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Tod darf für Kinder kein Tabuthema sein

Bückeburg / Hospizpreise verliehen Tod darf für Kinder kein Tabuthema sein

Große Freude im voll besetzten Rathausaal der Stadt Bückeburg: Mit der Grundschule Deckbergen/Steinbergen hatte Schaumburg einen Preisträger bei der Preisverleihung des Niedersächsischen Hospizpreises der Hospiz Stiftung Niedersachsen.

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Die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt (links) zeichnet die Grundschule Deckbergen/Steinbergen aus. Den Preis nehmen Beratungslehrerin Wiebke Schulz und Schulleiterin Dagmar Tatge entgegen.

Quelle: mig

Bückeburg. „Sie haben ein beeindruckendes und vorbildliches Konzept vorgestellt“, brachte es Ministerin Cornelia Rundt auf den Punkt. Die Schule habe viel Mut bewiesen.

 Tod und Sterben sind noch immer großen Tabus in unserer Spaß-Gesellschaft. Das unausgesprochene Leitmotiv lautet „Forever young“. Zeigen sich Falten, werden sie vom „Wunderdoktor“ weggespritzt. Unter diesen Umständen ist es fast schon erstaunlich, dass sich in Niedersachsen rund 13000 Ehrenamtliche in etwa 130 Hospizinitiativen engagieren. Sie seien die „stillen Stars“, die viel zu selten im Licht der Öffentlichkeit stünden, gibt die Schirmherrin der Veranstaltung, Cornelia Rundt, in einem Grußwort zu verstehen. Die Gesellschaft ändere sich „und wir brauchen Menschen, die sich darum kümmern, dass Menschen in Würde sterben können.“

Hospizgedanke dringend vonnöten

 Einen ähnlichen Gedanken formulierte auch Hausherr Reiner Brombach in seinem Grußwort an die Gäste. Angesichts der sich verändernden Beziehungen in der Gesellschaft sei der Hospizgedanke dringend vonnöten. Immer mehr Menschen seien darauf angewiesen, in ihren letzten Stunden begleitet zu werden, meinte Bückeburgs Bürgermeister.

 Auf den ökumenischen Charakter des Preises und der Stiftung wies Prälat Felix Bernard, Leiter des katholischen Büros Niedersachsen, hin. Er sei sehr dankbar, dass es Menschen gebe, die sich hier beruflich und ehrenamtlich engagierten. Die ökumenische Zusammenarbeit innerhalb der Stiftung funktioniere „ausgesprochen gut.“ Den Niedersächsischen Hospizpreis sieht Bernard nicht als einen „Höher, schneller, weiter“-Preis, sondern als eine Auszeichnung für das Ehrenamt und alle Ehrenamtlichen.

 Die Verleihungszeremonie selbst begann dann mit der Vergabe des Förderpreises der Hospiz-Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen. Entsprechend dem diesjährigen Motto „Schule begegnet Hospiz – Hospiz begegnet Schule“ gab es Auszeichnungen für drei Schulen, die in diesem Bereich tätig geworden waren. Es sei wichtig, Sterben, Tod und Trauer in den Schulalltag zu integrieren und schon im Vorhinein Notfallpläne zu erstellen, die Halt gäben und an denen sich die Lehrkräfte wie an einem Gerüst entlang hangeln könnten, so Anke Matthaei vom niedersächsischen Kultusministerium.

 Der Stiftungsvorsitzende, Pastor Stephan Lorenz, erläuterte, wie wichtig es sei, den Tod zu enttabuisieren und bereits Kinder für das Thema zu sensibilisieren und Angst abzubauen. Was passieren kann, wenn das Kind vom Tod ferngehalten werden soll, zeigte ein Beispiel von Ursula Helmhold, deren Vater starb, als sie 13 Jahre alt war. Damals habe sie sich „sehr gewünscht, dass mir irgendjemand mehr zur Seite gestanden hätte, als ich es erfahren habe“, sagte die Laudatorin. Kinder seien oft sehr alleine in ihrer Trauer, weil Angehörige überfordert seien. Hier, sagte Helmhold, sollte Schule aktiv werden.

 Die Förderpreise gehen an die Grundschule Deckbergen/Steinbergen (1. Platz, 3000 Euro), die Rudolf-Diesel-Schule in Königslutter (2. Platz, 2000 Euro) und die Grundschule Hermannshagen in Hannover (3. Platz, 1500 Euro). Cornelia Rundt lobte das Konzept der Rintelner Grundschule als „sehr beeindruckend“. Die Schule pflege einen offenen Umgang mit dem Thema und habe ein Notfallkonzept entwickelt, dass die einzelnen Schritte wie an einer Perlenkette aufreihe.

 Beratungslehrerin Wiebke Schulz und Schulleiterin Dagmar Tatge schilderten in einem Gespräch mit dieser Zeitung, dass der Tod eines nahen Menschen (ob Lehrer, Elternteil oder Mitschüler) große Auswirkungen auf das Leben des Kindes haben könne. Kinder seien sehr sensibel für diese Thematik, es sei sehr wichtig, dass sie ihre Trauer bewältigten. In Falle eines Falles gehe man auf den Schüler zu und schaue, was für ihn in dieser Situation wichtig sei, erläutert Wiebke Schulz die Vorgehensweise.

 Eltern und Lehrer hielten dabei ständig Kontakt: „Ohne die Unterstützung und das Einverständnis der Eltern geht es nicht“, gibt Dagmar Tadge zu verstehen. Einen Dank richtet die Schule an den Hospizverein Rinteln, mit dem eine enge Vernetzung bestehe. „Wir werden in Zukunft auf diesem Weg weiter voranschreiten“, versprachen die Vertreter der Schule.

Stets versucht, Arbeit vor Ort zu verbessern

 Weitere Preise gingen an die Ehrenamtlichen Hanna Beyer aus Stade, Hans-Joachim Jürgens aus Varrel und Antonia Gruber aus Meppen. Michael O’Farrell aus Burgdorf bekam den Ehrenpreis der Hospiz-Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen. Rudolf Seiters, Cornelia Rundt und Bischof Manzke übergaben die Urkunden und eine Arbeit auf Flachglas des Dorfmarker Künstlers Dieter Schafranek.

 „Sie sind Menschen, die sehr wach sind und stets ausschauen, wie sich die Hospizarbeit weiterentwickeln kann“, gab der heimische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke den Ehrenamtlichen mit auf den Weg. Stets hätten die Geehrten versucht, die Arbeit vor Ort für die Patienten und ihre Familien zu verbessern.

 Das gilt insbesondere für Antonia Gruber, die seit Langem in der katholischen Krankenhausseelsorge aktiv ist. Bis heute geht die Meppenerin auf die onkologische Station und kümmert sich besonders um Menschen, die Krebs haben. Den Anstoß dafür gab der Tod einer engen Freundin, erzählt Gruber heute. mig

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