupert School Rinteln einstudiert. Das zugrunde liegende Konzept erläutert Al Fatlawi so: „Jeder Schauspieler spielt seine eigene Rolle und drückt damit aus, was er auf seiner Flucht gefühlt hat.“ Das Stück „Albtraum“ sei denen gewidmet, die den Weg hierher nicht überlebt haben „und den Deutschen, die uns unterstützt haben.“

Einen Dank richtete Al Fatlawi an Johanna Woydt und Albert Brüggemann, die sich in Bückeburg um die Inszenierung gekümmert haben. Unterstützung bekamen beide von Ratskeller-Pächterin Claudia Schurig, dem Bühnenmeister des Bauhofes, dem Ausschuss für Tourismus und Kultur, dem Kulturverein, dem DRK und Marinus Kienzl von BDT, der Ton- und Lichtanlage kostenlos zur Verfügung stellt. Einen weiteren Teil trug der Lions Club bei, der Laptop und Lautsprecher spendete. Das Geld, dass eingenommen wurde, geht in Kulturprojekte an der Prince Rupert School: Brüggemann. „Das ist gelebte Integration – eigenfinanziert, nicht zulasten der öffentlichen Hand.“ mig

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